Luzerner Regierung

09. Juli 2014 09:23; Akt: 10.07.2014 10:51 Print

Yvonne Schärli tritt im Sommer 2015 zurück

von Claudio Zanini - Vor elf Jahren trat Yvonne Schärli-Gerig ihr Amt als Regierungsrätin an. Nächstes Jahr soll Schluss sein: Im Interview blickt sie auf ihre Amtszeit zurück.

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Seit 2003 steht die Regierungsrätin dem Justiz- und Sicherheitsdepartement vor. (Bild: cza)

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Yvonne Schärli, was war der Höhenpunkt Ihrer 11-jährigen Tätigkeit als Regierungsrätin?
Yvonne Schärli: Mein Highlight war, als mir das Kinderparlament den goldenen Lolipop überreicht hat, für mein Engagement gegen die Pädophilen-Kriminalität im Internet. Wir hatten ein Game entwickelt, das Kinder und Jugendliche auf die Gefahren durchs Chatten im Internet sensibilisiert. Ich bin sehr stolz auf diese Auszeichnung.

Sie leiten das Justiz- und Sicherheitsdepartement, in dem viele Themen kontroversen Gesprächsstoff liefern. Hätten Sie sich manchmal gewünscht, ein anderes Departement zu leiten?Ich bin mit dem innigen Wunsch gestartet, das Bildungsdepartement zu leiten. Die Regierung hat damals innerhalb von drei Minuten entschieden, mir das Justiz- und Sicherheitsdepartement zuzuteilen. Es hätte nicht meiner Person entsprochen, wenn ich mich in diesem Departement nicht vollkommen eingegeben und engagiert hätte. Natürlich war in diesem Bereich zunächst alles fremd für mich. Trotzdem nahm ich den Auftrag wahr und führte ihn mit viel Herzblut aus. Ich wollte dann während meiner Amtszeit nie das Departement wechseln, obwohl ich im Bildungsdepartement Themen bearbeitet hätte, die mich auch privat interessieren.

Luzern ist seit einiger Zeit voll auf Sparkurs. Wie ist die Arbeit als Regierungsrätin, wenn man immer wieder neue Sparopfer erbringen muss?
Das ist ganz schlimm. Ich bin überzeugt, dass im Kanton Luzern zu viel gespart wird. Besonders bei meinen Mitarbeitern im Justiz- und Sicherheitsdepartement sah ich die Auswirkungen. Das sind Leute, die beispielsweise in Gefängnissen oder in der Strafverfolgung arbeiten. Diese Leute müssen Verfahren abschliessen und dürften eigentlich keine Pendenzen haben. Wir hatten aber immer zu wenig Personal für diese Arbeiten. Das war belastend.

Sie haben an der Medienkonferenz gesagt, dass die Polizeikrise Sie persönlich viel Kraft gekostet habe. Hätten Sie ohne diese Krise 2015 nochmals kandidiert?
Nein. Ich habe der Partei zu Beginn meiner Amtszeit mitgeteilt, dass ich entweder nach zehn oder nach zwölf Jahren mein Amt niederlegen werde. Das war völlig klar. Wenn man zu lange in einem solchen Amt tätig ist, beginnt man, sich auf «eingetrampelten» Pfaden zu bewegen. Auch im Parlament weiss man praktisch bei jeder Abstimmung im Vorfeld, wie sie ausgehen wird. Das birgt eine gewisse Gefahr. Aus diesem Grund existieren in anderen Kantonen Amtszeitbeschränkungen. Zehn bis zwölf Jahre erachte ich als eine vernünftige Zeit für ein Regierungsamt. Zudem sind in meiner Partei gute Leute vorhanden, die bereit sind, nachzurücken. Man kann diese Leute nicht ewig warten lassen.

Haben Sie diesbezüglich schon Namen aus ihrer Partei im Kopf, die ihre Nachfolge antreten könnten?
Meine Partei hat das Privileg, dass mehrere Kandidaten zur Verfügung stehen. Mir sind die Personen bekannt, die am Mittwoch als Kandidaten präsentiert werden. Wir haben aber parteiintern besprochen, dass ich mich nicht öffentlich zu einzelnen Kandidaten äussern werde - auch nicht am Parteitag. Dort wird schliesslich die Partei entscheiden und eine Auswahl treffen.

Werden Sie nach Ihrem Rücktritt weiterhin politisch aktiv bleiben?
Dieser Entscheid wird ebenfalls in Absprache mit meiner Partei geschehen. Alles weitere wird sich mit der Zeit ergeben.

Was werden Sie privat nach ihrem Rücktritt machen, das während ihrer Amtszeit zu kurz kam?
Ich bin ein Familienmensch, darum möchte ich beispielsweise mehr Zeit mit meinem Grosskind verbringen.