Zentralschweiz

20. Juli 2014 15:55; Akt: 20.07.2014 16:01 Print

Zentralschweizer Asylzentren sind randvoll

Die Flüchtlingsströme aus Syrien und Eritrea machen den Kantonen Luzern und Schwyz zu schaffen. Viele Asylunterkünfte platzen aus allen Nähten.

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Ausgelastet: Das Asylzentrum Hirschpark in Luzern. (Bild: gwa)

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Der Platz in den Asylunterkünften wird knapper und knapper, doch die Flüchtlingsströme aus Syrien und Eritrea reissen nicht ab. Wie die «Schweiz am Sonntag» schreibt, übergab der Bund den Kantonen in den vergangenen vier Wochen 2000 neue Flüchtlinge – ein neuer Höchstwert. Die anhaltende Flüchtlingswelle stellen viele Kantone vor grosse Herausforderungen.

Höhepunkt noch nicht erreicht

Vor allem im Kanton Luzern spitzt sich die Lage zu. Hier beträgt die Auslastung der Asylunterkünfte 135 Prozent. Kein anderer Schweizer Kanton weist eine derart hohe Überbelegung auf. Die beiden kantonalen Asylzentren Sonnenhof (Emmenbrücke) und Hirschpark (Luzern) sind mit insgesamt 220 Plätzen vollständig ausgebucht. Ein Ende der Flüchtlingswelle ist nicht in Sicht.

«Aufgrund der aktuellen Entwicklung müssen wir damit rechnen, dass in den nächsten Monaten im Durchschnitt 100 bis 120 neue Asylsuchende kommen», sagte Luzerns Sozialdirektor Guido Graf kürzlich in der «Neuen Luzerner Zeitung». Um den drohenden Engpass zu bewältigen, halte der Kanton intensiv Ausschau nach zusätzlichen Asylunterkünften. Denkbar sei laut Graf zum Beispiel eine Unterbringung in Zivilschutzanlagen.

Auch in Schwyz (Belegung: 105 Prozent) und Zug (100 Prozent) sind die Asylzentren voll. Die Zuger Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard (Alternative/die Grünen) appeliert deshalb an die Bevölkerung: «Wer eine freie Wohnung oder ein Haus zur Verfgügung stellen kann, soll sich melden.» In die gleiche Richtung geht ein von der Schweizer Flüchtlingshilfe lanciertes Pilotprojekt, das zum Ziel hat, Asylbewerber bei Privatpersonen unterzubringen.

Probleme bei der Integration

Die Kantone Ob- und Nidwalden sind derzeit noch nicht am Anschlag. Die Asylunterkünfte sind dort im Moment mit 87 Prozent (Obwalden) und 80 Prozent (Nidwalden) ausgelastet; trotzdem sind auch dort die Folgen der aktuellen Flüchtlingswelle zu spüren. Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» sagte Roger Dallago, Leiter des Nidwaldner Amts für Asyl und Flüchtlinge, dass sich besonders der Umgang mit den Ankömmlingen aus Syrien als schwierig gestalte. Er stelle bei den Syrern eine «hohe Anspruchshaltung» fest, so Dallago. «Nicht zuletzt wegen ihrer traditionellen Rollenbilder fällt es vielen schwer, sich in das Leben in den Zentren zu integrieren und Arbeiten zu übernehmen.»

Flüchtlinge bleiben länger

Klar ist: Die wachsenden Asylzahlen werden die Kantone auch in den kommenden Wochen und Monaten stark beschäftigen. Ein Grossteil der Flüchtlinge, die derzeit in der Schweiz ankommen, werden als Kriegsflüchtlinge anerkannt oder vorläufig angenommen. Dies hat zur Folge, dass viele der betroffenen Asylbewerber – darunter auch viele Familien – für längere Zeit in der Schweiz bleiben werden.

(ds)