Jungtier in Schlieren angefahren

19. Juni 2014 16:40; Akt: 19.06.2014 19:08 Print

«Es ist bestimmt nicht der letzte Wolf in Zürich»

Erster Wolf im Kanton Zürich: Am Mittwoch ist in Schlieren ein Wolf von einem Zug erfasst und getötet worden. Spaziergänger hatten ihn bereits am Dienstag gesehen.

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Der Wolf wurde bei der Kollision mit dem Zug getötet. (Bild: Baudirektion Kanton Zürich)

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In der Limmattaler Stadt Schlieren ZH ist am Mittwochabend ein Wolf von einem Zug überfahren worden. Wie der Regierungsrat am Donnerstag mitteilte, wurde das Tier dabei getötet. Noch ist unklar, woher der Wolf kam.

Er wurde gemäss Urs J. Philipp, Leiter der Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich, am Dienstag von einer Fussgängerin in der Nähe von Birmensdorf gesichtet. Schon nach dieser Beschreibung habe man einen Wolf vermutet, sagte er an einer eilig einberufenen Medienkonferenz.

Kräftiger einjähriger Rüde

Nach dem Fund des toten Tieres hat sich diese Vermutung bestätigt: Zum ersten Mal befand sich im Kanton Zürich nachweislich ein Wolf. Es sei ein gesunder und kräftiger etwa einjähriger Rüde gewesen. Genetische Analysen sollen nun Auskunft über die Herkunft des Tieres geben. Dies werde ein paar Wochen dauern, so Philipp.

Ob der junge Wolf allein unterwegs war, ist nicht klar. Es sei nicht auszuschliessen, dass er mit einem anderen Jungtier unterwegs gewesen sei. Diese wandern in einem gewissen Alter aus ihrem Rudel ab. Dabei können sie laut Philipp durchaus bis zu 60 Kilometer in einer Nacht zurücklegen.

Es wird sich nicht gleich ein Wolfsrudel auf dem Uetliberg bilden

Ganz unerwartet sei das Auftauchen eines Wolfes im Kanton Zürich nicht. Die Fischerei- und Jagdverwaltung habe dies bereits erwartet und entsprechende Vorkehrungen getroffen. Man hatte aber eher im Zürcher Oberland mit ihm gerechnet. «Dass er so schnell so nahe bei Zürich auftaucht, war schon überraschend», sagt Philipp. Gemäss Bundesamt für Umwelt (BAFU) ist es das erste Mal, dass sich ein Wolf in der Schweiz so weit in städtisches Gebiet vorwagte.

Angestrebt werde eine möglichst konfliktfreie Koexistenz von Mensch und Wolf. «Es ist bestimmt nicht der letzte Wolf im Kanton Zürich», so Philipp. Aber: Es werde sich nicht gleich ein Wolfsrudel auf dem Uetliberg bilden.

Nächster Wolf kann jederzeit kommen – und bleiben

Auch für die Gruppe Wolf Schweiz ist die Meldung nicht unbedingt überraschend. «Seit einem halben Jahr sind wir uns bewusst, dass immer wieder Wölfe das Mittelland durchqueren», sagt Präsident David Gerke. Es handle sich dabei meist um Jungtiere der Calanda-Wölfe, die von ihrem Rudel sternförmig in alle Richtungen abwandern. «Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist der Wolf aus Schlieren ebenfalls vom Calanda-Rudel.»

Dass er nun von einem Zug erfasst wurde, bedauert Gerke. Es sei allerdings jederzeit möglich, dass ein neuer Wolf im Kanton Zürich auftaucht. «Es ist nicht auszuschliessen, dass er dann auch bleibt.» Im Mittelland gebe es aufgrund des hohen Rehbestandes ein grosses Nahrungsangebot für Wölfe.

(woz)