Während der Fahrt

24. September 2013 19:29; Akt: 24.09.2013 19:29 Print

«Autofahrer schminken oder rasieren sich»

von Maja Sommerhalder - Weil die Autofahrer abgelenkt sind wie nie zuvor, startet die Polizei eine Kampagne. Dabei werden selbst streitende Lenker saftig gebüsst, warnt Verkehrspolizist Jan Ingold.

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Herr Ingold*, mit einer Kampagne warnen Sie die Autofahrer vor Ablenkung am Steuer. Fahren die Zürcher so unkonzentriert?
Jan Ingold: Leider ist Ablenkung am Steuer der häufigste Unfallfaktor. Alleine 2012 wurde sie als Ursache in der Stadt Zürich bei 700 Unfällen nachgewiesen.

Was erleben Sie alles?
Lenkerinnnen und Lenker füllen während der Fahrt Lieferscheine aus, haben Ordner auf dem Steuerrad oder rasieren und schminken sich. Viele sind auch mit ihren Smartphones oder sonstigen Geräten beschäftigt. Die Verlockung der modernen Technik scheint gross zu sein. Vielleicht ist die Zahl der Ablenkungsunfälle deshalb in den letzten Jahren nicht zurückgegangen, obwohl es insgesamt weniger Verkehrsunfälle gibt.

Bereits im letzten Jahr haben Sie die Fahrer auf die Ablenkung am Steuer aufmerksam gemacht. Hat diese Kampagne nicht gefruchtet?
Ablenkung ist ein Dauerthema, vergleichbar mit dem Rauchen. Alle Leute wissen, dass es ungesund ist und trotzdem wird es immer wieder gemacht. Deshalb müssen wir die Leute weiterhin darauf hinweisen.

Wie machen Sie das?
Mit Plakaten, Flyern, einer Website, Inseraten und Werbespots. Gleichzeitig werden wir in der ganzen Deutschschweiz mehr Kontrollen durchführen.

Wie tief müsse die fehlbaren Autofahrer ins Portemonnaie greifen?
Telefonieren ohne Freisprechanlage kann mit einer Ordnungsbusse von 100 Franken erledigt werden. Bei allen anderen Fällen, wie SMS schreiben, Essen, Schminken, ein Streitgespräch führen oder Navi bedienen, wird darauf geschaut wie lange und wie gefährlich die Ablenkung ist. Je nachdem kann das auch hohe Geldstrafen von mehreren 100 Franken zur Folge haben. Hinzu kommen dann Verfahrenskosten und allenfalls ein Führerausweisentzug.

Warum wird SMS schreiben härter bestraft als Telefonieren?
Beim Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung ist der Fahrer «nur» motorisch behindert – die Hände sind nicht frei, um das Fahrzeug zu bedienen. Wenn es aber um Ablenkung geht, bei der der Lenker nicht auf die Strasse schaut oder mit dem Gedanken völlig woanders ist, entstehen zusätzliche Gefahren und die Konsequenzen sind schwerer.

Oft ist Ablenkung nicht einfach nachzuweisen. Da sind doch Streitfälle vorprogrammiert?
Beim SMS schreiben oder Telefonieren ist der Fall meist klar. Andere Ablenkungen erkennen wir etwa am Fahrverhalten. Wenn jemand zum Beispiel im Auto streitet und dabei Fahrfehler macht, muss er mit einer Verzeigung rechnen. Die dabei von uns gemachten Beobachtungen sind für die Beweisführung wichtig.

Erleben Sie viele aggressive Autofahrer bei Ihren Kontrollen?
Es gibt Leute, die ihre Fehler durchaus einsehen. Einigen ist ihr Telefonat aber wichtiger als die Verkehrssicherheit – in diesen Fällen ist die Überzeugungsarbeit oft schwierig.

*Jan Ingold ist Chef Verkehrspolizei bei der Stadtpolizei Zürich.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D.N. am 26.09.2013 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Tatsache!

    Ja die sogenannte Sicherheit = Einnahmen sichern! Unsere Politiker und Amtspersonen, die das Geld zum Fenster rausschmeissen, ist doch logisch dass alle nach der Sicherheit schreien, also die Autofahrer abzocken!

  • Hebad am 25.09.2013 08:10 Report Diesen Beitrag melden

    Willkür?

    Essen oder streiten (??) im Auto erkennen sie am Fehlverhalten und wird gebüsst. Lächerlich. Ernsthaft das kann doch nicht sein. Man kann auch in Gedanken sein, wenn man nicht von aussen abgelenkt wird. Wenn ich das lese, bekomme ich den Eindruck, dass die Polizei machen kann was sie will und braucht scheinbar nicht einmal mehr einen Beweis (Foto, etc.). Da kann willlkürlich gebüsst werden.

  • Advocatus Diaboli am 25.09.2013 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    Irrsinn

    Es ist halt einfacher, nachts auf einer wenig befahrenen Strasse bei angenehmen Temperaturen und Wetter Radar zu betreiben, als die Ablenkungen systematisch zu bekämpfen. Die Kampagne ist nur ein Feigenblatt und jeder dafür ausgegebene Franken ist verlocht, wird aber mit Geschwindigkeitsbussen à CHF 40 und ähnlich wieder gedeckt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nadine am 26.09.2013 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Wird auch Zeit!

    Hab grad heute morgen schon wieder 1 Autofahrer gesehen, der während der Fahrt SMS geschrieben hat und eine andere hat telefoniert mit Handy am Ohr und ist entsprechend gefahren. Leute, schaltet Euer Hirn ein! Oder lasst Ihr das auf dem Parkplatz liegen, wenn Ihr in Euer Auto einsteigt? Manchmal kommt's mir wirklich so vor ...

  • Roko am 26.09.2013 13:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ablenkung am Lenkrad!

    Aber lieber Herr Ingold! Wie sieht es den bei den Velofahrenden aus? Ich habe schon des öfteren beobachtet, wie diese während der "Fahrt am Lenkrad" telefonieren und SMS schreiben! Äusserst gefährlich! Wo bleibt denn nun diese Kampagne?

  • Mike am 26.09.2013 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Und das geheule geht los..

    Jetzt heulen wieder alle herum von wegen unfairen Bussen, Geldmacherei etc. Aber der einfachste Trick sich keine Busse zu holen, ist sich an die Regeln zu halten. Glaubt mir, so schwer ist das gar nicht, für etwas sind wir ja alle in die Fahrschule gegangen=)

  • D.N. am 26.09.2013 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Tatsache!

    Ja die sogenannte Sicherheit = Einnahmen sichern! Unsere Politiker und Amtspersonen, die das Geld zum Fenster rausschmeissen, ist doch logisch dass alle nach der Sicherheit schreien, also die Autofahrer abzocken!

  • Markus Boll am 26.09.2013 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    na und?

    Bei Autos mit Stop and Go automatik sehe ich kein Problem, diese Fahrzeuge fahren selbstständig im Stau. Hier muss man mit der zeit gehen.