«Er biss und schüttelte»

29. November 2019 04:52; Akt: 29.11.2019 04:52 Print

Rüde Pan muss nach Hundebiss in Not-OP

Der zweijährige Rüde Pan wurde bei einem Spaziergang von einem Husky-Mix gebissen. Pan's Frauchen hat nun Anzeige erstattet.

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Es hätte ein gemütlicher Spaziergang am Zürichsee werden sollen. Letzten Donnerstag war A.D.* mit ihren Hunden am Utoquai unterwegs. Die beiden Rüden führte die 32-jährige Zürcherin an der Leine, als ihr ein Mann kurz vor der Pedalovermietung mit einem grossen Husky-Mix und einem kleinen Mischlingshund entgegenkam.

Die beiden seien frei herumgelaufen. «Ich hob deshalb meine Leine in die Luft zum Zeichen, dass meine angeleint sind, und wechselte die Strassenseite», sagt D. Für den anderen Hundebesitzer anscheinend keine einfache Aufgabe: «Seine Hunde gehorchten ihm mässig. Vor allem der Husky-Mix-Rüde liess sich nicht ganz kontrollieren und ignorierte sein Herrchen.»

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«Pan hat sich nicht einmal gewehrt»

Schliesslich sei der unkastrierte Rüde nach dem Kreuzen umgekehrt und von hinten auf D. und ihre beiden Entlebucher Sennenhunde zugerannt. Wie die 32-Jährige sagt, soll er es dabei vor allem auf Pan, den älteren der beiden Rüden, abgesehen haben. «Ich versuchte meine Hunde von der Leine zu lassen, damit sie weglaufen können. Sie sind sehr friedlich und verhalten sich unterwürfig.»

Ihr gelang es noch, bei Pan die Leine loszumachen, da sei der fremde Hund schon auf den zweijährigen Rüden losgegangen: «Der Husky-Mix biss zu und schüttelte ihn. Pan hat sich nicht einmal gewehrt.» Laut D. liess er erst von Pan ab, als die 32-Jährige und sein Herrchen hingingen und dieser ihm einen Tritt verpasst habe.

«Ist doch nichts passiert, oder?»

Schockiert stellte sich die 32-Jährige mit ihren Hunden auf die Seite: «Ich wollte schauen, ob Pan verletzt ist und uns in Sicherheit bringen.» Doch das schien nichts zu nützen: «Der Husky-Mix kreiste wie ein Hai um uns und hatte wieder Pan im Visier.»

Der Halter hingegen soll partout den Husky-Mix nicht an die Leine genommen haben: «Er fragte nur: ‹Ist doch nichts passiert, oder?›» Um die Sicherheit ihrer Hunde besorgt, lief D. ohne die Kontaktdaten des anderen Hundehalters aufzunehmen weg: «Ich ging zum Auto und fuhr nach Hause.»

Tiefe Bisswunde und Notoperation

Zuhause habe sie bemerkt, dass Pan verletzt ist. In einer Tierklinik musste der Rüde schliesslich notoperiert werden: «Er hatte eine Bisswunde, die man nähen musste.» Schlimmer seien aber die nicht sichtbaren Gewebeverletzung unter der Haut, hervorgerufen durch den starken Biss, gewesen, so D.

Zur Sicherheit habe er nach der OP noch eine Drainage erhalten, damit das Wundsekret abfliessen kann. Mittlerweile geht es Pan ein wenig besser: «Es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Er bekommt jetzt ganz viele Streicheleinheiten und Guetzli.»

Sichtlich verärgert über den Vorfall, postete die 32-Jährige am nächsten Tag einen Aufruf auf Facebook – und erhielt prompt zahlreiche Hinweise: «Laut anderen Hündelern ist der Mann kein Unbekannter. Mir wurde gesagt, dass er seine Hunde immer freilässt, sie aber nicht unter Kontrolle hat.» In der Zwischenzeit hat D. bei der Polizei Anzeige erstattet. Die Stadtpolizei Zürich bestätigt das.

Broschüre «Codex»

Um ein konfliktfreies und unkompliziertes Zusammenleben von Hunden, Hündelern und Nichthundehaltern zu garantieren, hat das Veterinäramt Kanton Zürich die Broschüre «Codex» mit zahlreichen Verhaltensregeln für alle Beteiligten rausgebracht. Auf der Webseite des Veterinäramtes ist die Broschüre abrufbar.

Im folgenden wurden zwei Punkte aus dem «Codex» und der Broschüre «Hundehaltung: Informationen zum Zürcher Hundegesetz» aufgegriffen.

Generelle Leinenpflicht unter bestimmten Bedingungen

Bei der Begegnung mit Passanten oder anderen Hundehaltern mit ihren Hunden wird der Hund immer auf der abgewandten Seite und an kurzer Leine geführt. Bei zuverlässigem Gehorsam kann er bei Fuss geführt werden.

Beim Führen von mehreren Hunden ist sichergestellt, dass sie im Rudel kontrolliert werden können. Grundsätzlich sind alle Hunde an der Leine zu führen.

In Wohnquartieren in der Nähe von Kindergärten und Schulen
in der Nähe von Spiel- und Sportplätzen in unübersichtlichem Gelände bei Dunkelheit wird der Hund an kurzer Leine oder bei zuverlässigem Gehorsam kontrolliert in unmittelbarer Nähe geführt.

An belebten und viel frequentierten Orten sowie in öffentlich zugänglichen Gebäuden ist das Vorfallrisiko mit Hunden grösser. Hunde jeglicher Grösse müssen deshalb an solchen Orten an kurzer Leine geführt werden. Auch gut erzogene Hunde sind nicht zwingend in jeder Situation «verkehrssicher». Deshalb ist die Leine bei viel Verkehr notwendig.

Beaufsichtigung und vorausschauendes Führen

Auch mit gut sozialisierten, erzogenen und umweltgewohnten Hunden kann es zu Vorfällen kommen. Insbesondere dann, wenn unvorhergesehene Situationen beim Hund Angst auslösen oder wenn ein Hund einem für ihn bedrohlichen Reiz nicht ausweichen kann. Hierzu zählt ein für ihn unverständliches Verhalten von Kindern oder Drittpersonen. Wer den Hund verantwortungsbewusst beaufsichtigt und führt, kann und muss
gefährliche Vorfälle vermeiden.

Im Notfall: Was muss ich tun, wenn mein Hund gebissen wurde?

Stefan Buholzer vom Veterinäramt Kanton Zürich rät Folgendes: «In solchen Fällen sollte man sich das Signalement der Person (Grösse, Haarfarbe, Geschlecht, Kleidung, Accessoires wie Tasche, Rucksack, Hut) und des Hundes (Rasse, das Aussehen, Grösse, Farbe, Geschlecht, Haarlänge und anderes wie Brustgeschirr, Farbe davon, Halstuch) gut einprägen.»

Sollte die Person in ein Auto steigen, könne man sich auch das Autokennzeichen merken. «Hilfreich ist auch, wenn es Zeugen gibt. Bitten sie diese um ihre Kontaktdaten», so Buholzer.

Ebenfalls bestehe die Möglichkeit über die Notrufnummer die Polizei zu kontaktieren. «Bei einem Biss soll man sich zudem umgehend zum Arzt (falls Sie verletzt sind) beziehungsweise zum Tierarzt (falls Ihr Hund verletzt ist).» Laut Buholzer seien diese verpflichtet, solche Vorfälle beim Veterinäramt zu melden.

*Name der Redaktion bekannt

(mon)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Geniesser69 am 29.11.2019 05:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich liebe Hunde.....

    .....aber gewisse Hundehalter sind das letzte und machen den Ruf der Vierbeiner gar nicht gut!

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  • Phlow am 29.11.2019 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hundehalter, nicht die Hunde

    In der Umfrage fehlt: Ich hasse Hundehalter, die ihre Hunde nicht im Griff haben. Die sind es nämlich, die für das Fehlverhalten von Fifi und Co verantwortlich sind.

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  • Angela am 29.11.2019 08:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hunde-Gesetz beachten

    Ein Hund ist so zu halten, dass er weder Menschen noch andere Tiere verletzen kann. Gesetz. Punkt. Aus.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pat Huser am 29.11.2019 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hundehaltung mit Verstand ist Tierschutzrelevant

    Das Verhalten des Hundehalters ist in kleinster Art und Weise zu Entschuldigen und ist Respektlos. Es gibt auch keinen Grund, deshalb einen Hass gegen Hunde zu schüren. Hunde sind nicht generell unsere Feinde und auch nicht die ihrer Artgenossen. Wird ein Hund Artgerecht gehandelt, erzogen und behandelt, sollte er gar nicht in so eine Situation gelangen oder gebracht werden. Im Gegensatz zu uns Menschen, handeln Hunde nicht mit einem Plan sonder Instinktiv. Zum Glück gibt es überwiegend gute Hunde und verbindliche Hundehalter.

  • anna am 29.11.2019 14:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tragisch

    jetzt werden bestimmt auch bald husky's als listenhunde geführt, weil mensch sich hunde anschafft ohne sich vorher ordentlich gedanken zu machen, sich schulen zu lassen und mit dem hund ein ordentliches training zu besuchen. vielen dank an der stelle, genau weil menschen so fahrlässig mit der anschaffung von hunden handelt werden gewisse hundearten (bsp pitbulls) zu unrecht als listenhunde geführt

  • TyNaMe am 29.11.2019 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Hunde verstehen

    Hundeschulen wie wir diese kennen bringen nicht sonderlich viel. Diese richten sich auf Konditionierung und nicht auf Beziehung zwischen Halter und Hund. Wer seinen Hund nicht versteht, kann diesen auch nicht kontrollieren oder wissen, welche Situationen eskalieren können. Zudem reagieren viele Halter vollkommen falsch, wenn sich ein fremder Hund nähert. Der Besitzer sollte IMMER der Rudelführer sein und seine Hunde dementsprechend führen.

  • E. W. am 29.11.2019 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Mühsam

    Es ist wirklich mühsam wir haben unsere kleinen Hunde immer an der Leine. Ständig treffen wir Leute die ihre Hunde nicht anleinen wenn wir kommen. Das ist richtig mühsam. Es muss ja immer erst was passieren obwohl es heißt der will ja nur spielen und ungefähr 30 Kilo schwerer ist als unsere. Ist es so schwer die Hunde vorher anzuleinen?

  • Chillipepper am 29.11.2019 14:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In 30 Jahren 3 Hunde - 3mal nie Probleme

    Also ich habe mit meiner Hündin einen Welpen-, den Junghunde- und den Begleithundekurs gemacht. Anschliessend über 3 Jahte Agility. Hatte nie Probleme. Man muss bei den Spaziergängen vorausschauen was kommen kann. Beim Kreuzen von Personen wie auch Kindern, den Hund am Gstältli halten bis man vorbei ist. Kommt ein angeleinter Hund kurz zum Halter rufen. Bleibt dieser Hund an der Leine binde ich meinen auch an. Beim kreuzen halte ich einen grösseren Abstand. Den Kindern beibringen, dass sie keine Sachen dem Hund anwerfen und nicht einfach streicheln ohne fragen.