12'000 Touristen in Luzern

08. Mai 2019 19:58; Akt: 08.05.2019 20:17 Print

Stadt von Riesen-Gruppe aus China überrascht

Weder Stadt noch Luzern Tourismus wussten, dass eine Gruppe mit 12'000 Chinesen nach Luzern reist. Selbst der Veranstalter rechnete nur mit 3'000 Personen. Jetzt nimmt die Stadt Stellung.

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Der Massentourismus wird von vielen Luzernern kritisch wahrgenommen im Alltag. Nächste Woche kommt nun eine zusätzliche Reisegruppe, wie sie die Schweiz wohl noch nie gesehen hat: 12'000 Chinesen auf Einladung einer US-Firma, 4'000 davon in 95 Cars alleine am Montag. Wie wird die Bevölkerung darauf reagieren?
Franziska Bitzi: Der Tourismus ist einer der weltweit am schnellsten wachsenden Wirtschaftssektoren. Gegenüber dem Vorjahr wurde 2018 ein Wachstum von mehr als 7 Prozent verzeichnet. Für die nächsten Jahrzehnte wird ein ähnlich starker Anstieg vorausgesagt. So erfreulich dieses Wachstum für die Tourismusbranche ist, bringt es auch Konsequenzen und Herausforderungen mit sich, die von Branche und Politik erkannt werden müssen. Die ersten Reaktionen auf das Bekanntwerden dieser Reise zeigen, dass das Thema die Bevölkerung bewegt. Dies bestätigt uns, dass wir den eingeschlagenen Weg zur Erarbeitung einer «Vision Tourismus Luzern 2030» weitergehen. Es braucht eine Strategie, welchen Tourismus wir in Luzern wollen. In diesen Prozess werden wir die Bevölkerung einbeziehen, etwa mittels Bevölkerungsbefragung oder Workshops. Letztlich gehört dazu auch, dass wir Möglichkeiten zur Steuerung und Begrenzung diskutieren.

Haben Sie keine Bedenken, dass viele Luzerner wegen dieser Gruppe denken könnten, jetzt ist genug mit Massentourismus, diesmal hat es Luzern Tourismus übertrieben?
Weder die Stadt noch die Luzern Tourismus AG (LTAG) haben diese Gruppe akquiriert, sondern erst von der Reise erfahren, nachdem die Landarrangements bereits gebucht waren. Andernfalls hätte man den Organisatoren vorgängig andere Lösungen vorgeschlagen, zum Beispiel die Aufteilung in kleinere Gruppen. Die LTAG hat sich in Luzern mit G2 Travel, Stadt, Polizei und allen weiteren beteiligten Partnern getroffen, um zusammen eine möglichst ideale Lösung für Logistik, Sicherheit und Kommunikation zu finden.

Die Luzerner Bevölkerung soll an den betroffenen Tagen mehr Zeit einberechnen, der öffentliche Raum werde überlastet sein, warnen die Verantwortlichen. Halten Sie das für gerechtfertigt?
Eine solche Information ist Standard bei allen Grossanlässen – etwa bei Konzerten auf der Allmend, Fasnachtsumzügen oder beim Swiss City Marathon –, bei denen zum Teil sogar die Seebrücke gesperrt wird.

Gab es in der Planung auch Überlegungen, die Reisegruppe in dieser Grösse nicht in Luzern empfangen zu wollen? Könnte die Stadtregierung sowas überhaupt verbieten?
Wie bereits festgehalten: Die Luzern Tourismus AG (LTAG) akquiriert keine solch grossen Gruppen, hat sich nach Bekanntwerden des Projektes aber intensiv für einen reibungslosen Ablauf eingesetzt. Die Grösse dieser Incentive-Gruppe ist eine absolute Ausnahme. Normalerweise zählen solche Gruppen 100 bis 200 Personen. Der Veranstalter «Jeunesse» selbst ging von rund 3'000 und nicht 12'000 Teilnehmenden aus.
Verbieten oder verhindern können wir den Besuch unserer Stadt nicht.

Die touristische Wertschöpfung dieser Gruppe soll 4 Mio. Franken betragen. Wie profitiert die Luzerner Bevölkerung davon?
In Luzern finden für fast alle Gruppen am Abend die Galadinners in den Hallen der Messe Luzern statt; tagsüber stehen 45-minütige Schiffsausflüge sowie Sightseeing und Shopping in Gruppen auf dem Programm. Die ungefähre Wertschöpfung von rund 4 Mio. Franken wurde auf Basis der durchschnittlichen Tagesausgaben eines asiatischen Tages-Gruppengastes in Luzern errechnet.

In einer subjektiven Wahrnehmung hat man das Gefühl, die Luzerner Bevölkerung hat die Altstadt aufgegeben und überlässt dieses Gebiet als eine Art Disneyland den Touristen. Die Luzerner leben, arbeiten und konsumieren stattdessen ennet der Reuss in der Neustadt. Täuscht dieser Eindruck?
Tatsächlich ist es so, dass die Geschäfte im Gebiet Schwanenplatz/Grendel, aber auch an der Pfistergasse oder am Löwenplatz, ihr Angebot auf Touristinnen und Touristen ausrichten. Trotzdem wird in unserer Altstadt auch gewohnt, gearbeitet und gelebt – sie ist kein Disneyland. Die Luzerner Altstadt ist authentisch, historisch gewachsen und keine reine Kulisse. Auch zahlreiche Einheimische halten sich nach wie vor gerne in der Altstadt auf. Es ist richtig, dass sich die Neustadt dynamisch entwickelt hat und deren vielseitiges Angebot eher der einheimischen Bevölkerung bekannt ist.

(mme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • dori am 08.05.2019 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld Geld Geld und noch mal Geld

    Die Regierung sieht nur Monney. Hauptsache leidet die Bevölkerung darunter.

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  • R. Feller am 08.05.2019 21:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klimawandel?

    Das zum Klimawandel. Denn Schweizer ein schlechtes Gewissen einreden, aber da der Tourismus überlebenswichtig für die Schweiz ist, müssen immer mehr kommen. Ewiges Wachstum ist ungesund für die Natur. Auch Tourismusfanatiker sollten das einsehen.

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  • Thomas am 09.05.2019 07:21 Report Diesen Beitrag melden

    Erst der Anfang!

    So erreichen wir natürlich niemals die Klimaziele, wenn der ganze Mittelstand in China und Indien nun auch anfängt überall hinzufliegen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cr7yoloking am 09.05.2019 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz ist auf der ganzen Welt ein beliebtes

    Ich finde es gut, dass Touristen die Schweiz besuchen. Es gibt sehr viele Orte, die nur vom Tourismus leben, die bringen ja auch Geld mit in die Schweiz... Die Schweiz ist ja auch eine Reise wert.

  • Ulli Günther am 09.05.2019 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Kauft Swatch Uhren

    Nicht so schlimm. So sehen die Luzerner einmal wie es ist immer mehr Kinder zu produzieren. So endet das einmal mit gesamten Weltbevölkerung. Man tretet einander auf den Füssen herum. Will ja keiner wahr haben.

  • Urs S. am 09.05.2019 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Argusaugen auf Entwicklung

    Ist ja schön wenn der Tourismus blüht. Im Fall von Luzern und vermutlich auch anderen kleineren Städten droht die Situation zu eskalieren. Touristenströme überqueren die Fussgängerstreifen und laufen noch los wenn die Ampel bereits auf Rot ist. Gehupe und nachfolgender Stau. Auch als Fussgänger ist ein Gang durch die Altstadt manchmal nur schwer möglich weil es in der Tat zu viele Leute auf zu kleinem Raum hat. Solch grosse Gruppen haben auf gewissen Verkehrsinseln in der Stadt gar keinen Platz, z.B. Löwencenter! Solange das Ausnahmen bleiben ok, aber ich hoffe, dass das nicht Alltag wird.

  • Loren am 09.05.2019 11:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Luzern lebt

    Ich liebe Luzern mit oder ohne Touristen. Ich vetstehe das Gejammer überhaupt nicht. Anstatt froh zu sein, dass es Luzern wirtschaftlich gut geht. Es profitieren alle davon. Ich habe vor 30 Jahren beim Bucherer gearbeitet. Schon zu dieser Zeit kamen so viele Touristen. Es waren mehr Japaner und andere Volksgruppen. An Spitzentagen hielten genausoviele Cars am Schwanenplatz an. Man war froh umd jammerte nicht. Die Begegnungen mit anderen Kulturen habe ich immer als bereichernd empfunden. Am liebsten würde man heute überall eine Mauer aufziehen und es wird immer drammatisiert. Andere Länder, andere Städte würden sich die Finger abschlecken wenn sie nur den Bruchteil dieser Touristen hätten. Ja sie sind manchmal laut und chaotisch. Aber wenn man sich darauf einlässt hat man interessante Gespräche und der eigene Horizont wird erweitert. Tut jedem gut und man geht anderst durchs Leben. Luzern lebt.

  • benjamin am 09.05.2019 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    geld

    die bringen ja geld in die schweiz, dann ist das auch ok.. der schweizer fliegt doch auch ins ausland, und bringt anderen ländern geld, also ist das doch auch ok.. solange geld im spiel ist, ist alles ok.. geld ist ok.. so ist die heutige welt, vielleicht versteht das die gesamt weltbevölkerung, und vielleicht sollten wir uns mal alle gegen die grossen und reichen formieren..vielleicht.. aber kostengünstig und im inland..