Stadt Zürich reagiert

22. Mai 2019 13:49; Akt: 23.05.2019 09:20 Print

«Riesiger Erfolg» für Klimastreik-Schüler

Der Zürcher Stadtrat reagiert auf die Forderungen der Jugendbewegung Klimastreik. In sieben Bereichen will er handeln.

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In Zürich haben Schüler in den vergangenen Monaten mehrmals für den Klimaschutz demonstriert. So wie in vielen anderen Schweizer Städten – etwa hier in Bern. Ihre Forderungen scheinen in der Politik Gehör zu finden. Der Zürcher Kantonsrat etwa hat kürzlich beschlossen, dass er den Klimanotstand ausrufen will. Jetzt hat auch der Zürcher Stadtrat Vorschläge gemacht, in welchen Bereichen er handeln will. «Wir wollen an Tempo zulegen», sagt GLP-Stadtrat Andreas Hauri. Schülerin Paula Schmid, die sich aktiv an den Klimastreiks beteiligt, spricht von einem riesigen Erfolg: «Wenn die Massnahmen wirklich umgesetzt werden, ist das ein grosser Schritt.» Fossile Heizungen ersetzen: «Wir wollen den Anteil an fossilen Heizungen massiv reduzieren, indem besonders in die Jahre gekommene Heizungen ersetzt werden.» Fernwärmenetz ausbauen: «Wenn wir die städtischen Energieverbunde weiter ausbauen, können wir noch mehr Haushalte mit klimafreundlicher Wärme und Kälte versorgen.» Städtische Fahrzeuge mit erneuerbaren Energien betreiben: «Wir wollen die städtische Fahrzeugflotte auf erneuerbare Energien umstellen. Das betrifft vor allem den öffentlichen Verkehr, aber auch etwa Feuerwehrautos oder Kehrichtwagen.» In städtischen Betrieben klimafreundlich essen: «Fleischgerichte werden wir nicht verbieten. Aber wir möchten aufzeigen, dass es lustvolle Gerichte gibt, die klimaverträglich sind.» Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen einkaufen: «Wir wollen etwa den Anteil von Produkten mit Nachhaltigkeitslabel erhöhen und energieeffiziente Angebote berücksichtigen.» Klimaforum gründen: «Mit der Klimajugend sind wir bereits zusammengesessen. Das wollen wir ausweiten und uns regelmässig treffen – auch mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Bevölkerung.» Bevölkerung informieren: «Es ist eine Aufgabe der Stadt, die Bevölkerung zu informieren, damit auch sie zum Klimaschutz beitragen kann.»

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Die Klimastreiks in Zürich zeigen Erfolg: Der Stadtrat will zwar keinen Klimanotstand ausrufen, aber Massnahmen prüfen, um den Klimaschutz noch stärker zu gewichten. Für sieben Bereiche hat er konkrete Vorschläge vorgestellt. «Wir haben schon viel gemacht, wollen nun aber an Tempo zulegen», sagte der GLP-Stadtrat Andreas Hauri zu 20 Minuten. Arbeitsgruppen sollen Massnahmen erarbeiten, über die der Stadtrat dann rasch entscheidet.

Klimafreundliches Essen

Hauri: «Fleischgerichte werden wir sicherlich nicht verbieten, aber wir möchten aufzeigen, dass es lustvolle Gerichte gibt, die klimaverträglich sind. Bereits heute werden in den städtischen Betrieben gern vegetarische Gerichte konsumiert. Zudem ist ein Projekt geplant, um die Klimabelastung eines Gerichts auf dem Menü sichtbar zu machen.»

Fahrzeuge mit erneuerbaren Energien betreiben

Hauri: «Wir wollen die städtische Fahrzeugflotte auf erneuerbare Energien umstellen. Das betrifft vor allem den öffentlichen Verkehr, aber auch etwa Feuerwehrautos oder Kehrichtwagen. Wir setzen da verstärkt auf Elektrizität oder Biogas. Derzeit klären wir ab, wie schnell das möglich ist. Im Moment gibt es auch noch nicht für alle Fahrzeugkategorien eine passende Lösung. Teslas werden wir nicht anschaffen, das passt nicht ins Budget.»

Nachhaltiger einkaufen

Hauri: «Die Stadt hat ein grosses Einkaufsvolumen. Hier gibt es viel Einsparpotenzial beim CO2. Wir wollen etwa den Anteil von Produkten mit Nachhaltigkeitslabel erhöhen. Im Bereich Strom sind wir da schon sehr weit. Auch bei Ausschreibungen wollen wir vermehrt darauf achten, dass energieeffiziente Angebote berücksichtigt werden.»

Fossile Heizungen ersetzen

Hauri: «Wir wollen den Anteil an fossilen Heizungen massiv reduzieren, indem besonders in die Jahre gekommene Heizungen ersetzt werden. In diesem Bereich können wir viel erreichen, weil Heizungen eine der Hauptursachen für die CO2-Belastung sind. Varianten wären, dass die Stadt die Hauseigentümer mit einem finanziellen Beitrag unterstützt oder Beratungen anbietet.»

Fernwärmenetz ausbauen

Hauri: «Wenn wir die städtischen Energieverbunde weiter ausbauen, können wir noch mehr Haushalte mit klimafreundlicher Wärme und Kälte versorgen. Mehrere Gebiete sind noch nicht erschlossen. Wichtig ist aber auch, dass die Hauseigentümer ihre Liegenschaften an die Verbunde anschliessen. Gratis ist das nicht zu haben, daher möchte die Stadt den Ausbau der Energieverbunde stärker unterstützen. Denn die Fernwärme zählt zu den Schwerpunkten der städtischen Planung.»

Klimaforum gründen

Hauri: «Mit der Klimajugend sind wir bereits zusammengesessen. Das wollen wir ausweiten und uns regelmässig treffen – auch mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Bevölkerung. Sie alle können Ideen einbringen und tragen diese auch in Wirtschaft und Gesellschaft. Nicht nur die Stadt muss handeln, sondern auch die Einzelnen.»

Bevölkerung informieren

Hauri: «Wir sehen es als Aufgabe der Stadt, die Bevölkerung zu informieren, damit auch sie einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Es geht aber nicht darum, den Zeigefinger vorzuhalten, sondern aufzuzeigen, dass man auch mit kleinen Einschränkungen einen Beitrag leisten kann. Wir planen entsprechende Kampagnen und Veranstaltungen.»

So reagiert die Jugendbewegung Klimastreik

Die Massnahmen kommen gut an. Die Zürcher Schülerin Paula Schmid, die sich aktiv an den Klimastreiks beteiligt, spricht von einem riesigen Erfolg: «Wenn die Massnahmen wirklich umgesetzt werden, ist das ein grosser Schritt. Es sind wirklich gute Ansatzpunkte darin enthalten.» Besonders lohnend findet sie den Fokus auf Verpflegung und Fahrzeugpark. «In diesen Bereichen kann man einiges viel besser machen.»

Nur etwas fehlt ihr: «Die Stadt soll sich dafür einsetzen, dass auch der private Verkehr klimaneutral wird.» Dass der Stadtrat keinen Klimanotstand ausrufen will, stört Schmid nicht. «Dieser symbolische Akt wäre wichtig gewesen, aber konkrete Massnahmen sind besser.» Zudem habe der Kantonsrat bereits den Klimanotstand ausgerufen.

(tam)