Touristenattraktion

02. Oktober 2019 09:24; Akt: 02.10.2019 09:45 Print

Wildhüter tötet Murmeli-Familie der Klewenalp

Auf der Klewenalp konnte man bislang Murmeltiere bestaunen. Die Sanierung des Geheges wäre für die Betreiber zu teuer gewesen, die Tiere wurden erschossen.

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Sieben Murmeltiere lebten in einem Gehege, das von der Klewenalp-Bahn als Touristenattraktion betrieben wurde, so die «Luzerner Zeitung». Im Bild ist eines davon im Gehege zu sehen. Die Sanierung hätten sich die Klewenalp-Bahn nicht leisten können: «Ein neues Gehege hätte gegen 250'000 Franken gekostet, das Fünffache des Jahresgewinns 2018/19 der Bahn», zitiert die «Luzerner Zeitung» Paul Odermatt, Leiter Betrieb und Technik der Bahn. Deshalb hat die Bahn beschlossen, den Wildhüter damit zu beauftragen, die sieben Tiere – vier im Juli geborene Murmeltiere, die beiden Eltern und auch den Murmeltier-Grossvater – abzuschiessen. Im Bild zu sehen sind die Klewenalp-Murmeltiere beim Fressen. Marion Theus, Präsidentin des Vereins Wildtierschutz Schweiz, kritisiert diese Entscheidung gegenüber der «Luzerner Zeitung»: «Man kann nicht bei Kindern mit dem Murmeligehege werben und sie einfach entsorgen, wenn es nicht mehr passt.» Im Bild zu sehen ist die Infotafel, dass das Klewenalp-Gehege nicht weiter betrieben wird. Theus ist überzeugt, dass es auch andere Lösungen als die Tötung der Murmeltierfamilie gegeben hätte. Man hätte beispielsweise eine Freilassung in die Natur und die Unterstützung einer Wildtierstation in Betracht ziehen können. Im Bild zu sehen ist eines der Murmeltiere des Geheges beim Fressen. Odermatt ist der Ansicht, dass die Tiere bei der Auswilderung verhungert wären: «Die Tiere waren sich gewohnt, gefüttert zu werden.» (Symbolbild) Murmeltiere in freier Wildbahn im Winter im Schnee. (Symbolbild) Aussicht von der Klewenalp oberhalb von Beckenried. (Symbolbild)

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Sieben Murmeltiere lebten in einem Gehege, das von der Klewenalp-Bahn als Touristenattraktion betrieben wurde, so die «Luzerner Zeitung». Da einer Bahnkundin aufgefallen war, dass die Tierschutzvorschriften nicht erfüllt wurden, machte das Veterinäramt der Betreiberin Auflagen. So hätten die Tiere beispielsweise mehr Platz gebraucht und das Gehege hätte nur noch von zwei Seiten für das Publikum zugänglich sein dürfen.

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Die Sanierung hätte sich die Klewenalp-Bahn nicht leisten können: «Ein neues Gehege hätte gegen 250'000 Franken gekostet, das Fünffache des Jahresgewinns 2018/19 der Bahn», zitiert die «Luzerner Zeitung» Paul Odermatt, Leiter Betrieb und Technik der Bahn. Man habe zuerst nach einem neuen Zuhause für die Murmeltiere gesucht, aber überall habe es geheissen, man könne die Tiere diesen Herbst nicht aufnehmen.

«Mit Murmeli werben und sie einfach entsorgen, geht nicht»

Deshalb hat die Bahn beschlossen, den Wildhüter damit zu beauftragen, die sieben Tiere – vier im Juli geborene Murmeltiere, die beiden Eltern und auch den Murmeltier-Grossvater – abzuschiessen. Marion Theus, Präsidentin des Vereins Wildtierschutz Schweiz, kritisiert diesen Entscheid: «Man kann nicht bei Kindern mit dem Murmeligehege werben und sie einfach entsorgen, wenn es nicht mehr passt.»

Sie ist überzeugt, dass es auch andere Lösungen als die Tötung der Murmeltierfamilie gegeben hätte. Man hätte beispielsweise eine Freilassung in die Natur und die Unterstützung einer Wildtierstation in Betracht ziehen können. Auch Jacqueline Dehmel, Präsidentin des Tierschutzvereins Nidwalden, ist empört. Sie glaubt, dass es ihr über ihr Netzwerk möglich gewesen wäre, die Tiere anderswo unterzubringen, wenn sie es genug früh erfahren hätte.

«In freier Wildbahn wären sie verhungert»

Odermatt ist der Ansicht, dass die Tiere bei der Auswilderung verhungert wären: «Die Tiere waren sich gewohnt, gefüttert zu werden.» Und andere Vorschläge seien ihm vonseiten von Tierschutzorganisationen nicht gemacht worden. Da im Frühjahr mit weiteren jungen Murmeltieren zu rechnen gewesen wäre, habe man handeln müssen.

(ihr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alter Mann am 02.10.2019 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Was nicht rentiert, muss weg!

    Typisch Schweizermentalität - was nicht rentiert, wird entfernt, oder halt wie in diesem Fall erschossen! Das lässt einen schon nachdenklich werden...

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  • swissboy am 02.10.2019 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kleines Gehege?

    das kommt davon wenn selbsternannte Tierschützer überall meckern und das Gefühl haben ein Gehege sei zu klein für die Murmeltiere. ich bin mir sicher die Murmeltiere waren in dem Gehege sehr glücklich. Dann werden sie halt erschossen. Danke an die Tierschützerin

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  • Mo am 02.10.2019 11:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zu fassen

    Ja, das ist klar. Für sowas hat die Schweiz kein Geld!! Man schmeisst lieber alles Geld jedem dahergelaufenen hinterher!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Führung am 03.10.2019 23:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So nicht

    Ich denke, Herr Odermatt ist auch zu teuer für die Klewenbahn. Vorallem was er leistet, respektive nicht fähig ist. Darf man ihn auch so einfach aus der Welt schaffen??? Ah nein, geht ja nicht, er ist kein Murmeli.

  • Domenico Bellina am 03.10.2019 21:57 Report Diesen Beitrag melden

    Aus den Augen, aus dem Sinn!

    Solange das Gehege als Touristenattraktion betrieben wurde und Geld einbrachte, waren diese Tiere also noch gut genug. Sobald die Auflagen gekommen sind unternimmt man nicht den geringsten Aufwand sie auszuwildern. Ich bin oft in den Karnischen Alpen auf Bergtour, und da begegnen mir (unter anderen) oft diese wunderbaren Tiere. Die Meinung von Herrn Odermatt (die Tiere verhungern in freier Wildbahn) teile ich absolut nicht! Wie will er es denn wissen, wenn er es gar nie versucht hat. Aber nein, wenn ein Tier beim Unterhalt zu "teuer" ist, wird das "Problem" mit der Flinte erledigt!

    • Prisi am 03.10.2019 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Domenico Bellina

      Ganz toll geschrieben, viel Erfahrung mit Natur und Tier. Sehr imposant Ihr Bericht. Da können viele etwas lernen davon. Nicht können lernen, sondern müssen!!!

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  • Hoffnung am 03.10.2019 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Ändern kann man eh nichts mehr. Einzigst es wird aus der Situation gelehrt und es wird keine so Vorfälle wieder geben. Wäre wirklich traurig.

  • Murmeli Fan am 03.10.2019 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Na prima

    Ich bin total schockiert über diese Geschichte und sicher, dass es auch eine andere Lösung gegeben hätte, wenn man nur wirklich gewollt hätte... ein Spendenaufruf beispielsweise? Es hätte bestimmt viele Spender für diese Murmeli gegeben. Und zum Schluss kommt dann der WildHUETER zum Einsatz, der eigentlich ja das Wild hüten sollte. Gibt mir wirklich zu denken und werde wohl nicht mehr auf die Klewenalp gehen.

    • Tobi am 03.10.2019 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Murmeli Fan

      Da bin ich absolut gleicher Meinung und Schliesse mich Ihnen an die Klewenalp sieh von unserer Familie keinen einzigen Rappen mehr von uns, wobei wir mindestens einmal mit den Enkeln do dort waren. Und zudem suchen wir nun einen anderen Skyclub für die Enkel. Sicher nicht mehr Skyclub Ebikon, der in der Klewenalp die Kurse durchführt.

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  • Severin am 03.10.2019 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Zeichen setzen

    Bitte gebt eine schlechte Bewertung und einen (auf die Wortwahl aufpassen) Kommentar bei Google ab.Es geht mir nicht darum,zu hetzen...Aber nur so macht man solchen Tierquälern klar,dass Tiere bei uns in der Schweiz kein Abfall sind (ausser männliche Küken,ist leider immer noch so).War noch nie dort,aber würde jetzt auch nie mehr dahin gehen.So geht man einfach nicht mit einem fühlenden Lebewesen um