Zahnklinik gegründet

07. Oktober 2019 04:56; Akt: 07.10.2019 04:56 Print

«25-Jähriger hatte total verfaulte Zähne»

Andreas Herzog gründete in Jordanien eine mobile Zahnklinik. Mit günstigen Behandlungen will er so den bedürftigen Menschen helfen.

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Zahnmedizinische Behandlungen sind in Flüchtlingsgebieten oft ein Privileg. Viele können sich es nicht leisten, zum Zahnarzt zu gehen. So sind sie von Zahnschmerzen, unbehandelten Krankheiten und verfaulten Zähnen geplagt. Der Zürcher Andreas Herzog (33) konnte dem nicht länger zusehen.

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Nach einigen freiwilligen Einsätzen in Jordanien wurde ihm klar, dass er helfen muss: «Ich persönlich lebe als Kurzstreckenpilot bei der Swiss meinen Bubentraum und bin begeistert, was ich machen kann. So wollte ich etwas von meinem Leben teilen und Einfluss auf das Wohlergehen anderer Menschen haben.»

Ich habe bewusst keine Freiwillige angestellt

Er gründete daraufhin bei der Schweizer Stiftung Noiva den Bereich Noiva Health. Das ist eine mobile Zahnklinik, die in Jordanien von Ort zu Ort fährt und bedürftigen Menschen günstig zahnmedizinische Behandlungen anbietet. Unterstützt wird das Projekt von Sponsoren sowie Spendern.

Die Zahnklinik wird von einem Team von vier jordanischen Angestellten betreut, darunter ein Zahnarzt und eine Dental-Assistentin. «Ich habe bewusst keine Freiwillige angestellt, da ich sicher sein muss, dass der Betrieb einwandfrei läuft und ich jederzeit auf die Mitarbeiter zählen kann. Zudem sind in Jordanien viele arbeitslos, somit konnte ich auch Arbeitsplätze schaffen», so der 33-Jährige.

600 Personen behandelt

Im letzten Juni haben die Behandlungen begonnen – bis jetzt sassen bereits über 600 Menschen auf dem Zahnarztstuhl. Angeboten werden nur die Basisbehandlungen wie etwa Löcher flicken, Zähne und Wurzeln ziehen oder Dentalhygiene.

Obwohl das ganze Projekt sehr aufwändig ist, sei es umso schöner, wenn man den Leuten helfen könne. «Wenn Patienten ihre Dankbarkeit ausdrücken, das zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin, und ich in ihrem Lebens etwas bewirken kann», sagt der Gründer.

Mutter fing an zu weinen

Ein Beispiel ist ihm besonders in Erinnerung geblieben. Einmal sei ein 25-jähriger Mann mit seinen Eltern zu ihm gekommen. «Er hatte total verfaulte und kaputte Zähne, war von Schmerzen geplagt. Als ich sagte, dass die Zahnbehandlung kostenlos sei, fing seine Mutter an zu weinen.»

Herzog hat zudem auch bereits Pläne für die Zukunft. Er will mit der mobilen Zahnarztpraxis nach Syrien: «Obwohl die Grenze geöffnet ist, ist die jetzige Situation noch zu kritisch. «Mal schauen was die Zukunft bringt.»

(lar)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gigi am 07.10.2019 05:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll

    Schön von solch engagierten Menschen zu lesen. Was machen anstatt nur zu reden

  • VioletB am 07.10.2019 05:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte auch hier!

    Eine günstige Zahnklinik könnte sich hier nicht mehr vor Kunden retten.

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  • Zürcherin am 07.10.2019 06:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte auch uns berücksichtigen!

    Habe in den letzten 15 Jahren gut 50 000 Fr.hingeblättert für den Zahnarzt.Jetzt mit der Rente,ist das leider nicht mehr möglich.Es wäre schön,gäbe es auch hier Zahnärzte die günstig für Bedürftige und Rentner zur Verfügung stehen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anita am 08.10.2019 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo!

    Wünsche viel Erfolg und dass diese mobile Zahnklinik lange bestehen bleibt!!

  • Fleur am 08.10.2019 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gutes Vorbild

    Da könnten sich unsere ewig Demonstrierenden ein Beispiel nehmen, aber das ist wohl zu anstrengend.

  • Hedi und Tell am 08.10.2019 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Super!

    Tolle Sache, finds gut das er Menschen hilft die NIX haben. Die meisten hier sind einfach nur neidisch das sie keine Zahnarztbehandlung für lau bekommen. Ich denke die Dankbarkeit in dem Land wo er hilft ist viel grösser als in der Schweiz. Hier würde er sogar bestimmt angeprangert werden, sollte in der kostenlosen Behandlung etwas schiefgehen!

  • Markus am 07.10.2019 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    na ja

    Typen mit Helfer-Syndrom sollten bedenken, dass es auch in der Schweiz einige Leute gibt, welche sich kaum eine grössere Zahnbehandlung leisten können. Aber eben, es geht ja darum, dass man sich als edler Retter darstellen und fühlen kann.

  • Walter A. Tell am 07.10.2019 14:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und Erwachsene in der Schweiz?

    Warum in die Ferne ziehen, wenn das Gute ist so nah? Ich sehe täglich Erwachsene, die sich keinen Zahnarzt leisten können. Wer tut dort etwas? Warum in die Ferne schweifen? (Solange Kinder in der Schule sind, gibt es eine minimale Kontrolle.)

    • alice am 07.10.2019 19:50 Report Diesen Beitrag melden

      Teuere Sache

      ja ich habe kein Teil mehr weil es nicht mehr Passte den Kostenvoranschlag unten eine Brücke und oben meine Gepolsterten Glaszähne zu Renovieren 28 Tausend Fr.- so viel habe ich nicht ich will nicht von Ergänzungsleistung Leben lieber weniger haben

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