Von Lidl gekündigt

08. Oktober 2019 04:47; Akt: 10.10.2019 13:03 Print

«Am Arbeitsplatz war es 13,6 Grad kalt»

Einer Mitarbeiterin der Lidl-Filiale Fraumünster wurde gekündigt. Sie hatte zuvor Missstände beim Arbeitsinspektorat gemeldet. Lidl bestreitet einen Zusammenhang.

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Detailhandelsfachfrau Francesca Celli prangert die Arbeitsbedingungen in den Lidl-Filialen Fraumünster und Dübendorf an. «Ich musste immer wieder über fünfeinhalb Stunden am Stück an der Kasse arbeiten und durfte dabei auch keine Pause einlegen, um mich zu verpflegen», sagt die 37-Jährige. Ihr sei deshalb auch schwindlig geworden.

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Im Winter sei es zudem sehr kalt gewesen. «Meine Messungen haben eine Temperatur zwischen 13,6 und 18 Grad am Arbeitsplatz ergeben. Eine Jacke durfte ich nicht anziehen.» Probleme habe es auch mit dem Arbeitsplan gegeben. Dieser sei kurzfristig geändert worden, sagt Celli. «Einmal wurde ich nach 54 Minuten nach Hause geschickt, obwohl ich für einen ganzen Arbeitstag eingeplant war.» Celli habe über all das Buch geführt und später das kantonale Arbeitsinspektorat informiert.

«Kündigung war nicht missbräuchlich»

Dieses stattete der Filiale Fraumünster im September 2018 einen Besuch ab. Celli war dabei und wollte dem Beamten die mutmasslichen Missstände erklären. Noch am selben Tag sei ihr gekündigt worden. «Das war ein Hammer für mich.» Sie wehrte sich mit einer Anwältin dagegen. Kürzlich hat sich Celli mit Lidl geeinigt. Sie erhält vom Unternehmen einen Geldbetrag, wie aus einer Vergleichsvereinbarung hervorgeht, die 20 Minuten vorliegt. «Aus der Vereinbarung geht hervor, dass es sich um eine missbräuchliche Kündigung handelt, wie mir meine Anwältin sagte», sagt Celli.

Lidl bestreitet auf Anfrage aber, dass die Kündigung missbräuchlich war. «Wir halten fest, dass aus unserer Sicht im vorliegenden Fall keine missbräuchliche Kündigung vorliegt und die Kündigung definitiv komplett unabhängig vom Besuch des Arbeitsinspektorats ist», so Sprecherin Corina Milz. «In unserer Unternehmenskultur ist offenes und auch kritisches Feedback auf Augenhöhe jederzeit willkommen.»

Eigene Temperaturmessungen durchgeführt

Die Vorwürfe betreffend den Arbeitsbedingungen in den Filialen Dübendorf und Fraumünster seien ebenfalls nicht korrekt. «So halten wir uns strikt an die gesetzlichen Vorgaben, wobei die Arbeitsplanung in unserem GAV verankert ist», sagt Milz. Eigene Temperaturmessungen, die in diesen Filialen extra über eine Periode eines halben Jahres gemacht wurden, würden zudem belegen, dass sich Lidl klar innerhalb der vorgeschriebenen Richtwerte bewege.

Das Arbeitsinspektorat kann den Besuch bei der Filiale Fraumünster aus Datenschutzgründen nicht bestätigen, wie es auf Anfrage heisst.

(tam)