Raser am Albispass

29. Juni 2011 16:14; Akt: 29.06.2011 21:20 Print

«Die Töfffahrer rasen rauf und runter»

von Adrian Eng - Wieder ein toter Raser am Albispass: Für einen Anwohner und die Gemeinde Langnau ist dies keine Überraschung. Die Strecke ist berüchtigt.

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Mit diesem Töff raste ein 20-Jähriger in den Tod. (Bild: newspictures.ch)

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Wieder ist am Albispass ein Motorradfahrer tödlich verunglückt. Der 20-Jährige war zu schnell in eine Kurve gefahren und stürzte in die Leitplanken. Die Strasse über den Albis ist eine der schlimmsten Raserstrecken der Schweiz.

Seit über 30 Jahren wohnt Henry P.* an der Albisstrasse oberhalb von Langnau a. A.. Schon unzählige Unfälle musste er in dieser Zeit mitansehen. Und die Situation hat sich aus seiner Sicht in den letzten Jahren deutlich verschlimmert.

Er erzählt: «Bei schönem Wetter kommen sie. Ganze Gruppen von Motorradfahrern brettern dann in hohem Tempo über die Passstrasse. Zuerst fährt einer die Strecke ab, um zu sehen, ob Gefahr lauert. Dann rasen sie zehn- oder elfmal rauf und runter. Sie fahren mit über hundert durch die 50er-Zone.» Die Raser sprechen sich unter einander ab und warnen sich per SMS und Handy.

Drei Tote in vier Wochen

Oft hört P. die Unfälle von seinem Haus aus. Und von diesen gibt es viele. «Allein in den letzten vier Wochen sind hier drei Motorradfahrer gestorben», sagt er. In der Zeitung lese man davon allerdings nichts. «Ich weiss nicht, ob man etwas vertuschen will», mutmasst P.

Einige Anwohner haben von den Rasern Video- und Foto-Aufnahmen gemacht und diese den Behörden zugespielt. Geändert hat sich nichts. Als die Polizei vor einiger Zeit eine Geschwindigkeitskontrolle durchführte, sei gar ein Töffahrer vor lauter Schreck gestürzt, erzählt P. Auch die Raser selber nehmen ihre Fahrten auf und stellen sie ins Internet.

Das Schlimmste sei der Lärm und die Gefahr, sagt der langjährige Anwohner. Seinen Sohn lasse er nur mit dem Velo auf die Strasse, wenn es nicht anders gehe. Was man gegen die Raser-Gangs machen kann, weiss er nicht: «Am Hirzel stellen sie Plakate auf, aber ob das hier hilft? Ich hoffe einfach, dass da nicht noch mehr passiert.»

Gemeinderat wollte Tempo senken

Der Langnauer Gemeinderat hat im Jahr 2010 bei der Kantonspolizei beantragt, die Geschwindigkeitslimite von 80 auf 60 Kilometer pro Stunde zu reduzieren. Allerdings erfolglos. Nach der Sanierung sei die Strecke deutlich sicherer geworden und die Anzahl der Unfälle sei zurückgegangen, war die Antwort der Polizei. Auch der Lärm sei erträglich. Die Polizei wollte aber vermehrt Kontrollen durchführen.

Der Langnauer Gemeinderat Hans-Ulrich Braun (FDP) hat sich mit diesem Entscheid nicht anfreunden können. «Die gefährlichen Tempoexzesse werden so nicht aufhören, genauso wenig der unerträgliche Motorenlärm», sagte er damals dem Tages-Anzeiger. Wie sich jetzt zeigt, sollte er Recht behalten.

Als Raserstrecke in den Köpfen der Töfffahrer

Zum neuesten Todesfall sagte Braun auf Anfrage von 20 Minuten Online: «Ich finde es tragisch, dass wieder jemand auf der Albispassstrasse gestorben ist. Das Thema wird nun auch im Gemeinderat sicher wieder auf den Tisch kommen.» Die Möglichkeiten des Gemeinderates seien aber nach dem Antrag an die Kantonspolizei weitgehend ausgeschöpft. Braun erhofft sich lediglich durch das neue Rasergesetz eine gewisse Abschreckung. «Die Albisstrasse ist als Raserstrecke in den Köpfen der Töfffahrer. Wir müssen versuchen, dies zu ändern.»

Als die Kantonspolizei vergangenes Jahr temporär eine semi-stationäre Anlage (Blitzkasten) aufstellte, hatte sich die Situation laut Braun deutlich verbessert. Auch Anwohner hätten ihm dies bestätigt. Mittlerweile hat die Polizei den Kasten aber wieder entfernt. Eine Herabsetzung der Tempolimite ist für Braun zwar kein Garant für keine Unfälle, sondern ein Zeichen dafür, dass der Albispass eine gefährliche Strecke ist und mit Vorsicht befahren werden muss. Allerdings sei auch auf anderen, ähnlichen Strecken im Verantwortungsbereich der Stadt Zürich und des Kantons Zug Tempo 60 eingeführt worden.

Kapo sieht keine Auffälligkeiten

In den Statistiken der Kantonspolizei zeigt sich keine Auffälligkeit. In den letzten fünf Jahren ereigneten sich lediglich 83 Unfälle, dabei verletzten sich 26 Person. Über Todesfälle gibt die Statistik keine Auskunft. Jedoch wurde ein Drittel der Unfälle von Motorradfahrern verursacht. Die Kantonspolizei Zürich macht vor Ort regelmässig Kontrollen, wie sie gegenüber 20 Minuten Online bestätigt. Die semi-stationäre Anlage brachte keine auffälligen Veränderungen hervor.

Eine schnelle Fahrt auf den Albispass, gefunden auf YouTube:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Freak am 01.07.2011 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Rennstrecke

    Wo spielen die Kinder wenn sie kein Fussballplatz haben? richtig, auf der Strasse! Gibt uns eine Rennstrecke sonst wird es immer so bleiben. Ein Hobby kann man nicht mit Gesetzen verbieten! Aber Politiker denken nicht an Lösungen sondern an Wähleranteile!

  • Bikerjoe am 01.07.2011 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Biker

    + ich ägere mich an den Velofahrern, welche die teuren, unbenutzten Velowege partout nicht benützen. Zu dritt nebeneinander und strecken dann noch den Mittelfinger in die Höhe, wenn du hupst aus vorsicht + an den Pässen sind sie ätzend, denn sie sind immer in der Mitte der Fahrbahn, ob rauf oder runter.. Sie rasen...

  • S. 18j am 30.06.2011 23:22 Report Diesen Beitrag melden

    Politik unfähig für eine Rennstrecke

    Ich bin 18 Jahre jung und fahre seit diesem Jahr Motorrad (25kw). Ich verstehe die Schweiz einfach nicht wiso das man irgendwo im grünen, wo der lärm niemand stört eine Rennstrecke bauen kann. Aus umweltfreundlichen Dingen? Naja... traurig das wir versuchen uns für die Umwelt in den Bereichen einzusetzten bei denen die verschmutzung im vergleich zu anderem gleich null beträgt. Gebt endlich die genehmigung für eine Rennstrecke oder wo will mann sonst die Leistung seines Bikes Testen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • TimeSeeker am 01.07.2011 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    PS ist nicht zwingend schnelles Tempo

    Hab die dickste Busse mit einem Renault9 Diesel mit 40PS eingefangen. Frei nach der Devise "wer bremst kommt nicht mehr auf Tempo". Das ist nun über 25 Jahre her. Mit meinem Motorrad (aktuell 155PS) weiss ich, dass ich nach einer Kurve schnell wieder auf Tempo bin und muss es auch niemandem "beweisen", dass ich über 200km/h schaffe. Fahre Motorrad seit '81 und die wenigen (weniger als 5) Bussen waren alle max. CHF 40.-- inkl. falsch parken ;-). Wer rasen will oder meint es tun zu müssen, wird dies wohl tun - ungeachtet der PS und Anzahl Räder des Gefährts, das zur Verfügung steht. Leider!

  • Freak am 01.07.2011 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Rennstrecke

    Wo spielen die Kinder wenn sie kein Fussballplatz haben? richtig, auf der Strasse! Gibt uns eine Rennstrecke sonst wird es immer so bleiben. Ein Hobby kann man nicht mit Gesetzen verbieten! Aber Politiker denken nicht an Lösungen sondern an Wähleranteile!

  • Bikerjoe am 01.07.2011 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Biker

    + ich ägere mich an den Velofahrern, welche die teuren, unbenutzten Velowege partout nicht benützen. Zu dritt nebeneinander und strecken dann noch den Mittelfinger in die Höhe, wenn du hupst aus vorsicht + an den Pässen sind sie ätzend, denn sie sind immer in der Mitte der Fahrbahn, ob rauf oder runter.. Sie rasen...

  • Dani Duc am 01.07.2011 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Hysterie einzelner

    So einen totalen Chabis habe ich lange nicht gelesen; ich lebe seit Jahrzehnten in der Region und fahre den Albis seit über 20 Jahren mit dem Bike - nichts von all dem entspricht dem, was ich sehe und erlebe. Dass ein Bike andere Beschleunigungswerte hat als ein Auto, sollte sich rumgesprochen haben. Und wo es Kurven gibt, kann man stürzen - ja, das ist nun mal so.

  • b.weber am 01.07.2011 06:51 Report Diesen Beitrag melden

    und es bleibt dabei.

    es darf und kann nicht sein das ein 20jähriger ein 200ps bike (oder auto) lenken darf. es muss eine KW stufen in 2jahres schritten regelung her ! und nein,man muss nicht alle 2 jahre ein neues fahrzeug kaufen,es gibt drosselsätze ! und ja, es ist erwiesen das die meisten unter 30 jährigen einfach noch nicht reif genug sind ein ps monster zu fahren. meine ja nicht mal das fahrzeug, sondern sie haben sich selbst nicht im griff und wollen sich immer und übrall beweisen......

    • Kaia Schiller am 01.07.2011 09:45 Report Diesen Beitrag melden

      2 Jahre "125er" wäre wieder angebracht

      Sie haben absolut Recht. Wenn ich mit 18 ein fettes Bike gehabt hätte... ich wäre kaum so defensiv gefahren wie heute. Mit meinem alten Auto ging "fräsen" zum Glück nicht, ich habe 6 Jahre Erfahrung auf meiner lahmen Diesel-Schwarte gesammelt, bevor ich mit 25 einen 125er kaufte. Und nach zwei Jahren die grosse Prüfung machte. Das hat sich bewährt - in diesem Alter ist blöffen nicht mehr so wichtig. Habe inzwischen 17 unfallfreie Motorradjahre hinter mir.

    • Töff.Fahrer am 01.07.2011 11:41 Report Diesen Beitrag melden

      200PS ??

      Wie kommen Sie darauf, dass der Junge mit einem 200PS Bike verunfallte? Das war eine Yamaha R6. Die ist sehr beliebt bei jenen, welche mit der Kategorie A1 (Kategorie für Motorräder bis 25KW) unterwegs sind. Denn diese Maschine kann man beim Händler bereits auf 25KW gedrosselt kaufen! Es ist also gut möglich, dass der Junge mit ca. 34 PS unterwegs war! Offen hätte sie gegen 120PS, was aber auch keine 200 PS sind!

    • to go am 01.07.2011 12:33 Report Diesen Beitrag melden

      Aufklärung

      Der Junge war 20. Heisst, entweder er IST tatsächlich 2 Jahre lang eine 125 gefahren, ODER (was ich für wahrscheinlicher halte) das Motorrad war auf unter 25kW gedrosselt und hatte somit MAXIMAL 34 PS!

    • tinu am 01.07.2011 12:39 Report Diesen Beitrag melden

      200ps ja, aber nicht ohne fahrtraining

      aber grundsätzlich hat her weber schon recht. ob auto oder töff, in jungen jahren neigen viele dazu, die eigenen fähigkeiten zu überschätzen. ich finde, wenn man ein überdimensioniertes fahrzeug (es gilt noch zu definieren, ab wann es überdimensioniert ist) fahren will, sollte man einmalig ein fahrtraining mit einem solchen fahrzeug machen müssen, inkl. prüfung in der man aufzeigt, dass man die kraft auch im griff hat. wer den test nicht besteht, darf keine solchen fahrzeuge lenken.

    • Hirschi Thomas am 01.07.2011 12:51 Report Diesen Beitrag melden

      Leistungseinschränkung

      Sehr geeherter b.weber befor sie sich über einen Umstand beschweren informieren sie sich bitte. Wer mit einem leistungsstarken Motorrad( mehr als 25kw) unterwegs ist muss bereits 2 Jahre Fahrpraxis haben oder min. 25 Jahre alt sein. Ausserdem kann man auch mit leistungsschwachen Fahrzeugen zu schnell unterwegs sein.

    • Freak am 01.07.2011 13:23 Report Diesen Beitrag melden

      PS-Monster?

      ich bin 25 und fahre seit bald 3 Jahren ein Auto mit > 200ps. auch ein zweites schnelleres hab ich mit einem Kolegen. Ich fahre 30t km im jahr und bekomme 1-2 20.- Bussen, wenn ich mal nicht aufpasse. Aber die 40+ Jährigen die mein Wagen sehen müssen mich immer überholen und nah auffahren wenn ich mich an die Geschwindigkeit halte. Sie fahren Familien wagen mit Kinder auf den Rücksitzen! Sie wären nicht annähernt so schnell wie ich, sofern ich Gas geben würde. Ich bin für das verbieten von Familien kutschen!

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