Zuger erfindet Hotel neu

16. Oktober 2019 16:43; Akt: 16.10.2019 17:26 Print

Wer dieses Hotel bucht, guckt in die Röhre

Was tun, wenn bei einem Entwässerungstunnel ein bisschen Betonröhre übrig bleibt? Ein Zuger hatte eine raffinierte Idee: Er baute daraus ein Tiny Hotel.

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Eine Betonröhre, die beim Bau eines Entwässerungstunnels in Zug übrig blieb: Daraus haben zwei Zuger ein Hotelzimmer gebaut. Insgesamt waren es sechs Röhren, die nun zu Hotelzimmern umfunktioniert werden. Das fertige Röhrenhotelzimmer sieht gemütlich aus. Die Idee des Upcycling-Projekts namens «Sleepipe» hatte der Projektentwickler Dieter Brendel gemeinsam mit Schreiner Rolf Brändle. Die beiden kennen sich seit über 15 Jahren und hätten bereits mehrere Projekte realisiert. Aus der Betonröhre mit 2,7 Metern Durchmesser wurde ein erster Prototyp erstellt, der an der Zuger Messe vom 19. bis 27. Oktober ausgestellt wird. Die Schreinerei Brändle AG hat selbst Hand angepackt beim Erstellen des ersten Röhrenzimmers. «Ob begehbarer Kleiderschrank oder beheizte Hundehütte – Spezialanfertigungen sind unser Steckenpferd», sagt Schreinermeister Rolf Brändle. Die Arbeit der Schreiner in der Röhre ist eine runde Sache. Ein Zimmer aus einem kreisrundem Raum zu machen sei aber durchaus nicht alltäglich. «Die Herausforderung besteht darin, auf kleiner Fläche umfassenden Komfort zu bieten und dabei trotzdem ein grosszügiges Raumgefühl zu erzeugen», sagt Brändle. Der Einbau der Möbelelemente ist Präzisionsarbeit. «Das Röhrenhotel soll professionell vermarktet werden», steht in einer Mitteilung. Buchen und Einchecken könne der Gast in Zukunft ganz bequem per App auf dem Smartphone. Das fertige Röhrenzimmer verfügt über ein Schlafsofa, einen Tisch, Einbauschränke sowie ein Bad. Die sechs Röhrenzimmer sollen pyramidenförmig aufgetürmt werden. Die oberen Zimmer werden durch eine Aussentreppe erreichbar sein. Der Preis einer Übernachtung schätzt Brendel auf 80 Franken. Endgültig sei aber noch nichts entschieden. Vor allem die runde Form bringt seine Tücken mit sich. Das Zimmer kann durchlüftet werden und ist sogar mit einer Fussbodenheizung ausgestattet. Das künftige Röhrenhotel könne eigentlich an jeglichen Standorten platziert werden, wo Strom- und Wasseranschlüsse vorhanden sind. Um die 25 Tonnen schweren Röhren zu transportieren müsse aber ein grosser Aufwand betrieben werden, weswegen die Röhrenzimmer sicher zwei bis drei Jahre am gleichen Standort bleiben sollten. «Areale, die für Zwischennutzungen freigegeben sind, würden sich besonders gut eignen», teilt Bauherr Dieter Brendel mit. Ein Baugesuch habe er bereits eingereicht.

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Als in Zug mit dem Bau einer neuen Entwässerung begonnen wurde, hatte damit wohl niemand gerechnet: Sechs Röhrenelemente von jeweils vier Metern Länge nämlich wurden nicht verbaut – und diese werden nun zu Hotelzimmern umfunktioniert.

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Hotelzimmer mit 2,7 Metern Durchmesser

Die Idee zur sogenannten «Sleepipe» hatte Projektentwickler Dieter Brendel. Gemeinsam mit dem Zuger Schreiner Rolf Brändle hat er das Projekt realisiert. Aus einer der Betonröhren mit 2,7 Metern Durchmesser wurde bereits der erste Prototyp erstellt. Das fertige Röhrenzimmer verfügt über ein Schlafsofa, einen Tisch, Einbauschränke sowie ein Bad. Ausserdem kann das Zimmer durchlüftet werden und ist sogar mit einer Fussbodenheizung ausgestattet. Buchen und Einchecken kann der Gast in Zukunft ganz bequem per App auf dem Smartphone. Vorgestellt wird das neuartige Hotel an der Zugermesse, die am Samstag beginnt.

Eine Pyramide aus Hotelzimmern

Pyramidenförmig sollen künftig die sechs Röhren aufgetürmt werden und so zur «originellsten Herberge im Zugerland» werden, wie der Hersteller mitteilt. Die oberen Röhren sind durch eine Aussentreppe erreichbar. «Gedacht sind die Zimmer für Ingenieure, die in Zug übernachten wollen», sagt Brendel. Der Preis für eine Übernachtung sei noch nicht festgelegt worden. Brendel geht jedoch von einem Preis um die 80 Franken aus.

«Die Betonröhren habe ich geschenkt bekommen»

«Sleepipe» übrigens heisst das Hotel, weil die Röhren vom Projekt «Seapipe 2.0» stammen, also der neuen Vorflutleitung Zugersee, die 1,8 Kilometer lang ist und zwölf Meter unter der Erde in den Zugersee führt. Die nicht mehr benötigten sechs Elemente wurden den Hotel-Entwicklern geschenkt.

Schreiner Rolf Brändle sagt, ein Zimmer aus einem kreisrundem Raum zu machen sei durchaus nicht alltäglich. «Die Herausforderung besteht darin, auf kleiner Fläche umfassenden Komfort zu bieten und dabei trotzdem ein grosszügiges Raumgefühl zu erzeugen.»

Hotelzimmer ist 25 Tonnen schwer

Das künftige Röhrenhotel könne eigentlich an jedem Standort platziert werden, wo Strom- und Wasseranschlüsse vorhanden sind. Um die 25 Tonnen schweren Röhren zu transportieren müsse aber ein grosser Aufwand betrieben werden, weswegen die Röhrenzimmer sicher zwei bis drei Jahre am gleichen Standort bleiben sollten. «Areale, die für Zwischennutzungen freigegeben sind, würden sich besonders gut eignen», sagt Bauherr Dieter Brendel. Ein Baugesuch für einen Standort in der Zuger Gemeinde Steinhausen hat er bereits eingereicht.

(jab)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thesi am 16.10.2019 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht ganz neu die Idee

    In Thun gibt es bereits seit Jahren ein Röhrenhotel. Die Grundidee ist vielleicht nicht dieselbe - das Resultat aber praktisch schon

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  • Sta Tadda am 16.10.2019 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tadda

    gibst es in Thun / Gwatt schon länger ;)

  • Mutti am 16.10.2019 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    Geniale Idee!

    Andere hätten einfach einen Container genommen - mit mehr Platz, mehr Luft, besserer Isolation, weniger Gewicht und leichter zu transportieren wäre er erst noch. Also die Idee ist genial.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eduard J. Belser am 17.10.2019 07:01 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Gag, mehr nicht

    Die Bilder zeigen es deutlich. Die runde Form ist nur ein Gag, der mit einer schlechten Nutzungsmöglichkeit des Innenraums und einem aufwändigen Innenausbau erkauft wird. Besser wäre ein quaderförmiger Raum. Für solche vorgefertigte Hotelzimmerzellen ist der einheimische, nachwachsende und CO2-neutrale Baustoff Holz ideal. Damit würden die einzelnen Hotellzellen auch viel leichter und wären besser isoliert. Solche Hotels aus schnell Aufbauarbeit Holzzellen wurden auch in der Schweiz schon mehrfach gebaut. Aber das ist eben unspektakulärer als der Gag mit dem Betonrohr.

  • Verwöhnter am 17.10.2019 00:02 Report Diesen Beitrag melden

    Bei mir gehts anders zu und her

    Ich schlafe in meinem Camper, diesen kann ich abstellen wo es mir gefällt und ich niemanden störe. Wasser, Strom, Küche, Heizung, Toilette, WC, alles ist vorhanden. Das tolle ist: Der ist immer startbereit, genau das richtige für schnellentschlossene, wie ich es bin.

  • Leseratte am 16.10.2019 22:05 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neuss

    Schlafen in der Röhre? Leute das gibts schon seit Jahrzehnten. Vom riessen Weinfass bis hin zum Unterwasser Stahlcontainer. Langweilig

  • Philipp am 16.10.2019 22:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Baubewilligung

    Da bin ich ja mal gespannt wie die Anforderungen an den Wärmeschutz der Gebäudehülle sowie den Höchstanteil nichterneuerbarer Energieen für Heizung und Warmwasser nachgewiesen werden. Ist das ganze wasserdicht gegen aussen? Wie wird für ausreichende Belüftung gesorgt? Ist nicht der Körper- und Trittschall der übereinander gestapelten Röhren ein Problem? Sehr spannend!

  • Privatier am 16.10.2019 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    Schlafstelle

    Mehr braucht es nicht!