Luzern

05. Mai 2009 22:32; Akt: 05.05.2009 21:52 Print

Wirtschaftskrise als Grund für mehr häusliche Gewalt

von Clarissa Rohrbach - Das Frauenhaus in Luzern ist voll besetzt: Experten glauben, dass Männer in der Wirtschaftskrise schneller zuschlagen, weil sie unter Druck stehen.

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«Die Anzahl der Frauen, die häusliche Gewalt erfahren, ist erschreckend hoch», sagt Charlotte Habegger, Leiterin des Luzerner Interventionsprojekts LIP. Deswegen müsse die Polizei zurzeit auch häufiger eingreifen. Die Zunahme sei teilweise auch mit dem steigenden finanziellen und psychischen Druck zu erklären.

Wegen der steigenden Arbeitslosigkeit erwartet auch Thomas Graf, Co-Leiter der Fachstelle gegen Männergewalt Luzern, eine Zunahme an Anrufen von Männern, die ihre Frauen misshandeln. Bei Wirtschaftskrisen würden Männer besonders in die Enge getrieben. «Wenn sie zu Hause rumsitzen, kommt es vermehrt zu Auseinandersetzungen», sagt Graf. Diese Frustration würde dann eben oft darin gipfeln, dass Männer handgreiflich werden.

Dass gewalttätige Männer unter emotionalem Druck schneller zuschlagen können, weiss auch eine Mitarbeiterin im Frauenhaus in Luzern. Die einzige Institution dieser Art in der Innerschweiz ist zurzeit ausgebucht. «Zukunftsängste sind auch ein Grund für häusliche Gewalt», so die Mitarbeiterin. Obwohl das Frauenhaus momentan über keine freien Plätze verfügt, gibt es laut der Mitarbeiterin immer eine ­Lösung für Frauen in Not: «Wir arbeiten auch mit anderen Institutionen zusammen.»