Autofahrer hielten nicht an

15. November 2019 04:52; Akt: 15.11.2019 04:52 Print

«Das arme Reh ist elendiglich krepiert»

Während Franziska Vetter neben einem angefahrenen Reh auf den Jagdaufseher wartete, fuhren zahlreiche Autofahrer einfach an ihr vorbei. Diese Ignoranz macht sie wütend.

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Über 50 Wildunfälle in einer Woche im Kanton Aargau, ebenso viele Vorfälle im Kanton Thurgau. Auch auf den Zürcher Strassen gab es seit Samstag 33 Unfälle mit Wildtieren in der vergangenen Woche. Nicht alle dieser Unfälle werden bei Polizei oder Jagdaufsicht gemeldet. Das hat auch Franziska Vetter (57) aus Bünzen AG erfahren.

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Was sie letzte Woche erleben musste, macht sie noch Tage danach traurig. Sie war mit dem Auto unterwegs zwischen Hermetschwil-Staffeln und Bünzen, als sie ein angefahrenes Reh am Strassenrand entdeckte. «Ich hielt natürlich sofort an, schaltete die Warnblinker ein und alarmierte die Polizei, die dann den Jagdaufseher benachrichtigte», so die Frau.

Zu ihrem Erstaunen war sie damit auf weiter Flur: «Der Unfallverursacher war weitergefahren und unzählige weitere Autofahrer fuhren im Schritttempo an mir vorbei.» Nur ein Mann, der etwas später an der Unfallstelle vorbeifuhr, habe ihr seine Hilfe angeboten. «Zusammen warteten wir dann auf den Jagdaufseher», so Vetter.

«Eine richtig miese Sache»

Dieser konnte dem Tier aber nicht mehr helfen: «Ehrlich gesagt, ist das arme Reh elendiglich krepiert. Einfach nur traurig.» Besonders empört ist Vetter über die Ignoranz der anderen Autofahrer: «Ich kann so etwas nicht verstehen. Das macht mich wütend.»

Kein Verständnis für dieses Verhalten hat auch Erich Schmid, Geschäftsführer des Aargauischen Jagdverbands. «Wenn der Unfallverursacher Fahrerflucht begeht, ist das extrem enttäuschend – eine richtig miese Sache.» Mehr könne er dazu nicht sagen. Da eine Behandlung für das Wildtier einen zu grossen Stress bedeute, sei es oft besser, es zu erlösen. Wichtig bei Unfällen mit Wildtieren sei es, sofort die Jagdaufsicht oder die Polizei zu informieren. «Das Tier soll nicht unnötig Schmerzen erleiden», so Schmid. Zudem könnte es eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmende sein, wenn es auf der Strasse liegt.

Pflichtwidriges Verhalten

Bei der Kantonspolizei Aargau gehen täglich Meldungen über Wildunfälle ein, wie Sprecher Bernhard Graser bestätigt. «Die Zahlen zeigen anschaulich, wie präsent die Problematik ist.» Es komme auch immer wieder vor, dass der Fahrer davonfährt, ohne den Wildunfall zu melden. «Sie machen sich wegen pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Unfall strafbar», sagt Graser. Die Polizei verzeigt solche Lenker, wenn sie Kenntnis vom Vorfall hat. Dem fehlbaren Lenker droht eine Busse.

Um Unfälle mit Wildtieren vorzubeugen, sei es besonders nachts und entlang von Wäldern wichtig, die Geschwindigkeit anzupassen und sich zu konzentrieren. Sollte es dennoch zu einer Kollision kommen, rät Graser, sich wie bei einem gewöhnlichen Verkehrsunfall zu verhalten: «Unfallstelle sichern, Warnblinker einschalten, Pannendreieck aufstellen und Warnweste anziehen, Notruf 117 alarmieren.» Bei verletzten Tieren sei immer auch grosse Vorsicht geboten, vor allem wenn es sich um ein Wildschwein, einen Dachs oder einen Fuchs handle.

(lar/mon/tam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Glaubs Nicht am 15.11.2019 07:08 Report Diesen Beitrag melden

    Jammerlisi

    Also, wenn es nach der Dame gienge, würden 20 Autos anhalten und alle neben dem Reh stehen und abwarten bis der Jäger kommt? Das einzige was hier falsch gelaufen ist, dass der Unfallverursacher nicht angehalten hat. Alles andere ist rumgeheule und eines Artikels nicht wert.

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  • isapix76 am 15.11.2019 07:25 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Ich wäre auch an ihr vorbei gefahren. Erstens war ja jemand da und hat sicher auch alarmiert und zweitens müssen nicht Duzende dem Tier beim Sterben zusehen. Was hat die Frau erwartet, gemeinsame Gebete und Singsang? Jeder der zusätzlich angehalten hätte, wäre ein Gaffer.

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  • Empörter Hippster am 15.11.2019 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Empören ist gerade Hipp!

    Stimmt, es wäre deutlich besser, wenn jeder anhalten, aussteigen und das Handy zücken würde, nicht wahr. Was bringt es, wenn in solchen Fällen unzählige Passanten anhalten aber nichts machen können. Was erwartet die Frau, dass man ihr Trost spendet während dem warten oder was?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Easy Cruiser am 15.11.2019 21:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ich helfe nie wieder

    Ich habe 2x geholfen, 2x kassierte ich eine Busse, da relativ kurz aufeinander folgend wurde ich als "Wiederholungstäter" abgestempelt mit entsprechenden Konsequenzen. Von wegen es wird niemand verurteilt wen man nach bestem Wissen und Gewissen einem Verletzen hilft. Ja Dankeschön, von mir aus können die Verunfallten sehen wie sie zurechtkommen. Und wehe man hat sein Warndreieck nicht millimetergenau so aufgestellt wie es sein muss, erntet man den ganzen shitload der Justiz, Dank überheblichen Polizisten, die noch Zeit haben sowas nachzumessen - mitten in der Nacht wenn keiner durchfährt.

  • Manfred Gabathuler am 15.11.2019 19:56 Report Diesen Beitrag melden

    Unfall mit Tieren

    Ja und wie hätte man es Erlösen sollen? Mit einem Knüppel Totschlagen, ich bin oft unterwegs nachts (Dienstlich), mehr als anrufen geht nicht und unnötige Gaffer braucht es da ganz bestimmt auch nicht. Was sehr wichtig ist,die Unfallstelle Sichern, das hat die gute Frau Super gemacht

  • Lukas am 15.11.2019 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man kann es erst im Restaurant essen

    Es war ja schon jemand beim Reh . Was sollte man machen ? Erste Hilfe ? Mund zu Rehbeatmung?

  • Melch am 15.11.2019 13:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschen

    Schade findet man solche Menschen selten um diese zu büssen... Da wäre ich fast für Kameras an heiklen Orten

  • Marlies2018 am 15.11.2019 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Helfen?

    Zitat aus dem Artikel: Nur ein Mann, der etwas später an der Unfallstelle vorbeifuhr, habe ihr seine Hilfe angeboten. «Zusammen warteten wir dann auf den Jagdaufseher». Zitatende. Schon diese Aussage zeigt den "Mehrwert" der 2. Hilfe. Man hat zusammen gewartet. Die gute Frau musste nicht alleine warten. Und das Reh ist den gleichen elenden Tod gestorben. Man hätte besser das Tier sofort erlöst, das wäre echte Hilfe gewesen!