Erst Keller, jetzt Freiheit

26. September 2019 14:20; Akt: 26.09.2019 16:09 Print

Jungluchs reisst Füchse und eine Katze

In Luzern ist ein junger Luchs in die Freiheit ausgesetzt worden, den man einst in einem Keller fand. Die Wildhüter bangten, ob er in der freien Wildbahn alleine zurecht kommt.

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Der verwaiste Luchs wurde im Herbst 2018 in einem Keller eines Hauses in Malters gefunden und von der Wildhut eingefangen. Er wurde damals zur Betreuung in den Tierpark Goldau gebracht. Schon damals war es Ziel, den jungen Luchs später auszuwildern.

Nicht nur irgendein Luchs

Bei dem Männchen handelt es sich nämlich um eine Besonderheit. Seine Vorfahren stammen aus dem Jura. Der junge Luchs ist somit Beweis dafür, dass einer seiner Vorfahren aus der Jura- in die Alpenpopulation eingewandert ist; einen solchen genetischen Nachweis gab es noch nie, teilte die Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern am Donnerstag mit. Somit sei dessen Auswilderung wildtierbiologisch sehr wichtig.

Der Waise wurde in der Nacht auf den 12. Juni 2019 im Eigenthal ausgewildert. Anhand eines Senderhalsbandes, das regelmässig den Standort des Luchses ortet, kann seither das Jagdverhalten des Jungen ermittelt werden.

Die Wildhüter sorgten sich

Was sich dann zeigte, war vorerst bedenklich: Direkt nach der Freilassung war der Luchs in einem kleinen Gebiet mit einem Radius von einem Quadratkilometer unterwegs. Nur zögerlich erweiterte er sein Gebiet. Zehn Tage nach der Auswilderung wurde noch immer kein Jagdverhalten erkannt. Wildhüter waren sehr besorgt: Kann der Luchs überhaupt ohne Mutter überleben? Kann er sich das Jagen selber beibringen?

Dann kam die Erleichterung

Ja, er kann. Dieser Luchs hats einfach in seiner DNA: Zwei Wochen nach der Freilassung gelang dem Luchs zum ersten Mal der Riss eines Rehbocks. In den nächsten zehn Tagen erweiterte er sein Jagdgebiet um etwa zwei Kilometer Richtung Osten. Dort erbeutete er einen Fuchs.

Doch es gibt noch viel zu lernen für den Jungluchs: Bereits am nächsten Tag riss er ein Schaflamm. Doch Nutztiere reissen, das ist nicht so beliebt: Deshalb wurde ein elektrischer Zaun um den Schafkadaver herum gezogen und dem Luchs gezeigt, dass Nutztiere in Ruhe lassen soll. Mit Erfolg: Denn bisher war das Lamm das einzige Nutztier, dass der Luchs gerissen hat.

Ab Mitte Juli 2019, gut einen Monat nach seiner Auswilderung, hat der Luchs sein Gebiet auf rund 50 Quadratkilometer ausgeweitet.

Jetzt jubilieren Wildhüter

Damit scheint der Luchs endgültig in seinem neuen Revier angekommen zu sein. Seine Hauptbeute in den letzten drei Monaten war Rehwild, davon die Hälfte Rehkitze. Zudem riss er ein Gämskitz, mehrere Füchse und eine im Wald streunende Katze.

Vom Keller in die Wildnis – die Wildhüter sind zufrieden: Die «Wiederauswilderung des Luzerner Jungluchses ist erfolgreich», schreiben sie.

(jab)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marello di camelione am 26.09.2019 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es lebe die NATUR

    Vielen Dank für diesen aufmunternden Beitrag! Sehr schön zu erleben, wie dieser Luchs vom Nichts in seinem Revierleben zurück fand. Es lebe die NATUR!

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  • SG am 26.09.2019 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .........

    Ja das ist Natur ,auch wenn es der Katzenbesitzer eventuel anderst sieht.Ich hoffe,dass es bald mehr Luchse gibt.

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  • Hin Du am 26.09.2019 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Besser

    "Die Wildhüter bangten, ob er in der freien Wildbahn alleine zurecht kommt." - Jedenfalls besser als die Katze.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Trix am 27.09.2019 06:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soso...

    ist im Entlebuch und ganz sicher nicht am Pilatus. Eigental heisst Eigenthal korrekterweise und liegt am Fusse des Pilatus. Der Luchs scheint sich ja auch durch die Jahrzente zu beamen, siehe Bild- und Artikeldaten.

  • RaPf am 26.09.2019 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Back to the future

    Seit wann kann ein Luchs der im Herbst 2018 ausgewildert wurde, plötzlich am 19.9.2006 in Escholzmatt-Marbach sein? Sind hier die Angaben vom lawa falsch oder die Berichterstattung der Gratiszeitung?

  • die Ritterin am 26.09.2019 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natur

    Nicht schön für den Katzenbesitzer, kann aber halt vorkommen. An die Katzenbesitzer, welche sich empören und nach dem Jäger schreien: in Wohnquartieren sind Katzen übrpopularisiert und killen alles, was ihnen zwischen die Krallen kommt (nein, nicht nur schwache und kranke) und da plappert ihr dann von Natur. Also einfach jetzt auch still sein. Halte übrigens selber Katzen.

  • M.E262 am 26.09.2019 18:54 Report Diesen Beitrag melden

    Luchse gehören zu uns

    Schön, sind diese wundervollen Tiere wieder in der Schweiz und auch in Deutschland aufzufinden. Ich befürchte jedoch, das man die Tiere bald als Problemtiere ( siehe Bären ) zum Abschuss durch die Bürgerlichen freigibt.

    • Einhornjäger am 26.09.2019 19:32 Report Diesen Beitrag melden

      Luchs

      Der Luchs lebt schon seit 40 Jahren wieder in der Schweiz.

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  • Servus am 26.09.2019 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hegen und pflegen??????

    Die Jäger möchten bestimmt bald wieder ihre Mordlust stillen. Unter dem Deckmantel "hegen und pflegen".

    • pit am 26.09.2019 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Servus

      Ja, ich kenne genügend solche eingebildete Jäger!

    • Chris am 26.09.2019 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Servus

      Das ist Schwachsinn und beweist, dass sie rein gar nichts von der Jagd verstehen. Hauptsache Polemik nicht?

    • Reto am 26.09.2019 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chris

      Ich habe die Sippe kennen gelernt und konnte diese Zustände nicht mehr mit ansehen. Trunkenheit und Waffen gehören nicht zusammen.

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