Abstimmung zu Hotel Suff

08. Oktober 2014 14:53; Akt: 08.10.2014 18:25 Print

«Betrunkene darf man nicht einfach einsperren»

Die Zürcher stimmen darüber ab, ob Betrunkene weiterhin ins Hotel Suff müssen. Ein Grünen-Politiker wirbt für ein Nein, obwohl seine Partei in der Frage gespalten ist.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wer in Zürich sehr tief ins Glas schaut und auf der Strasse aufgegriffen wird, landet seit vier Jahren in der Zentralen Ausnüchterungs- und Betreuungsstelle. Ende November entscheidet das Stimmvolk, ob das sogenannte Hotel Suff definitiv weitergeführt wird – die Steuerzahler kostet dies 1,2 Millionen Franken pro Jahr.

Doch das Geld ist nicht der Hauptgrund, warum das Komitee «Hotel Suff Nein» die definitive Einführung des Trinker-Knastes in den nächsten Monaten mit diversen Aktionen bekämpfen wird. «Dass man Betrunkene vorübergehend inhaftieren kann, ist ein Eingriff in die Freiheitsrechte», sagt Luca Maggi, Grünen-Politiker und Mitglied des Komitees. Dieses besteht aus den Jungen Grünen, der Juso, der AL, den demokratischen JuristInnen Zürich, Augenauf und Psychex.

«Viele Inhaftierte waren kaum betrunken»

Untragbar ist für das Komitee auch, dass sich die Inhaftierten an den Kosten mit 450 bis 600 Franken beteiligen müssen: «Es ist problematisch, dass man die Polizeikosten auf die Verursacher abwälzt», so Maggi. Damit würden die Türen geöffnet, dass die Polizei beispielsweise den Organisatoren einer Veranstaltung eine Rechnung schicke, wenn es dort zu einem Polizeieinsatz gekommen war.

Maggi kann sich auch nicht vorstellen, dass die 1000 Personen, die jährlich ins Hotel Suff müssen, wirklich alle eine Gefahr für sich selber oder die Allgemeinheit darstellen. «Die Polizei inhaftiert so viele Leute, damit sie ihre Kosten decken kann.» Ihm seien einige Fälle von Leuten bekannt, die eingewiesen worden seien, obwohl sie nur leicht angetrunken gewesen seien. «Vielleicht waren sie etwas frech zur Polizei, das hat dann schon gereicht.»

Maggi kämpft gegen das Hotel Suff , obwohl seine Partei in dieser Frage gespalten ist. Für den Vizepräsidenten der Grünen Schweiz ist das aber kein Problem: «Bei uns muss man sich nicht immer einig sein.»

(som)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chris am 08.10.2014 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hotel Suff soll bleiben

    Eingesperrt werden die Besoffenen so oder so, zum Ausnüchtern. Im Hotel Suff haben sie aber eine med. Betreuung was auf dem normalen Polizeiposten nicht der Fall ist. Das die Kosten abgewälzt werden finde ich super, so kostet es mich weniger, denn ich Sauf mich nicht beinahe ins Koma und werd dann noch ausfällig/aggressiv..

  • Doris Gmünder am 08.10.2014 18:57 Report Diesen Beitrag melden

    Immer wegsperren

    Immer wenn ein Betrunkener oder Zugedröhnter eine Gefahr für Dritte wird, gehört er weggesperrt. Auch zu seinem eigenen Schutz. Wenn er an den Falschen gerät, hat er am nächsten Morgen sonst ein anderes Gesicht.

    einklappen einklappen
  • me too am 08.10.2014 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Doch!

    Absolut richtig! Wer sich dermassen nicht unter Kontrolle hat, muss zu seinem eigenen Schutz festgesetzt werden. Und die Kosten sollen sie gefälligst selbst tragen. Geht gar nicht, dass dies der Steuerzahler berappen muss.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bro Krach am 09.10.2014 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte auch die Transportkosten verrechne

    @ Chris: Richtig! Sonst landen sie auf der Notfallstation im Spital ... sind dort ausfällig und aggressiv ....und wir haben ja die Krankenkasse die zahlt. Bitte verrechnet auch noch die Transportkosten und das zum Ansatz eine Blaulichtfahrt, die auch noch schnell nen Tausender ausmacht.

  • Adrian Smith am 09.10.2014 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Neues

    Es ändert sich kaum etwas, wer heute alkoholisiert von der Polizei wegen Eigen-/ Fremdgefährdung aufgegriffen wird, wird genauso eingesperrt. Im Hotel Suff wird er nur besser betreut. Das Hotel Suff ist nur eine Konsequenz aus den Ereignissen der Vergangenheit, es soll die Notfallstationen entlasten und eine bessere Betreuung gewährleisten. Die Kosten nach dem Verursacherprinzip zu verteilen finde ich richtig, denn sie wären vermeidbar gewesen.

  • Beobachter am 09.10.2014 07:31 Report Diesen Beitrag melden

    Verhältnismässigkeit?

    Wenn der (öffentliche) Drogen-Konsum (Cannabis) mit einer Ordnungsbusse bestraft wird, dann muss auch der (öffentliche) Rauschgift-Konsum (Alkohol) angemessen sanktioniert werden. Da Kiffer wesentliche weniger negativ auffallen als Säufer und damit andere nicht belästigen, muss die Strafe für Rauschgift-Alkohol höher angesetzt werden. Das Hotel Suff ist ein sehr guter Mechanismus, um die längst überfällige Einführung von Strafen für Rauschgift-Alkohol-Exzesse in der Öffentlichkeit vorzuziehen. Alkohol legal, Cannabis legal. Cannabis illegal, Alkohol illegal. So einfach ist das.

  • Alex am 09.10.2014 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich kann das Geld brauchen

    Ich finde es verwirrend, dass der Bund Schnaps fördert (siehe Villiger) und dann Alkoholopfer wie Müll wegsperrt (immerhin Steuerzahler) und noch extrem zur Kasse bittet. Erziehung muss sein, aber das ist Geldverschwendung, heuchlerisch und einfach verwirrend eben.... Man lässt unser Geld gegen sich selbst kämpfen und sieht zu....

    • Mitbezahler am 09.10.2014 11:07 Report Diesen Beitrag melden

      @Alex

      Es fällt tatsächlich auf, dass die Alkoholproduktion auf Eidgenössischer Ebene gefördert wird (Subventionen an Produzenten, zu tiefe Besteuerung von produzierten Alkoholika, Absenz von griffigem Jugendschutz, 24-stündige Verfügbarkeit usw.). Die durch dieses Rauschmittel jährlich entstehenden Schäden in Milliardenhöhe werden durch den Alkoholsteuerertrag nicht gedeckt und sind durch die Allgemeinheit über Krankenkassen- und Versicherungsprämien zu berappen. Das ist tatsächlich stossend und Ausdruck der als "Abstinenzoriente Drogenpolitik" verkleideten "Konsumorientierten Alkoholpolitik".

    einklappen einklappen
  • Notfallteam am 09.10.2014 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Notfallstation verstopfen ?

    Es geht darum, besoffene Personen, welche nicht mehr für sich sorgen können und keine anderen medizinischen Probleme haben, unter (med.) Kontrolle ausnüchtern zu lassen. Dass dies nicht auf einer Notfallstation zu erfolgen hat, sollte eigentlich allen klar sein (verstopfte Notfallstationen, Kosten für die Krankenkasse...). Wer sich vollsäuft, der sollte dafür auch selber zahlen und nicht der Allgemeinheit auf der Tasche liegen. Man wird eigentlich zur eigenen Sicherheit im Hotel Suff gehalten!