3,5 Jahre in Nacktfoto-Drama

01. November 2018 18:19; Akt: 01.11.2018 19:46 Print

«Sie haben aus den Vorstrafen nichts gelernt»

Ein Mann aus Uster veröffentlichte Nacktbilder einer 14-Jährigen. Daraufhin brachte sich das Mädchen um. Eine Freiheitsstrafe von 42 Monaten wird aufgeschoben.

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Ein 30-jähriger Schweizer musste sich am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Uster verantworten. Der Beschuldigte lernte im Jahr 2016 im Netz eine 14-jährige Finnin kennen. Er brachte sie dazu, Nacktfotos von sich zu schicken und veröffentlichte die Bilder auf einem einschlägigen Pornoportal.

Obwohl das Mädchen drohte, sich etwas anzutun, löschte er die Fotos zunächst nicht. Im Frühsommer 2017 nahm sich die 14-Jährige das Leben. Das Gericht verurteilte den Schweizer nun wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern sowie mehrfacher Pornografie zu einer Freiheitsstrafe von 42 Monate. Diese wird aber aufgeschoben zugunsten einer ambulanten Behandlung. Das Gericht ging damit über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus.

«Das ist unterste Schublade»

Der Täter sei vorbestraft und habe daraus nichts gelernt, begründete der Richter das Urteil. «Sie haben dem Mädchen den letzten Lebenswillen geraubt.»

Im ersten Teil der Verhandlung hatte der Beschuldigte das Wort. Der heute 30-jährige Schweizer aus dem Kanton Zürich trug ein schwarzes Jackett. Die Fragen des Richters beantwortete er mit fester Stimme und ohne grosse Emotionen. Zwar gab er zu, der Minderjährigen 27 Nacktfotos geschickt zu haben. Er bestritt aber, sich des jungen Alters des Mädchens bewusst gewesen zu sein. «Sie hat mir gesagt, dass sie 16 Jahre alt sei.»

Deren Nacktfotos habe er auf ein Pornoportal gestellt, weil er Druck auf die Schülerin habe ausüben wollen, um mehr Bilder zu kriegen. «Das ist unterste Schublade», entfuhr es dem Richter.

Der Beschuldigte sagte weiter, er habe die Nacktfoto des Mädchen gelöscht, nachdem das Mädchen ihm ein Foto geschickt hatte, auf dem sie sich ein Messer an den Hals hielt: «Ich wollte nicht, dass sie sich etwas antut.» Seine Therapie wolle er fortsetzen: «Es tut mir gut. Ich würde solche Sachen nicht mehr machen. Jetzt weiss ich, was für Auswirkungen das auf andere Personen haben kann.»

«Er wurde zum Tyrannen»

Der Staatsanwalt sagte, der Angeklagte habe das Vertrauen des Mädchen missbraucht, um seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. «Einen kausalen Zusammenhang zwischen der Tat und dem Suizid gibt es aber nicht.» Und weiter: «Die Einwirkung auf die Freiheit des Opfers war derart gross, dass das Opfer daran zerbrach und neue Fotos schickte.» Im Verlaufe der Zeit sei der Angeklagte zum Tyrannen geworden.

Die Staatsanwaltschaft fordert zwei Jahre Gefängnis. Die Strafe soll allerdings zugunsten einer ambulanten Therapie aufgeschoben werden. «Etwas anderes kommt aufgrund der Gutachten gar nicht in Frage.»

Verteidiger forderte bedingte Freiheitsstrafe

In seinem Plädoyer bestritt der Anwalt des Beschuldigten den Vorwurf der sexuellen Nötigung: «Er fragte sie: willst du sehen, wie ich masturbiere? Sie sagte ja.» Der Angeklagte habe dann nochmals nachgefragt: Wirklich?» Zudem sei es für seinen Mandanten schwierig gewesen, das Alter des Mädchens einzuschätzen.

Eine ambulante Massnahme lehnte er ab und forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten. Sein Mandant habe erkannt, dass er ein Problem habe. In Haft habe er «tagelang geweint.

Nach dem Urteil war der 30-Jährige unzufrieden. Sein Anwalt kündigte bereits an, in Berufung gehen zu wollen.

(20M)