Reklamationen

22. April 2019 14:28; Akt: 22.04.2019 17:59 Print

Wirte im Visier von dreisten Abzockern

von Daniela Gigor - In zwei Betrieben der Remimag sind E-Mails mit angeblichen Reklamationen übers Essen eingegangen. Ziel der Schreiben: Hoffnung auf Gutschriften.

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«Mein Bruder hat vor kurzem in Ihrem Restaurant gegessen.
Danach hat er spät am Abend gekotzt und auch an Durchfall gelitten. Man hat ihn im Krankenhaus untersucht und Kolibakterien nachgewiesen. Der Arzt hat eine offizielle Bescheinigung gegeben. Wir haben allen Grund zu glauben, das Ihr Lokal daran schuld ist. Ihr Lokal entspricht den Hygienevorschriften nicht. Wir werden unbedingt eine Klage in die Hygieneninspektion einreichen. So eine Gemeinheit! Sie vergiften die Menschen!»

Dieses E-Mail erhielt das Restaurant Pfistern in Luzern vor rund einem Monat. Auch das Restaurant Schwellenmätteli in Bern, das ebenfalls zur Luzerner Remimag Gastronomie gehört, erhielt ein ähnliches E-Mail, wie Geschäftsleiter Florian Eltschinger bestätigte: «Die Person, die solche E-Mails schreibt, betrügt die Restaurants, und darauf fallen wir nicht rein.» Ziel des Schreibens ist laut Eltschinger die Hoffnung auf eine Gutschrift. Diese Masche sei völlig neu.

Lebensmittelproben werden analysiert

Entsprechend ist die Antwort auf das E-Mail ausgefallen: «Vielen Dank für Ihre wenn auch nicht erfreuliche Rückmeldung. Wir bedauern ausserordentlich, dass es ihrem Bruder nicht gut ging, und hoffen, dass es ihm bereits wieder besser geht. Wann genau und mit wem war denn Ihr Bruder bei uns? Was haben er und seine Begleitung gegessen? Haben die anderen Gäste auch solche Beschwerden gehabt? Es sind trotz der vielen bewirtschafteten Gäste bis jetzt noch keine weiteren Beanstandungen bei uns eingegangen.»

Die Remimag teilte weiter mit, aus folgenden Gründen sei es für sie sehr unwahrscheinlich, dass sich der Bruder bei ihr den Magen durch Kolibakterien verdorben habe: «Wir bedienen täglich eine sehr grosse Anzahl von Gästen, wodurch wir garantieren können, dass keine Speisen überlagern und dadurch verderben. Unser Betrieb kauft nur einwandfreie Waren von führenden Herstellern und Lieferanten ein. Bei der Lagerung und Verarbeitung achten wir peinlich genau auf die Einhaltung der Hygienevorschriften, die regelmässig geschult und kontrolliert werden.» Der Betrieb werde neben der amtlichen Lebensmittelkontrolle zusätzlich laufend von einem privaten Labor «peinlich genau geprüft» und Lebensmittelproben würden analysiert. «Ich wünsche Ihrem Bruder gute Besserung und hoffe, schon bald wieder von Ihnen zu hören.»

«Das ist ein Horror für Wirte»

Nach diesem Schreiben meldete sich der Betrüger nicht mehr. Diese Masche kennt auch Patrick Grinschgl, Präsident Gastro Region Luzern: «Wir empfehlen, nicht auf solche Drohungen einzugehen.» Wenn der Absender den Wirten mit einer Veröffentlichung des Textes auf einem Bewertungsportal im Internet drohe, soll Anzeige erstattet werden. Auch Ruedi Stöckli, Präsident von Gastro Luzern, kennt das dreiste Vorgehen der Betrüger: «Das ist ein Horror für die Wirte. Ich würde in einem solchen Fall vorschlagen, den Bericht des Spitals zu verlangen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marc am 22.04.2019 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überall das gleiche

    Nichts neues das wo wir jeden Tag am Kundenservice erleben würde uns kein normaler Bürger glauben.

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  • Peter Kyburz am 22.04.2019 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betrüger

    Weitere Lokale in Bern haben solche e-mails erhalten.

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  • Reisende am 22.04.2019 15:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gutes Restsurant

    Dort war ich schon mal. Das Essen war super lecker. Bei der nächsten Reise nach Luzern werde ich das Restaurant wieder besuchen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Geniesser am 23.04.2019 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hygienedeklaration

    umso wichtiger, endlich die Lokale mit ungenügenden Hygienemassnahmen zu deklarieren " Saubere" Lokale haben nichts zu befürchten, nur zu gewinnen. gerade, nach solchen Schlagzeilen. ich würde dies sehr begrüssen.

  • Knusperli am 22.04.2019 18:36 Report Diesen Beitrag melden

    Spiess umdrehen

    Anzeigen und Schadenersatz einfordern. Nicht nur 100.- sondern gleich 1000.- und mehr. Wenn diese Verbrecher merken, dass sie keine Chance haben, hören sie bald auf damit. Irgend etwas Neues wird ihnen aber garantiert wieder einfallen.

  • Märcu A am 22.04.2019 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirte

    Sein Bruder hat sein Frühstück zu Hause gegessen und da er später ins Restaurant gegangen ist hat er dann am Restaurant Schuld gegeben. Hihihi

  • Roberto Doll am 22.04.2019 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Remimag

    .... bekannt für so manches.... Und nun gibt man noch Gratis-Werbung solch einem Unternehmen...

    • N. V. am 22.04.2019 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roberto Doll

      Ja, gutes Essen und schöne Restaurants!

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  • F. N. am 22.04.2019 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    F. N.

    Versuchen kann man es, ich verkehre in verschiedenen Restaurants und bin immer sehr zufrieden, das sind Einzelfälle aber die kann man sicher mit dem Wirt klären, ich danke den Betreibern für ihre Mühe die sie tagtäglich den Gästen bereiten

    • Batteryman am 22.04.2019 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @F. N.

      ....ihr letzter Satz bereitet mir auch etwas Mühe... ;-)

    • Realist am 22.04.2019 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @F. N.

      Sorry, aber der Satz:"die Wirte bereiten den Gästen Mühe" ist doch sehr originell. Zum Glück tritt er sehr selten ein.

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