Vierwaldstättersee

10. Juni 2014 09:15; Akt: 10.06.2014 09:15 Print

Weniger Fische: See ist zu sauber

Der Fischbestand im Vierwaldstättersee ist massiv gesunken, weil das saubere Wasser zu wenig Nährstoffe für die Fische hergibt. Gleichzeitig steigt der Fischkonsum der Bevölkerung.

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Im Vierwaldstättersee hat es immer weniger Fische, weil das Wasser zu sauber ist. (Bild: Keystone/Flueeler)

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«Jetzt kommen der Vierwaldstättersee und die obere Reuss in Luzern einer leblosen Trinkwasserwüste gleich», sagt der Biologe und Hobbyfischer Roman Ensmenger aus Kriens. Wie die «Neue Luzerner Zeitung» berichtete, sind die Erträge der Berufsfischer seit 1986 kontinuierlich zurückgegangen. Laut Statistik wurden im vergangenen Jahr 10,6 Kilo Fisch pro Hektar gefangen. Vor dreissig Jahren waren es über dreimal mehr.

Auch Otto Holzgang, Abteilungsleiter Natur, Jagd und Fischerei bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) des Kantons Luzern, bestätigt: «Wir stellen einen markanten Rückgang des Fischbestandes im Vierwaldstättersee fest. Vor allem das Albeli, eine kleine Felche, ist davon betroffen. Das ist keine schöne Situation». So ist der Bestand der Albelis etwa ums Fünffache geschrumpft, von 25,8 Kilo pro Hektare im Jahr 1986 auf 4,8 Kilo im Jahr 2013.

Zu wenig Nährstoffe im Wasser

Biologe Roman Ensmenger erklärt, warum der Fischbestand im Vierwaldstättersee geschrumpft ist: «Das Wasser ist zu sauber, es gibt zu wenig Nährstoffe.» Die leistungsfähigeren Kläranlagen würden das Phosphat aus den Abwässern filtern. Der fehlende Phosphor hemme die Produktion von Plankton. Somit gibt es zu wenig Nahrung für die Fische.

Der sinkende Fischbestand steht im krassen Gegensatz zum steigenden Fischbedarf der Schweizer Bevölkerung. Der Pro-Kopf-Konsum sei seit 1980 um rund 3 Kilogramm angestiegen: Heute isst jeder 9 Kilogramm Fisch und Meeresfrüchte pro Jahr. Davon werden 90 Prozent importiert.

Fischzuchten boomen

Häfliger macht einen weiteren Grund für den Fischmangel aus: «Es werden zu kleine Fische, die sich noch vermehren könnten, gefischt. Wir sind bestrebt, die Fangmasse, also die Länge der Tiere, die gefischt werden dürfen, heraufzusetzen.» Hier müsse eine schweizweite Lösung gefunden werden. «Daran arbeiten die Fischereiverbände», so Häfliger.


(cza)