VBZ streichen Tram-Linie

21. Oktober 2019 13:25; Akt: 21.10.2019 21:37 Print

«Das übersteigt meine schlimmsten Träume»

von J. Furer/ M. Djurdjevic - Die VBZ müssen wegen eines Tram-Engpasses eine Linie streichen und den Fahrplan anpassen. Jetzt gerät der kantonale Verkehrsverbund in Kritik.

Im Video beantwortet VBZ-Direktor Guido Schoch wichtige Fragen zur Tram-Knappheit. (Video: 20 Minuten)
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Die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ) haben ein Problem: Sie verfügen derzeit über zu wenig Trams. Grund für den Engpass ist die Verzögerung der Beschaffung der neuen Flexity-Trams. Diese zieht sich wegen Einsprachen bereits vier Jahre hin.

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«Das hätte ich mir in meinen schlimmsten Träumen nicht ausdenken können», sagt VBZ-Direktor Guido Schoch zu 20 Minuten. Mit der Eröffnung der Limmattalbahn und der damit verbundenen Verlängerung der Tramlinie 2 nach Schlieren habe die VBZ nun endgültig Massnahmen ergreifen müssen, um den Tram-Engpass aufzufangen.

Busersatz nicht möglich

Per 25. November müssen die VBZ den Fahrplan ausdünnen. Konkret wird die Linie 17, die vom Albisgütli nach Werdhölzli führt, vorübergehend eingestellt. Sie wird durch anders geführte Linien 6 und 10 ersetzt. Zudem wird etwa auf der Linie 15 der Takt verändert. Unter der Woche fährt dort nur noch alle 15 Minuten ein Tram. Heute müssen die Passagiere nur maximal 7 oder 8 Minuten warten. Es fahren also nur noch halb so viele 15-er.

«Das ist sicher eine Qualitätseinbusse für unsere Kundinnen und Kunden», sagt VBZ-Direktor Schoch. Ein Busersatz für die gestrichene Tramlinie sei geprüft worden. «Das wäre aber aufgrund der Infrastruktur gar nicht möglich gewesen», so Schoch. Beispielsweise hätten Busse nicht in die teils engen Tramtrassees fahren können.

Alte Mirage-Tram

Derzeit sei die Lage dermassen prekär, dass eine Anpassung des Fahrplans und Betriebs unumgänglich geworden sei. «Wir haben an manchen Tag nicht einmal ein Ersatztram. Wenn es also zu einer Kollision kommt oder ein Tram einen technischen Defekt hat, wird es schwierig», sagt Schoch.

Die VBZ haben bereits im November eine Massnahme ergriffen, um den Tram-Engpass zu bewältigen: Sie setzte ihre zwei alten Mirage-Trams auf der Linie 8 ein. Auf die Frage, ob die VBZ auch die anderen Mirage-Trams hätte behalten sollen, sagt Schoch: «Wir haben diese bereits 2011 weggegeben. Damals hatten wir noch damit gerechnet, dass die neuen Trams rechtzeitig eingesetzt werden können.»

Die heutige Situation sei nicht auf eine Fehlplanung der VBZ zurückzuführen, betont Schoch, sondern auf die Einsprachen gegen die neuen Trams. «Wir haben bereits 2011 eine Ausschreibung gemacht und haben die neuen Trams 2016 erwartet.» Mit einer vierjährigen Verzögerung habe niemand rechnen können.

Kritik an kantonalem ZVV

Laut Peter Anderegg, Präsident der Interessengemeinschaft öV Zürich, liegt das Versagen beim Verkehrsrat des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV). «Er war es, der die Kostengutsprache für die Beschaffung der neuen Trams in der ersten Runde verweigerte und dabei kostbare Zeit verloren ging.» Der Verkehrsrat habe für eine Verzögerung gesorgt, die jetzt die VBZ ausbaden müssten.

«Die Aussage, dass hauptsächlich der Verkehrsrat für die Verzögerung der Trambeschaffung verantwortlich sei, greift viel zu kurz und ist nicht korrekt», sagt Thomas Kellenberger, Sprecher des ZVV. Der Verkehrsrat habe als zuständiges Gremium für die Finanzierung bezeihungsweise Refinanzierung neuer Tramfahrzeuge seine Aufgabe im Rahmen dieser Trambeschaffung zurecht ernst genommen. «Denn es ging um sehr grosse Millionenbeträge, die letztlich auch mit Steuergeldern finanziert werden», so Kellenberger.

Ein solcher Entscheid müsse zwingend nachvollziehbar und begründbar sein. «Darüber hinaus ist darauf hinzuweisen, dass die unterlegenen Anbieter Rechtsmittel gegen den Zuschlagsentscheid eingelegt hatten. Dieses Gerichtsverfahren verzögerte die Beschaffung ebenfalls massgeblich», so Kellenberger.

VBZ muss wegen Tram-Engpass Linie streichen