Oberrieden

10. Februar 2011 23:30; Akt: 10.02.2011 23:03 Print

«An Feigheit kaum mehr zu überbieten»

von Attila Szenogrady - Zwei brutale Schläger haben im Niederdorf vier Jugendliche aus Oberrieden und Stäfa grundlos spitalreif geprügelt. Nun hat das Gericht die beiden wenig einsichtigen Täter zu bedingten Freiheitsstrafen von je 15 Monaten verurteilt.

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Die beiden Täter Denis S. (links) und Devrim C. vor Gericht.

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Es war in der Nacht auf den 28. Februar 2010, als sich vier junge Schweizer aus Oberrieden und Stäfa im Zürcher Niederdorf aufhielten. Eine halbe Stunde nach Mitternacht passierte es: An der Stüssihofstatt wurde die Gruppe aus heiterem Himmel von mehreren Schlägern völlig grundlos und aus heiterem Himmel angegriffen.

Sinnlos verprügelt

Die Angreifer schlugen und traten auf ihre überraschten Opfer ein. Selbst als ein Geschädigter bereits am Boden lag, wurde weiter auf ihn eingedroschen. Dann rannten die Schläger davon und liessen die sinnlos verprügelten Jugendlichen zurück. Sie hatte erhebliche Verletzungen erlitten. Am schlimmsten hatte es einen heute 18-jährigen Gymnasiasten aus Oberrieden erwischt. Er hatte einen Bruch der Augenhöhle erlitten. Mit massiven Folgen. So muss er heute noch bei einer allfälligen Ablösung der Netzhaut mit seiner Erblindung rechnen. Doch auch seine Begleiter hatten sich massive Kopfverletzungen zugezogen.

Dank Belohnung Täter erwischt

Die schockierten Eltern wandten sich an die Medien und setzten in «20 Minuten» für das Ergreifen der Täterschaft eine Belohnung von 2000 Franken aus. Mit Erfolg. Dank eines entscheidenden Tipps konnte die Polizei am vergangenen 19. März die gesuchten Schläger festnehmen. Darunter auch die beiden 19-jährigen Rädelsführer aus Rikon und Volketswil. Es handelte sich um zwei Schweizer Staatsangehöriger kosovarischer und türkischer Abstammung. Nach einer Untersuchungshaft von 19 Tagen zeigten sie sich grundsätzlich geständig. Erschreckend war dabei, dass sie kein nachvollziehbares Motiv für die brutale Attacke nennen konnten.

Ein Missgeschick

Am Donnerstag mussten sich die beiden Schläger am Bezirksgericht Zürich wegen Angriffs verantworten. Die jungen Männer hinterliessen keinen guten Eindruck. Besonders der Ex-Kosovare aus Rikon zeigte keine Reue und bezeichnete sein Vorgehen bloss als «Missgeschick». Zudem wollte er nicht mit der Faust, sondern nur mit seiner flachen Hand zugeschlagen haben. Sein Kollege konnte immerhin vermelden, dass er heute eine Therapie besuche.

Eindrücklich war hingegen der Auftritt der Mutter des am Auge verletzten Opfers. Die Frau schilderte die vielen Ängste, die ihre Familie seit dem Überfall durchstehen musste.

Strafe massiv erhöht

Die Staatsanwaltschaft verlangte für beide Beschuldigten bedingte Freiheitsstrafen von je zehn Monaten. Die Verteidiger wichen nur wenig davon ab und forderten acht und zehn Monate bedingt.

Das Gericht sah es anders und erhöhte die Strafen massiv auf je 15 Monate bedingt. Die Tat sei an Feigheit kaum mehr zu überbieten, erklärte dazu der Gerichtsvorsitzende Philippe Ernst. Die beiden Angeklagten wurden zudem grundsätzlich verpflichtet, zwei Opfern Schadenersatz zu entrichten. Dem Hauptgeschädigten aus Oberrieden wurde zudem ein Schmerzensgeld von 8000 Franken zugesprochen. Zusätzlich eine Prozessentschädigung von 9000 Franken. Ein zweiter, 18-jähriger Schüler aus Oberrieden erhielt eine Genugtuung von 1 500 Franken.

«Ich will sie im Gerichtssaal nie wiedersehen», warnte der Vorsitzende Ernst die beiden verurteilten Angeklagten vor einem Rückfall.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Besserwisser am 12.02.2011 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Heiteres Rätselraten

    Welcher Partei mag der Herr Gerichtsvorsitzende wohl angehören? SVP? CVP? FDP? Man ahnt es, oder? Wie immer, wenn solche schwächliche Urteile gefällt werden...

  • Mike Boss am 12.02.2011 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Erzieher bestrafen! Den sie haben mitschuld!

    Würden die Erzieher der Täter dafür Haftbar gemacht werden gäbe es diese Probleme nicht mehr, in gewissen Ländern wird das auch gemacht, oder wie Früher in Rom, begeht jemand ein Verbrechen wird auch die Familie bestraft, so muss man sich als Täter überlegen ob man sowas macht oder nicht...

  • Markus M. am 11.02.2011 07:54 Report Diesen Beitrag melden

    Kosovarischer Abstammung

    Leider werden solche Berichte über die Untaten der Schweizer Kosovarischer Abstammung viel zu wenig berichtet. Die Medien versuche immer wieder diese Bevölkerungsgruppe zu verschönigen. Meine Tochter wurde mehrmals von solchen Typen begrabst und auch mehrmals wurde ihr gedroht. Ich persönlich wusste nicht, wem und wie ich mich währen konnte. Wie die Eltern der Opfer dieser Tat hier, habe ich Angst und bin Unfähig was zu machen. Bitte öffnet die Augen und währt euch.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marvin heider am 16.02.2011 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    So macht man aus Opfern Täter...

    Letztes Jahr bin ich (Amateurboxer) nach einem Weinfest ohne Vorwarnung und Grund von einem angetrunkenen Mann von hinten niedergeschlagen worden. Ich konnte den Prügler dann überwältigen, und hab ihn 2 Tage ins Spital geschickt - und bin dann von ihm angezeigt worden. Trotz diverser Zeugen bin ich in Folge wg. Körperverletzung verurteilt worden! Ich hätte dosierter Zuschlagen müssen, so der Richter. Der Prügler, der begonnen hat, kam straffrei davon, da ich wg. einer kl. Platzwunde am Hinterkopf nicht ins Spital ging, hatte ich auch keinen Beweis für die Verletzung...

  • Mike Boss am 12.02.2011 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Erzieher bestrafen! Den sie haben mitschuld!

    Würden die Erzieher der Täter dafür Haftbar gemacht werden gäbe es diese Probleme nicht mehr, in gewissen Ländern wird das auch gemacht, oder wie Früher in Rom, begeht jemand ein Verbrechen wird auch die Familie bestraft, so muss man sich als Täter überlegen ob man sowas macht oder nicht...

  • Ursus am 12.02.2011 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Merkwürdiger Richter

    Der selbe Richter hat ein Rentner der Pneus von Autos zerstochen hat UNBEDINGT für 8 Monate in den Knast geschickt !!! Wo ist da die Logik , nicht das ich Pneustecher in schutz nehmen möcht ( sinnvoll wäre vollen Schadenersatz + eine Busse ) , aber Körperverletzung ist doch eine ganz andere Kategorie . Wir müssen unbedingt unser Rechtssystem korigieren , so kann es nicht weiter gehen ! Eine Straftat = eine Strafe egal was man für ein Anwalt hat ,und für Körperschaden voller Schadenersatz ( inkl. aller Gesundheitskosten und Arbeitsausfall sowie ein wirklicher Schmerzensgeld)sowie kein bedingt.

  • Heinrich Zimmermann am 12.02.2011 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Justiz muss in den Fokus genommen werden

    Ich durfte einen Scondo kennen lernen, der halbes Jahr Knast bedingt hatte wegen Hehlerei auf zwei Jahre. 10 mal im Strassenvekehr "notiert" ist, gar einmal wegen Fahrerflucht. 4 Mal Ausweisentzug. Ich wurde genötigt ausgebremst und noch Faustschlag ins Gesicht bekommen. Staatsanwaeltin wusste das Vorleben des Secondos mit Sicherheit, aber ich wurde angeklagt wegen Nötigung und Foto von Delinquenten gemacht zu haben. Rechstanwalt des Delinquenten wollte es weiter ziehen. Erst vor Obergericht bekam ich vollkommen Freispruch, aber Terror der Justiz ist traumatisch an mir hängen geblieben.

  • Tomy am 12.02.2011 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Unter 5 Jahr sollte keiner mehr weg-

    kommen. Dieses Urteil ist einfach lächerlich, und sollte korrigiert werden, respektiv Gesetze müssen nachhaltig abgeändert werden.