«Kristallnacht»-Tweet

27. Juni 2012 11:50; Akt: 19.02.2014 17:29 Print

«Diese Lawine hat mich überrascht»

Er stolperte über eine Twitter-Nachricht und verlor Job und Ämter. Der ehemalige SVP-Mann Alexander Müller sieht sich als Opfer eines «Shitstorms», bedauert alles und entschuldigt sich.

Die persönliche Erklärung von Alexander Müller und die Einschätzung eines Kommunikations-Experten dazu. (Quelle: Keystone)
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«Ich habe auf Twitter fragwürdige Aussagen gemacht», erklärte Alexander Müller am Mittwochmittag im Blitzlichtgewitter der Medien. Er bedaure diese sehr.

«Ich entschuldige mich in aller Form bei allen, deren Gefühle ich dabei verletzt habe. Das war nie meine Absicht», so Müller weiter. Selbstverständlich ziehe er die Konsequenzen seiner Handlungen. Er trete per sofort aus der SVP aus und lege all seine Mandate nieder.

Für die Partei sei damit die Angelegenheit abgeschlossen, sagte Kreispräsident Urs Fehr. Sicher werde man künftig vermehrt ein Augenmerk auf die Twitteraktivitäten der Mitglieder haben.

«Lawine» nicht kommen sehen

Fragen wollte Müller nach seiner persönlichen Erklärung nicht beantworten. Er verwies dabei auf das laufende Verfahren gegen ihn. Bloss zum Ende der Medienkonferenz ergriff Müller doch noch einmal das Wort, als er darauf angesprochen wurde, dass er offenbar Suizidgedanken habe. Er habe auf Twitter die Frage gestellt, was man eigentlich von ihm wolle. Ob man wolle, dass er sich umbringe, so Müller.

Er sei das Opfer eines «Shitstorms» geworden, eine Lawine habe ihn überrollt, «die mich überrascht hat». Es sei nicht so, dass er so labil sei, dass er sich nun umbringen wolle. Doch klar sei, dass er nun schauen müsse, wie er mit der neuen Situation umgehen könne.

Ein Tweet und seine Folgen

Die Geschichte begann am Wochenende. Am Samstagabend fragte Alexander Müller via Twitter die Welt, ob es nicht an der Zeit wäre, in der Schweiz eine «Kristallnacht» gegen Muslime durchzuführen. Im November 1938 hatten die Nazis zahlreiche jüdische Geschäfte und Synagogen zerstören lassen; der Volksmund prägte dafür den Begriff «Kristallnacht», weil dabei zahlreiche Fensterscheiben in die Brüche gingen.

Der «Tages-Anzeiger» brachte den Fall ins Rollen, als er die Story am Montag publizierte. Zunächst bestritt Müller sein Gezwitscher. Am Dienstag wiesen Computerfachleute jedoch nach, dass der Tweet «Vielleicht brauchen wir wieder eine Kristallnacht...diesmal für Moscheen.» aus seiner Feder stammt.

Die Staatsanwaltschaft eröffnete parallel dazu eine Strafuntersuchung und führte am Dienstag bei Müller eine Hausdurchsuchung durch. Müller trat daraufhin aus der SVP der Stadt Zürich aus, er war Vorstandsmitglied im Kreis 7 und 8. Sein Amt in der Kreisschulpflege Zürichberg legte er ebenfalls nieder. Auch seinen Arbeitsplatz als Kreditanalyst in einem weltweit tätigen Unternehmen der Finanzbranche verlor der 37-Jährige – er wurde entlassen.

Update Januar 2013
Im «Tages-Anzeiger» vom 31. Januar 2013 erhielt Alexander Müller Gelegenheit, seine Sicht der Dinge darzulegen.

(rme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zuhöhrn am 28.06.2012 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschenrechte

    Schon krass! Da sagt ein Religionsführer (Vorbildfunktion) das in der Religion die er vertritt eine Vergewaltigung rechtens ist wenn sie innerhalb der Ehe statt finders und all sagen das ist okay weil es ja die Religionsfreiheit ist. Nur einer Äussert sich kritisch (sehr ungeschickt) und jeder hackt auf ihm rum. KeinWord das sich auch eine Religion an die Menschenrechte halten muss. Auch nicht von anderen Religionsführern das besagte Aussage falsch sei. Warum? Warum kommt keine Richtigstellung von Seiten der Religionsführer? Stillschweigende Zustimmung? Weil es Im Koran steht?

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  • Michael Gfeller am 27.06.2012 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    Rassendiskriminierungsartikel

    @ alle die hier auf die Meinungsfreiheit pochen: Es gibt im Schweizerischen Strafgesetzbuch Artikel Nr. 261bis. Rassendiskriminierung ist von der Meinungsfreiheit klar ausgenommen! ->

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  • bedenk.lich am 27.06.2012 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Haha so einen Müll twittern, sich dort noch versuchen zu rechtfertigen und sich sobald man probleme bekommt entschuldigen.. soll man jetzt mitleid haben? ernst nehmen kann man diese entschuldigung ja nicht.. er wünschte anscheinend eine härter durchgreifende politik (dies belegt sein kommentar: "..sollte man an die wand stellen und abaschiessen") und bekam diese auch..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dieter Puchta am 28.06.2012 23:49 Report Diesen Beitrag melden

    Rassendiskriminierungs-Paragraph

    welcher paragraph ist noch mal der gegen rassendiskriminierung?

  • Rolf Haller am 28.06.2012 15:25 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Macht jemand solche Aussagen ist wie immer das Entsetzen gross, natürlich war seine Wortwahl falsch. Aber verleugnet hingegen ein Linker oder Grüner konsequent die Asylprobleme, oder bringt noch ein Parteiprogramm (Überwindung des Kapitalismus) mit sozialistischen Tendenzen erhalten sie noch Rückendeckung von den Medien und werden von jeglicher Kritik verschont.

    • Ulrich Walther am 28.06.2012 20:25 Report Diesen Beitrag melden

      @Haller, nicht im ernst?!

      Herr Haller, was hat das eine mit dem anderen zu tun? Wollen Sie ernsthaft seine Äusserungen mit "Linken" und "Grünen" legitimieren? Wer genau verleugnet was? Er bereut öffentlich, dass keine linken Baslerinnen vergewaltigt wurden, von Ausländern an die Wand stellen und erschiessen und eine erwünschte Kristallnacht, da die erste ok war. Herr Müller betreibt keine ernsthafte Politik, das nennt man Volksverhetzung und Menschenverachtung auf tiefstem Niveau. Dass dies bestraft ist sollten sie aus gesundem Menschenverstand verstehen. Man kann auch mit Respekt und Anstand politisieren!

    • Daniel Saner am 29.06.2012 00:26 Report Diesen Beitrag melden

      Äpfel und Birnen

      Probleme leugnen oder radikale Ansichten zu vertreten ist immer noch etwas Anderes als ein indirekter Aufruf zu Vandalismus und Mord. Mit dem Einen kann man sich einverstanden zeigen oder nicht; das Andere ist nicht nur geschmacklos, sondern auch strafrechtlich verfolgbar.

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  • Nina am 28.06.2012 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    Person versus Partei

    Ja, Ist definitv falsch so etwas grausames wie die Kristallnacht in solch einem öffenltich/politschen Zusammenhang zu verwenden. Genau so falsch wie Couchepin's Äusserung als er Dr. Mörgeli "versehentlich" als Dr.Mengele (NZ-Arzt und Massemörder) bezeichnete. Nun, immerhin hat die SVP Herrn Müller aus der Partei ausgewiesen- Was man von der FDP und Couchepin nicht sagen kann. Also nicht gleich laut schreien "SVP" und Vollangriff auf die Partei machen (bin übrigens KEIN SVPler, sondern finde es gibt in allen Parteien "gute" und "schlechte" Leute und Meinungen)

  • Sigfried am 28.06.2012 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Und linksgrün redet die Probleme schön

    Ich verurteile solche Äusserungen wie in seinem Tweet. Aber auch die konsequente linksgrüne Verharmlosung und Schönrednerei der Migrationsprobleme ist bedenklich. Sobald man in diesem Land das Asylwesen kritisiert oder hinterfragt, wird man von den Grünen und der Flüchtlingshilfe in die rechte Ecke gestellt.

    • Papierlischweizer am 28.06.2012 19:10 Report Diesen Beitrag melden

      Zwei verschiedene Ellen?

      Es ist immer wieder erstaunlich, dass die Probleme mit einer marginalen Minderheit von Asylsuchenden zu einem generellen Problem heraufbeschworen werden, während man verbale Verbrechen von Parteimitgliedern als vernachlässigbaren Ausrutscher eines Einzelnen zu bagatellisieren versucht.

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  • Roland am 28.06.2012 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Ich finde zwar nicht korrekt was er sagte aber wir haben hier immernoch freie meinungsåusserung also kann er sagen was er möchte!

    • Fassungslos75 am 28.06.2012 13:45 Report Diesen Beitrag melden

      JEIN

      Es herrscht zwar freie Meinungsäusserung aber wir haben auch einen Rassendiskriminierungsartikel in der Schweiz!!

    • Ivo Steinmann am 28.06.2012 14:38 Report Diesen Beitrag melden

      Blödinn

      Die freie Meinungsäusserung hört da auf, wo der Aufruf zur Gewalt anfängt oder wo andere Menschen beleidigt oder diskriminiert werden.

    • Karl Steiner am 28.06.2012 15:26 Report Diesen Beitrag melden

      Freie Meinungsäusserung

      Haben Sie mal überlegt, was diese Aussage eigentlich bedeutet? Ich denke nicht, sonst würden Sie das nicht als freie Meinungeäusserungen betiteln. Würden Sie es auch tolerieren, wenn Pädophile zur Kinderschändung aufrufen würden?

    • Werner Hein am 28.06.2012 16:07 Report Diesen Beitrag melden

      @Roland

      Meinungsfreiheit hört dort auf, wo die Rechte anderer eingeschränkt werden. Das steht in der Grundverfassung. Wenn er meint "Wir brauchen wieder eine Kristallnacht..", dann fand er die damalige ok. Damit beleidigt er Juden und Muslime zutiefts und menschenverachtend. Lies den Wiki-Artikel über die Kristallnacht.

    • Frau am 28.06.2012 16:51 Report Diesen Beitrag melden

      An Karl Steiner

      Und was hat der Moslem getan? Er hat zur Vergewaltigung von Frauen aufgerufen. Und zwar sehr viel dierekter und konkreter als Mueller der seinen (sehr dummen) Spruch nur retorisch gemeint hat. Der Moslem, immerhin in einer Vorbildfunktion als Sekretaet der Religionsgemeinschaft sollte ebenfalls zuruecktreten wenn der Islam wirklich friedlich ist. Aber da gelten dann halt wider zwei verschiedene Ellen.

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