Bombenattrappe an Street Parade

16. Dezember 2019 11:36; Akt: 16.12.2019 16:48 Print

«Ich bin froh, wieder draussen zu sein»

Ein 31-Jähriger sorgte während der Street Parade für einen Grosseinsatz, weil er eine Bombenattrappe platziert hatte. Nun wurde er mittels Strafbefehl verurteilt.

Der Grosseinsatz an der Street Parade im Video.
Zum Thema
Fehler gesehen?

«Am Utoquai ist derzeit ein Polizeieinsatz aufgrund eines verdächtigen Gegenstandes im Gange.» Diese Warnung veröffentlichte die Stadtpolizei Zürich kurz nach 21 Uhr während der Street Parade am 10. August 2019. Es folgte ein mehrstündiger Einsatz der Polizei inklusive Entschärfungsroboter. Der Grund: ein oranger Rucksack an der Street-Parade-Route mit der Attrappe einer Rohrbombe. Dies teilte die Polizei später mit. Die Ermittlungen führten zu einem 31-Jährigen, der anschliessend festgenommen wurde und in Untersuchungshaft musste.

Nun wurde der im Kanton Aargau wohnhafte Deutsche M. R.* vergangene Woche aus der Untersuchungshaft entlassen, wie die Staatsanwaltschaft gegenüber 20 Minuten bestätigt. «Der 31-jährige Mann wurde mit Strafbefehl mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bestraft. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben unter Ansetzung einer Probezeit von vier Jahren», sagt Erich Wenzinger, Sprecher der Oberstaatsanwaltschaft.

Schreckung der Bevölkerung schuldig gemacht

R. werde vorgeworfen, sich unter anderem des Straftatbestandes der Schreckung der Bevölkerung schuldig gemacht zu haben, indem er an der Street Parade 2019 beim Utoquai eine täuschend echt aussehende Bombenattrappe deponierte. «Attrappe darum, weil Sprengstoff und Zündvorrichtung im Rucksack fehlten», so Wenzinger. Dem Deutschen wurde gestützt auf ein fachärztliches Gutachten und Art. 94 des Schweizerischem Strafgesetzbuchs zudem die Weisung erteilt, sich in fachärztliche oder psychologische Behandlung zu begeben.

M. R. kommt gerade vom Bahnhof, als ihn 20 Minuten am Montag vor seinem Haus in Bremgarten AG antrifft. Er trägt einen Bart, wirkt abwesend und humpelt auffällig. Auf die Frage, wie es ihm geht, antwortet er: «Eigentlich ganz gut.» Er sei froh, wieder draussen zu sein. Ansonsten gibt er sich wortkarg. Er betont, dass er zu einem anderen Zeitpunkt die ganze Wahrheit erzählen werde: «Das, was geschrieben wurde, stimmt so nicht.» Jetzt habe er aber keine Zeit – er habe noch ganz viele Termine. Danach verschwindet er in seiner Wohnung.

«Er hat im Keller geschlafen»

Dabei hätte er eigentlich schon aus der Wohnung in Bremgarten raus sein müssen. Wie ein Nachbar sagt, wäre am Montag der Übergabetermin mit der Verwaltung gewesen: «Er hat anscheinend seinen Schlüssel verloren. Bis er einen neuen Schlüssel bekommen hat, hat er im Keller geschlafen.»

Ein anderer Nachbar ist sich sicher: «Er wird seinen Auszug bestimmt rauszögern.» Begeistert, dass er nun zurück ist, scheint niemand: Einige Nachbarn haben Angst und trauen ihm nicht.

*Name der Redaktion bekannt.

«Bombenleger» kriegt Haftstrafe auf Probe

(mon/wed)