Krokodil in Zürich erschossen

26. Dezember 2019 12:35; Akt: 26.12.2019 12:57 Print

«Der Zoo hat das einzig Richtige gemacht»

Ein Philippinen-Krokodil musste nach einer Attacke auf eine Pflegerin im Zoo Zürich erschossen werden. Die Reaktionen auf dieses Notfallkonzept sind gemischt.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Drama im Zoo Zürich am Montagabend: Ein seltenes Philippinen-Krokodil musste erschossen werden. Es hatte der Tierpflegerin während Reinigungsarbeiten in die Hand gebissen und minutenlang nicht mehr losgelassen.

Umfrage
Wie finden Sie die Reaktion des Zoos Zürich?

Gemäss Notfallkonzept für solche Fälle entschied der Zoo, das rund 12 Jahre alte Krokodil zu erschiessen. Wie es dem Männchen gelang, aus dem abgetrennten Bereich zu gelangen, wird nun abgeklärt – auch die Stadtpolizei Zürich ermittelt.

«Eine Betäubung hätte zu lange gedauert»

Die Pflegerin wurde mit unbestimmten Handverletzungen ins Spital gebracht und notfallmässig operiert. «Den Umständen entsprechend geht es ihr gut», sagt Zoodirektor Alex Rübel am Donnerstag. Gemäss seinem aktuellen Kenntnisstand konnte die Hand der Pflegerin gerettet werden. Der Zoodirektor ist traurig, dass es zur Erschiessung kam – «aber das Leben und die Gesundheit der Tierpflegerin hatten natürlich Vorrang».

Einige 20-Minuten-Leser kritisieren das Vorgehen und hätten sich gewünscht, dass das Krokodil nur betäubt worden wäre. Dazu sagt Rübel: «Eine Betäubung hätte zu lange gedauert. Bis das Tier geschlafen hätte, wäre die Hand der Tierpflegerin noch stärker verletzt worden.»

Zoo hat als Arbeitgeber eine Verantwortung

Auch beim Zürcher Tierschutz hat man Verständnis für das Vorgehen: «Der Zoo hat das einzig Richtige gemacht in dieser Situation, nämlich die Tierpflegerin gerettet, bevor sie die Hand verlor», so Nadja Brodmann, Mitglied der Geschäftsleitung. Als Arbeitgeber habe der Zoo auch seinen Angestellten gegenüber eine Verantwortung. «Und in einer Güterabwägung kommt der Schutz des Menschen immer noch vor dem Schutz eines einzelnen Tieres.»

Brodmann bezweifelt, dass es eine andere Möglichkeit gegeben hätte zu handeln. «Es war ja ein tragischer Einzelfall, der gemäss den Sicherheitsvorkehrungen gar nicht hätte passieren dürfen.» Dass es mit dem Philippinen-Krokodil ein seltenes und geschütztes Tier erwischt hat, sei tragisch. Aber: «Der Zoo Zürich kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn die Art auf den Philippinen ausstirbt.»

«Das System Zoo muss kritisch hinterfragt werden»

Bei der Tierrechtsorganisation Animal Rights Switzerland wünscht man der verletzten Pflegerin gute Besserung. «Für das Krokodil kommen aber leider alle Wünsche zu spät», so Geschäftsleiter Pablo Labhardt. Damit es in Zukunft nicht mehr zu solchen bedauerlichen Vorfällen kommt, müsse man das System Zoo überdenken und kritisch hinterfragen, da es nicht mehr zeitgemäss sei. «Es werden Tiere eingesperrt und ausgestellt, damit sie uns unterhalten. Wenn diese Tiere dann in Gefangenschaft auch noch erschossen werden, ist das schockierend und schlimm.»

(mon/wed)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maa Müller am 26.12.2019 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vom Sofa aus urteilen

    Immer diese Extremen Tierschützer, wenn die Tiere im Zoo leben ist es nicht recht. Auch wenn es sich um aussterbende Tiere handelt. Bin auch nicht Fan von Zoos, aber bei uns werden die Tiere zumindest möglichst artgerecht gehalten. Es ist völlig normal, dass die Pflegern wichtiger ist als dieses Krokodil

    einklappen einklappen
  • Zyn Iker am 26.12.2019 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    System Zoo

    Dank dem Zoo werden auch einige vom Aussterben bedrohte Arten erhalten und könnten später wieder ausgegliedert werden. Zuerst muss aber unser Drang nach noch mehr Reichtum, Expansion und Optimierung durchbrochen werden, damit die Landschaften, in denen die Tiere leben nicht weiter zerstört werden. Ich habe schon einiges gesehen... Da werden die Tiere in Massen abgeschlachtet und hier wird wegen einem ein Aufstand gemacht...

    einklappen einklappen
  • Brigle am 26.12.2019 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Auch wenn es eine vom Aussterben gefährdete Art ist, musste der Arm der Pflegerin gerettet werden. Traurig, dass diese Krokodile in der Natur nicht mehr sicher sind, wie so viele Tierarten.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • CHRISTINE Häuptli am 26.12.2019 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    Tiere

    Warum erschiesst man ein Tier wenn es beisst ? Natur Wenn ein Mensch ein Kind tötet oder verletzt missbraucht erschiesst man Ihn nicht er wird eingesperrt und gepflegt wo ist da die Ethik wenn der Mensch sich über die Natur setzt und nicht mit Ihr Lebt Mensch Tiere Pflanzen wie wollt Ihr die Erde retten ?

  • Joly am 26.12.2019 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zoo

    Im Zoo haben sie meiner meinung nach richtig gemacht. Vielleicht hätte die. arme Pflegerin den Arm. verlieren können! Auf dem weg. alles gute , gute Besserung

  • Boris De Grafenried am 26.12.2019 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade um das Kroko

    Raubtiere sind Raubtiere. Also besser Aufpassen . Trotzdem gute Besserung. Man lernt nie aus. Auch bei Lacoste.

  • Marlis am 26.12.2019 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso nicht Betäuben

    Wieso kann man das Tier nicht Betäubung? Es muss immer geschossen werden. Halb Betäubung so das man das Tier und Mensch nicht ins Lebensgefahr bringt. Aber das Tier trotztdem lebt.

  • Christkind am 26.12.2019 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeit der Barmherzigkeit

    Zoos sind ein totaler Anachronismus. Viel zu teuer und energieintensiv. Das Geld wäre besser angelegt, wenn man den wirklich Bedürftigen mehr zum Leben gäbe.