Grosseinsatz in Zürich

10. Oktober 2019 17:28; Akt: 10.10.2019 17:30 Print

«Er droht, sein Kind aus dem Fenster zu werfen»

Ein verwirrter Mann sorgte am Donnerstag in Zürich-Affoltern für ein Grossaufgebot der Polizei. Er bedrohte schon Mitte September Kinder auf einem Pausenplatz.

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In Zürich-Affoltern ist die Polizei am Donnerstagnachmittag mit einem Grossaufgebot ausgerückt. Laut einer Augenzeugin soll ein Anwohner dort drohen, seinem Kind etwas anzutun: «Das Kind ist laut am Schreien. Der Mann hielt das Kind auch schon aus dem Fenster und drohte damit, es zu werfen.» Bilder, die 20 Minuten vorliegen, bestätigen dies.

Die Stadtpolizei Zürich bestätigt den Polizeieinsatz in Zürich-Affoltern wegen eines «verwirrten Mannes». Laut Mitteilung streckte er sein weinendes und schreiendes Kind aus dem Fenster und drohte damit, es fallen zu lassen, wenn seine Forderungen nicht erfüllt würden. Nach ersten erfolglosen Gesprächen boten sich auch Personen aus dem privaten Umfeld des 45-jährigen Muslims und seiner Ehefrau an, um zu vermitteln. Er lehnte dies ab und wollte stattdessen mit einem Imam sprechen. Dieser Forderung wurde stattgegeben.

Kurz nach 16 Uhr führten diese Verhandlungen dazu, dass der Mann bereit war, die Wohnung mit seiner Frau und seinem Kind zu verlassen. Das Ehepaar wurde festgenommen und anschliessend medizinischem Fachpersonal übergeben. Das Kind wurde in die Obhut einer befreundeten Familie übergeben.


Das sagt Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich, zum Polizeieinsatz in Zürich-Affoltern. (Video: 20Minuten)

Er bedrohte Mitte September Schulkinder

Laut Recherchen von 20 Minuten handelt es sich beim verwirrten Mann um den Schweizer F. A.*. Er sorgte bereits Mitte September für Aufregung in Zürich-Affoltern, als er auf dem Pausenplatz der Tagesschule Schauenberg sein T-Shirt auszog und «Allahu akbar» sowie «Allah wird sein Licht vollenden» vor den Schülern herumschrie (20 Minuten berichtete). Beim 45-Jährigen handelt es sich laut einem Familienmitglied und anderen Quellen um einen radikalen Muslim.

Gemäss Eltern, die sich auf die Aussagen ihrer Kinder berufen, hatte der Mann bei der anschliessenden Festnahme durch die Polizei auf dem Schulhausplatz damit gedroht, dass er zurückkehren und alle töten werde.

Der Mann kam nach dem Vorfall auf dem Pausenplatz in eine psychiatrische Einrichtung. Nach vier Tagen wurde er wieder entlassen. «Das passiert nur, wenn die behandelnden Ärzte feststellen, dass es dem Betroffen gut geht», sagt ein Sprecher. Warum der Mann wieder auffällig geworden ist, könne verschiedenste Gründe haben. Beispielsweise, dass der Mann seine Medikament nicht mehr zu sich nehme oder weil es im Umfeld des Mannes zu einem Auslöser gekommen sei.

«Es war absehbar, dass wieder etwas passiert»

Ein Anwohner, dessen Kind in die Schule geht, wo der Mann herumgeschrien hatte, sagt zum neuen Vorfall vom Donnerstag: «Ich bin sprachlos, dass nichts gegen den Mann unternommen wurde und dass er vier Tage nach dem Vorfall wieder frei herumlaufen konnte.» Es sei absehbar gewesen, dass wieder etwas passiert.

Marc Caprez, Leiter Kommunikation beim Schul- und Sportdepartement der Stadt Zürich, will sich nicht zum aktuellen Vorfall äussern. Er gibt auch keine Auskunft darüber, ob nach dem Vorfall im September Massnahmen ergriffen oder eine Anzeige erstattet wurden. Auch ob das Kind, das in einen städtischen Kindergarten geht, von seinem «verwirrten» Vater geschützt oder der Mann bei der KESB gemeldet wurde, sagt Caprez nicht – aus Datenschutzgründen.

Wie die Stadtpolizei Zürich auf Anfrage sagt, ist nach dem Vorfall im September keine Anzeige eingegangen, weshalb die Polizei nicht ermittelte. Grundsätzlich führen Behörden keine Ermittlungen gegen Personen, solange keine Meldung über eine Gefährdung, eine Straftat oder eine mögliche Straftat vorliegt.

*Name der Redaktion bekannt.

(wed/mon/jen)