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16. Juli 2015 10:02; Akt: 16.07.2015 10:02 Print

Zug kämpft gegen Littering in der Toilette

von Daniela Gigor - Unglaublich, was alles in Toiletten landet: In Zug gibt der Gewässerschutzverband nun Gegensteuer. Ein Problem sind Expats, die sich gewohnt sind, allerlei das WC hinunterzuspülen.

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Mit diesem Flyer macht der GVRZ darauf aufmerksam, dass nicht alles Mögliche über die Toilette entsorgt werden soll. (Bild: zVg)

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Aus den Augen, aus dem Sinn: So handeln wohl viele, die Güsel im WC entsorgen. Doch spätestens in der Kläranlage wird dieser wieder sichtbar – sehr zum Ärger des Gewässerschutzverbandes Zugersee-Küssnachtersee-Ägerisee (GVRZ).

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Damit das WC weniger als Güselkübel missbraucht wird, hat der Verband nun den angeschlossenen Haushalten Post zustellen lassen. Im Flyer mit dem Titel «Toiletten mögen keinen Müll» macht der GVRZ darauf aufmerksam, dass ausschliesslich verbrauchtes Wasser, Fäkalien und Toilettenpapier ins WC gehören. Darauf folgt eine lange Liste mit den Gegenständen, die eben nicht im WC landen sollten: Binden, Kondome, Kleintierstreu, Medikamente, Kies, Schutt und Asche, aber auch etwa Säuren und Laugen, Bitumen oder Kalk. Angeführt werden sogar explosionsfähige und radioaktive Stoffe.

Pumpwerke gehen kaputt

Viele dieser Gegenstände sind in der Vergangenheit schon in der Kläranlage Schönau in Cham gelandet. «Diese sogenannten festen Materialien können zu Verstopfungen auf allen Kanälen führen», sagt Bernd Kobler, Geschäftsführer des GVRZ. Solcher Güsel gelange meistens via private Kanalisation bis zur Kläranlage Schönau. «Von Verstopfungen besonders betroffen sind die Pumpwerke. Dabei müssen die Abwasserpumpen im schlechtesten Fall ausgebaut, auseinandergenommen, gereinigt und wieder zusammengefügt werden.»

Lästige Medikamente

Aber auch die sogenannten unsichtbaren Mikroverunreinigungen wie Rückstände von Medikamenten, Farben oder Pestiziden, machen dem Wasser und der Umwelt zu schaffen, weil nur etwa 30 Prozent abgebaut werden können. Ab 2016 tritt die revidierte Gewässerschutzverordnung in Kraft: Gemäss dem Bund müssen alle Abwasserreinungungsanlagen diese unsichtbaren Stoffe bis zu 80 Prozent eliminieren. Grundsätzlich muss der GVRZ neu für 145'000 angeschlossene Personen jährlich eine Abgabe von rund 1,3 Millionen Franken bezahlen. Diese Abgabe entfällt, wenn die Kläranlage das Ziel des Bundes erreicht.

Infos extra für Expats

Auffällig am Flyer ist, dass er zweisprachig in Deutsch und Englisch verfasst ist. Auf die Frage, ob dies mit den vielen Expats, die im Kanton Zug leben, zusammenhänge, sagt Kobler: «Wir haben tatsächlich einige Feststellungen gemacht. Dies hängt etwa mit dem Kulturunterschied zusammen. So ist es in den USA gang und gäbe, dass Reste im Abwassersystem entsorgt werden.» Kobler ist überzeugt, dass der Flyer sehr viel bringen wird.

In der Toilette landen aber nicht nur die oben erwähnten Stoffe: «Wir haben auch schon Textilien wie Jeans gefunden. In einzelnen Fällen landeten auch Gebisse, Brillen, Portemonnaies, Kreditkarten oder Eheringe in der Kläranlage.» Laut Kobler werden diese Gegenstände aussortiert und ins Fundbüro gebracht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jürg Greiff am 16.07.2015 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Gesellschaft

    Weit haben wir in dieser Gesellschaft gebracht und da fragt man sich schon mal, mit was für primitiven Leuten, welche einfach alles und überall wegwerfen, sind wir den eigentlich umgeben.

    einklappen einklappen
  • Peter Müller am 16.07.2015 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Käme mir nie in den Sinn

    Ich habe viel zu grosse Angst, dass solche Gegenstände den Abfluss im WC verstopfen würden und ich dann die Sauerei hätte. An die Pumpen beim Klärwerk denke ich noch nicht einmal. Insofern egoistische, aber dennoch richtige Einstellung.

  • Roman Beeler am 16.07.2015 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Nur über den Geldbeutel

    Ein Artikel fehlt in der Aufzählung: Damenstrumpfhosen ! Hatte mal eine liebe Mieterin, die das einfach nicht begriff. Die Fr. 300.-- bis 400.-- pro Besuch des Sanitär--Monteurs zahlte sie aber immer anstandslos. Bis der Sanitär-Mann einmal sagte: "Jetzt kann ich nicht mehr helfen. Ich muss einTiefbau-Unternehmen aufbieten, dann wird die Leitung auf einer Länge von etwa 2 m ausgegraben." Kostenpunkt Grabarbeiten und Reparatur der Leitung: Fr. 4'500.--. Die Dame wurde etwas bleich, zahlte aber in Raten auch das. Und dann hatte sie es begriffen. Übers Portemonnaie funktioniert alles.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin am 17.07.2015 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    Ozonisierungsanlage!

    Tja Zug, da müsst Ihr wohl ein Ozonisierungsbecken bei Eurer Ara bauen! Das ist auch richtig so!

  • Jakob Perez am 16.07.2015 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kanalisation

    Als Strassebauer in Ausbildung habe ich schon mit eigenen Augen gesehen, was alles so in der Kanalisation landet. Glücklicherweise meistens nur das, was auch dort hingehört (ist zwar auch nicht immer so angenehm, aber es geht noch einigermassen). Wenn dann aber mal gebrauchte Frauenhygieneartikel oder gebrauchte Kondome vorbeischwimmen wird einem aber dann zum Teil recht übel... Deswegen bin ich froh wenn die Leute verstehen, dass das WC keine Entsorgungsstation für alles Mögliche ist!

  • Roman Beeler am 16.07.2015 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Nur über den Geldbeutel

    Ein Artikel fehlt in der Aufzählung: Damenstrumpfhosen ! Hatte mal eine liebe Mieterin, die das einfach nicht begriff. Die Fr. 300.-- bis 400.-- pro Besuch des Sanitär--Monteurs zahlte sie aber immer anstandslos. Bis der Sanitär-Mann einmal sagte: "Jetzt kann ich nicht mehr helfen. Ich muss einTiefbau-Unternehmen aufbieten, dann wird die Leitung auf einer Länge von etwa 2 m ausgegraben." Kostenpunkt Grabarbeiten und Reparatur der Leitung: Fr. 4'500.--. Die Dame wurde etwas bleich, zahlte aber in Raten auch das. Und dann hatte sie es begriffen. Übers Portemonnaie funktioniert alles.

  • M.M am 16.07.2015 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Problem gibt zwei Probleme

    Expats sind nicht nur das Problem für die Gewässerschutzbehörde sondern auch für die zahlreichen Arbeitsplätze die wir Schweizer nicht besetzen können

  • Peter Müller am 16.07.2015 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Käme mir nie in den Sinn

    Ich habe viel zu grosse Angst, dass solche Gegenstände den Abfluss im WC verstopfen würden und ich dann die Sauerei hätte. An die Pumpen beim Klärwerk denke ich noch nicht einmal. Insofern egoistische, aber dennoch richtige Einstellung.