Vermieter in Zürich

18. Mai 2016 23:32; Akt: 18.05.2016 23:32 Print

«Bewerber wollen mich für Wohnungen bestechen»

Bestechungsversuche und aufdringliche Anrufer: Das und noch viel mehr erlebt ein Vermieter, wenn er in Zürich eine bezahlbare Wohnung ausschreibt.

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Es gibt sie noch in der Stadt Zürich, aber sie sind rar – bezahlbare Wohnungen auf dem freien Markt. 1500 Franken kosten drei Zimmer mit Balkon im Durchschnitt in einem Mehrfamilienhaus im Kreis 3, die eine kleinere Verwaltung vermietet. «Wir versuchen, faire Preise zu verlangen», sagt ein Verwaltungsmitarbeiter, der anonym bleiben möchte.

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30'000 Anrufsversuche, wie das bei einer freien städtischen Wohnung kürzlich der Fall war, zählt er zwar nicht. Doch auch bei ihm läuft das Telefon oft Sturm, sobald er ein Inserat aufschaltet: «Es sind oft bis zu 100 Anrufe – man ist sicher einen ganzen Morgen mit Telefonieren beschäftigt.» Dabei wähle er schon mal die geeignetsten Kandidaten aus: «Bei einer Zwei-Zimmer-Wohnung etwa nehmen wir keine Familien.» Wichtig sei auch, dass jemand zu den anderen Hausbewohnern passe: «So versuchten wir während des Jugoslawienkrieges zu vermeiden, dass Serben und Kroaten im selben Haus wohnen, das Konfliktpotential wäre hier zu gross gewesen.»

Wer Zigarette vor dem Haus ausdrückt, hat verloren

Etwa 15 bis 20 Leute lädt er nach der ersten Selektionsrunde zur Wohnungsbesichtigung ein, Massenbesichtigungen versucht er wann immer möglich zu vermeiden: «Das bedeutet nur grossen Stress.» Am liebsten treffe er die Kandidaten einzeln kurz persönlich: «Dann erhält man gleich einen ersten Eindruck.» So habe jemand schon verloren, der eine Zigarette vor dem Haus ausdrückt: «Das gehört sich einfach nicht.»

Eine feste Arbeitsstelle, Lohn, Referenzen oder Betreibungen seien wichtige Kriterien bei der Wohnungsvergabe, sagt der Verwaltungsmitarbeiter: «Aber bei so vielen Kandidaten entscheidet letztlich auch die Sympathie.» Punkten könne man bei ihm mit einem sauber gestalteten Bewerbungsdossier: «Das kommt nicht oft vor, zeigt uns aber, dass jemand die Wohnung wirklich will.»

Bestechungsversuche sind chancenlos

Weniger Freude habe er dafür an jenen, die sich ständig telefonisch nach dem Stand des Auswahlverfahrens erkundigen: «Es wirkt aufdringlich, wenn jemand täglich anruft und immer wieder sagt, wie dringend er die Wohnung doch brauche.»

Auch Bestechungsversuche seien chancenlos: «Schon das Gesetz verbietet uns, Geschenke anzunehmen.» Trotzdem komme das immer wieder vor – manchmal werde ihm sogar bis zu einer Monatsmiete angeboten, sagt er: «Vor allem von Deutschen. Denn in ihrer Heimat kommt es vor, dass man einen Makler bezahlt, wenn man eine Wohnung will.»

Das Auswahlverfahren bedeutet für ihn sicher einen ganzen Tag Arbeit. Deshalb ist es ihm am liebsten, wenn die Wohnungen unter der Hand weggehen – etwa wenn ein Bewohner, der nie Probleme machte, als Nachmieter einen Bekannten vorschlägt: «Damit haben wir gleich eine Art Referenz.»

Was haben Sie schon getan, um eine Wohnung zu bekommen? Oder weshalb wurden Sie abgelehnt? Schreiben Sie uns und geben Sie Ihre Telefonnummer an.

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani am 18.05.2016 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Beste

    Ohne Vitamin B läuft sowieso nichts.

  • Walter Born am 18.05.2016 07:00 Report Diesen Beitrag melden

    Füße küssen

    Reichlich erniedrigend mit Tendenzen bis hin zur Prostitution. Wirklich traurig diese Entwicklung.

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  • Isa am 18.05.2016 07:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selektion

    Die Tips sind ja schön und gut, aber wenn sich alle professioneller bewerben, werden die Chancen rein rechnerisch gesehen nicht grösser.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mister S am 19.05.2016 22:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne .... kein Preis

    Bla bla,einfach richtige Bewerbung schreiben die auch persönlich ist und Gründe nennen warum gerade diese Wohnung ! Dazu den handgemachten Briefumschlag mit Betreibungsauszug immer gerade dabeihaben! Mit einem Lächeln und viel Humor die Besichtigung starten. So garantiere ich 100% Chance !!! Hätte jede Wohnung in Zürich so bekommen!

  • $$ am 19.05.2016 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bestechung keine Seltenheit

    Mir wurden als Praktikant in einer Immobilienverwaltung schon einmal 2000 Fr. geboten, wenn ich beim Zuständigen ein gutes Wort einlege, sodass er den Zuschlag erhält. Es ging dabei um eine kleinere Wohnung im Kreis 5 in Zürich. Vielen Mietern ging es nicht anders. Jedoch hätte sich in der Firma keiner von so einem Angebot kaufen lassen.

  • D-Mann am 19.05.2016 20:27 Report Diesen Beitrag melden

    1000.- in einem Briefumschlag

    Dafür bekommt man fast jede Wohnung . Die Gier der Vermieter ist zu gross...

  • Ver. Mieter am 19.05.2016 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso so komoliziert?

    Ich Vermiete meine Wohnungen nach folgendem Rezept, funkioniert bestens, nur zum Empfehlen. Habe ich ein Wohnung die Frei wird, durchforste ich das Internet nach Gesuchen. Ich setze mich mit einem Passenden Wohnungssuchenden in Kontakt. Das wars.

  • bünzli am 19.05.2016 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    macht nur

    hab meine wohnung vor über einem jahr gekündet und mir einen wohnwagen gekauft. hatte keine lust mehr mich mit nervigen vermietern und überteuerten wohnungen rumzuärgern. bis jetzt lebt es sich viel entspannter. beste entscheidung.