Amok-Alarm in Schaffhausen

22. September 2011 14:49; Akt: 22.09.2011 14:55 Print

«Es ist mir peinlich!»

von H.-L. Hardmeier - Der Arbeitslose, der Anfang Woche in Schaffhausen für Panik sorgte, ist ein Waffennarr. Der Vorfall sei eine Verkettung unglücklicher Zufälle, erklärt er gegenüber 20 Minuten Online.

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Amok-Alarm in unserer Schule», schrieb eine Schaffhauser Schülerin am Montag auf Facebook. Die Stadt war in Panik. Drohte am Munot ein Blutbad wie 1999 im amerikanischen Columbine oder 2009 im deutschen Winnenden? Passanten hatten die Polizei alarmiert, weil ein bewaffneter Mann in der Nähe der Kantonsschule mit einer Pistole hantiert hatte.

Die Behörden reagierten sofort: Schüler und Lehrer wurden angewiesen, in den Schulzimmern zu bleiben. Bewaffnete Polizisten in Schutzwesten gingen in Stellung. Wenig später wurde ein 23-jähriger Schweizer festgenommen, der eine Schreckschusspistole, einen Teleskop-Schlagstock und einen Pfefferspray auf sich trug.

«Ich bin ein Waffennarr»

20 Minuten Online hat mit dem mutmasslichen Amokläufer, der nur 24 Stunden später wieder auf freiem Fuss war, gesprochen. Nach seiner Darstellung handelt es sich bei dem Vorfall um eine Verkettung unglücklicher Zufälle.

«Ich bin ein Waffennarr», sagt E.S. Über dubiose Kanäle hat der arbeitslose Barkeeper in Deutschland eine Pistole erworben. Im Wäldchen an der Hochstrasse füllte er das Magazin mit Platzpatronen und probierte die Waffe aus. Danach ging er zu seinem Vater, der in der Nähe der Kantonsschule wohnt.

«Ich möchte mich bei allen entschuldigen»

«Im Bus ist mir das Magazin rausgerutscht. Als ich es an der Bushaltestelle wieder einsetzte, muss ich beobachtet worden sein», erzählt E.S. Als er vom Haus seines Vaters in Richtung Bahnhof lief, wurde er von der Polizei überwältigt. Doch warum trug er die Waffen auf sich? «Ich wollte mich im Wald abreagieren. Den Pfefferspray trage ich zum Selbstschutz», so E.S. Und der Schlagstock? «Dazu sage ich nichts!»

E.S. versetzte Schaffhausen in Panik. Die Quittung dafür bekam er im Gefängnis: «Die U-Haft war heftig. Das riss an meiner Psyche. Niemand wusste, wo ich war.» Nach der Freilassung gibt er sich geläutert: Er habe Verständnis für die Aufregung und finde es richtig, dass man ihn in Haft genommen hat. Schliesslich sehe seine Waffe täuschend echt aus. «Ich habe einen Scheiss gemacht und bin sicher nicht stolz auf meine Tat. Im Gegenteil. Es ist mir peinlich. Ich möchte mich bei allen Schülern, Lehrern, Polizisten und der Bevölkerung entschuldigen», sagt er.

Läuft noch ein anderes Strafverfahren?

Patrick Caprez von der Schaffhauser Polizei ist froh, dass die Geschichte glimpflich ausging: Der Mann habe zu keiner Zeit eine Bedrohung für die Bevölkerung dargestellt. Dass der Bewaffnete harmlos sei, habe man aber vorher nicht wissen können. «Wir haben richtig reagiert.» Allerdings betont der Polizeisprecher, dass die Behörden nie das Wort Amok verwendet hätten. «Wir sprachen immer von einem bewaffneten Mann. Die Amok-Theorie wurde von den Medien aufgebauscht.»

Wie es mit E.S. nun weitergeht, ist noch unklar. Er wird sicher wegen illegalen Waffenbesitzes und unerlaubten Tragens von Waffen angezeigt. Zudem hat er eine verbotene Waffe in die Schweiz eingeführt. Angeblich läuft auch noch ein anderes Strafverfahren gegen ihn. Über dessen Gegenstand war aber nichts in Erfahrung zu bringen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Raphael mugli am 22.09.2011 16:00 Report Diesen Beitrag melden

    Sicher Kein Waffennarr

    ansonsten würde mann das geltende waffengesetz kennen und nicht 2 Verbotene waffen auf dich tragen!!

    einklappen einklappen
  • M. Meier am 23.09.2011 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ich finde es schön...

    Das jemand die Polizei verständigt hat. Endlich wird wieder ein wenig Zivilcourage gezeigt. Das hat unser Land in diesen schwierigen Zeiten bitter nötig! Die Polizei hat auch richtig gehandelt...

  • meyer am 22.09.2011 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr schoen

    Ich finde es fein von ihm, dass er sich oeffentlich entschuldigt, das zeugt von Reife... aus seinem Jugendhobby wird er sowiso bald herauswachsen...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • M. Meier am 23.09.2011 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ich finde es schön...

    Das jemand die Polizei verständigt hat. Endlich wird wieder ein wenig Zivilcourage gezeigt. Das hat unser Land in diesen schwierigen Zeiten bitter nötig! Die Polizei hat auch richtig gehandelt...

  • schaffhauser junge am 22.09.2011 22:41 Report Diesen Beitrag melden

    richtig gehandelt

    Habe in der Berufschule Schaffhausen Schule... Die Polizei hatt richtig gehandelt, auch wenn ich denen Kritisch beistehe.. Ein Drama machen wegen Pfefferspray & Schlagstock, na klar nicht schön, aber die "schlimmen Hooligans " bekommen das Wöchentlich an den Fussball spielen & das interessiert niemanden...

  • Mafalda am 22.09.2011 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    Habt Ihr gewusst...

    ...dass man in Amerika Waffen im Superstore kaufen kann? Es gibt dort eigens eine Abteilung dafür. Dann hätte er auch eine "richtige" Waffe kaufen können ;o)

    • Pierre Schnabias am 22.09.2011 19:40 Report Diesen Beitrag melden

      z. B. Walmart...

      Die Waffe wird einem aber nur in dem Bundesstaat verkauft, wo man angemeldet ist (meist ist der Führerschein ausschlaggebend). Macht das ganze allerdings auch nicht besser ;-) Und es ist auch nicht in jedem Bundesstaat möglich.

    • Shawn am 23.09.2011 07:49 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht gewusst

      Bald können wir auch Pistolen aus dem Selectaautomaten ziehen.

    • Peter S. am 23.09.2011 07:53 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt

      Bin gerade in den USA. Und ja, man kann Waffen in allen Walmarts kaufen, wenn man in Besitz eines Autoführerscheins ist. Eine Schrotflinte kostet 120$!

    • Mike Cadell am 23.09.2011 09:10 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt nicht überall..

      Und noch wichtiger: Man darf die Waffe nur kaufen, wenn man den FBI background check besteht ( der Verkäufer muss die Daten ans FBI übermitteln und dieses erteilt Freigabe ( oder eben auch nicht ), ausserdem muss er ein Formular ausfüllen ( Form 4473 ). Einfach wie eine Flasche Mineralwasser kann man keine Waffen kaufen, in keinem Bundesstaat wäre das legal. Vor 1999 konnte man in der Schweiz gegen Vorlage der ID fast jedes Gewehr kaufen ;)

    • H.J. E. am 23.09.2011 09:44 Report Diesen Beitrag melden

      Arbeitslos und kann Waffen kaufen?

      Es ist irrelevant wie man in den USA Waffen kaufen kann. E.S. hat die Waffe illegal in die Schweiz gebracht, ein strafbarer Gesetzesverstoss. Als Arbeitsloser verwundert es mich das E.S. genügend Geld hat ein solches Hobby zu finanzieren.

    • NRA 4 Ever am 23.09.2011 09:51 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Ahnung habt ihr...

      Mal schön langsam mit den Pferden bitte. Zuerst mal wird das Waffengesetz durch die Bundesstaaten geregelt, also kann man keine Pauschalaussagen treffen. Jeder Bundesstaat hat da ganz eigene Bestimmungen. Der Erwerb ist meist relativ unproblematisch nach einem background check. Für das verdeckte Tragen vergeben die meisten Staaten concealed carry licenses (CCL). Je nach Staat benötigt man eine lizenz entweder für open carry oder concealed carry, für beides, oder man braucht gar keine Lizenz. Open carry ohne Lizenz ist z.B. in Arizona und Alaska möglich... was die Sicherheit eher erhöht.

    • Guschti am 23.09.2011 17:25 Report Diesen Beitrag melden

      @H.J. E.?

      Arbeitlos gleich mittellos? Was für eine beispiellose Wahrnehmung!

    • S.H am 24. 9.2011 am 24.09.2011 10:52 Report Diesen Beitrag melden

      Lausbubenstreich?

      Ich frag mich echt, ob er nur ein "wenig " aufsehen machen wollte. Was macht man auf der Strasse mit diesen Utensilien? Bekanntlich ist die Fasnacht schon vorbei. Es ist ihm gelungen...

    einklappen einklappen
  • paedu am 22.09.2011 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht so gescheit

    Setzt an einer Bushaltestelle ein Magazin wieder in seine illegal erworbene Waffe ein,am hellichten Tag.Da hätte er auch gleich bei der Polizei klingeln können..

    • Marc Huber am 22.09.2011 23:02 Report Diesen Beitrag melden

      Gut dass

      jemand aus der Bevölkerung, was uns ja alle betreffen könnte, reagierte und die Polizei verständigte.

    einklappen einklappen
  • Seppi am 22.09.2011 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Schlagstock

    Kein problem, habe auch immer ein Schlagstock dabei.

    • Colin07 am 22.09.2011 21:42 Report Diesen Beitrag melden

      Auch der Schlagstock ist eine Waffe

      Sehr wohl ein Problem. Der Schlagstock gilt nach dem Waffengesetz als verbotene Waffe. Wir leben auch nicht in einem Krisen- oder Kriegsgebiet, dass man für den Selbstschutz so ein Ding braucht.

    einklappen einklappen