Wildschwein angefahren

27. Januar 2020 21:02; Akt: 27.01.2020 21:02 Print

«Es tut uns unendlich leid, dass wir es nicht sahen»

Ein Ehepaar hat am Samstag im Aargau ein Wildschwein angefahren. Das Tier starb, das Paar blieb unverletzt. Es will nun andere Autofahrer vor der Unfallstelle warnen.

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Ein Ehepaar aus Schöfflisdorf im Kanton Zürich hatte am letzten Samstag Glück im Unglück. Die Zürcher waren gerade mit ihrem Hyundai im Aargau auf der Landstrasse zwischen Schneisingen und Siglistorf unterwegs, als plötzlich ein Wildschwein auf die Strasse rannte. «Ich sass am Steuer, mein Mann auf dem Beifahrersitz. Wegen des Nebels fuhr ich 60 statt der erlaubten 80 km/h», erzählt die 42-Jährige.

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Trotz des reduzierten Tempos sahen die beiden das Wildschwein nicht. «Plötzlich gab es einen lauten Knall. Als wir anhielten, sahen wir, was passiert war. Wir hatten das Wildschein seitlich erwischt.» Durch den Aufprall sei das Tier auf die Wiese zurückgeschleudert worden, so die 42-Jährige. Borsten des Wildscheins am linken Autoreifen sowie das kaputte Auto zeugen vom Unfall.

«Wir hatten Glück»

Für das Ehepaar ein Schock: «Wir hatten Glück, dass nichts Schlimmeres passiert ist, und wir nicht verletzt wurden. Hätten wir das Tier frontal erwischt, würde das Ganze anders aussehen. Aber es tut uns unendlich leid, dass wir das Wildschwein nicht sahen und es anfuhren.» Nach dem Unfall haben sie sofort die Polizei informiert. Diese habe dann den zuständigen Jagdaufseher aufgeboten.

Nach etwa zehn Minuten sei dieser vor Ort gewesen. Doch für das Wildschwein kam jede Hilfe zu spät: «Er schaute sofort nach dem Tier, aber es war tot.» Er habe ihnen gesagt, dass sich dort immer wieder Wildtierunfälle ereignen. Sie will deshalb andere Autofahrer warnen.

Stelle gilt als gefährlich

Wie Felix Stauber, Leiter des Forstbetriebs Studenland, auf Anfrage bestätigt, ist ihm der Unfall vom Samstag bekannt.
«Die Stelle zwischen Schüliberg und Bowald ist wegen dem häufigen Wildwechsel gefährlich.» Das Gelände am Unfallort sei aber sehr übersichtlich, so Stauber.

Zudem habe es auf der Strecke die üblichen Schilder mit der Aufschrift «Achtung Wild». Es seien auch akustische Warngeräte für das Wild installiert. «Dabei handelt es sich um blaue Reflektoren, die an den Strassenleitpfählen angebracht sind. Für uns sind diese sichtbar und für das Wild hörbar.»

2018 starb eine Person bei Unfall mit Wild

Laut dem Bundesamt für Strassen (Astra) wurden im Jahr 2018 rund 2066 Tierunfälle von den Polizeikorps gemeldet. «Bei 1973 davon handelt es sich um Unfälle mit Sachschaden, bei 93 kamen Menschen zu Schaden. Dabei verlor eine Person das Leben, 34 wurden schwer und 64 leicht verletzt», sagt Sprecher Thomas Rohrbach.

Wie Rohrbach erklärt, würden zwar die Signalschilder «Wildwechsel» oder «Achtung Wild» Stellen anzeigen, an denen mit Wild zu rechnen sei. Er betont aber, dass Wildtiere auch anderswo die Strassen queren können. «Wildtiere sind unberechenbar und können trotz aller Vorsicht überraschend vor einem auftauchen.»

«Versuchen Sie nicht, auszuweichen»

Es sei deshalb ratsam, damit zu rechnen, dass Wildtiere jederzeit die Strasse queren können – vor allem ausserorts im Bereich von Wäldern. Aber auch nahe von Feldern, auf denen Wildtiere Futter suchen, bestehe die Gefahr, so Rohrbach. «Gerade in der Dämmerung und nachts bedeutet das, aufmerksam sein und gegebenenfalls Fuss vom Gas – egal, ob es signalisiert ist oder nicht.»

Steht ein Tier plötzlich auf der Fahrbahn, rät Rohrbach: «In diesem Fall bremsen Sie ab, machen Sie wenn nötig eine Notbremse. Versuchen Sie aber nicht, auszuweichen.» Das könne ganz schnell zu einem sehr schweren Unfall führen. Komme es dennoch zur Kollision mit dem Tier, soll man umgehend die Polizei informieren.

(mon)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jäger am 27.01.2020 23:09 Report Diesen Beitrag melden

    Alles richtig gemacht!

    Der Lenker hat alles richtig gemacht. Beim Warnschild das Tempo gedrosselt & so das Risiko reduziert. Sofort die Polizei verständigt. Es ist tragisch aber es kommt leider vor. Kopf hoch.

  • bebbi am 27.01.2020 21:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kei schlechtes gewissen haben bitte

    Das klingt jetzt vielleicht brutal doch für den wald und ja ich meine den wald und nicht das feld des bauern! Istces gut seit die wildschweine keine natürlichen feinde wie der wolf mehr haben steigt die population in so warmen wintern enorm an und das schadet dem wald und den anderen wildtieren deshalb bitte kein schlechtes gewissen sie haben der natur einen gefallen gemacht auch wenns die meisten nicht verstehen werden.

    einklappen einklappen
  • Don Vito Corleone am 28.01.2020 00:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll dieses Gejammer?

    Die können froh sein sind sie noch am Leben! Ich hab vor Jahren erlebt wie es einen vorausfahrenden VW Bus, der mit einem ausgewachsenen Keiler kollidiert ist, überschlagen hat! Zwei verletzte und die Front bis zur Sitzbank eingedrückt = Totalschaden! Es hat einfach zu viele Wildschweine! Da hilft nur eins, Augen auf!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jeffrey Spector am 28.01.2020 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles richtig gemacht

    Und zudem ist der Bauer dankbar, dass ein Acker-Schädling eliminiert wurde.

  • Benji the beagle am 28.01.2020 09:47 Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Nino am 28.01.2020 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Er will niemanden warnen

    Es geht hier nur um mediale Selbstinszenierung. Das ist es. Früher gabs mehr Wildunfälle und deswegen ist keiner zur Presse gerannt. Wir haben überall in der Schweiz Wild, und jeder Autofahrer weiss, dass wenn er am Waldrand oder bei Felder unterwegs ist, immer ein Tier über die Strasse rennen kann. Also da muss er niemanden warnen vor einer Stelle.

  • Margrit Aegerter am 28.01.2020 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Warum keine Wölfe

    Schade, hat es im Unterland kaum oder gar keine Wölfe, diese hätten da einen reich gedeckten Tisch. Aber jeder Wolf, der versucht ins Unterland auszuwandern, stirbt mehr oder weniger rasch wegen Verkehr oder kommt an unüberwindliche Schranken wie Autobahnen usw.

  • A. B. am 28.01.2020 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Abstand und langsam

    Bei Dämmerung (morgens und abends) in der Nähe von Feld, Wald, Wiesen: Tempo drosseln und genug Abstand zum vorderen Auto halten. Einerseits hat man dann wenigstens eine Chance zu bremsen, andererseits ist es ein Unterschied, ob man ein Wildschwein oder einen Hirsch mit 60 oder 80 km/h erwischt: Je nachdem ist eine Kollision auch für den Fahrer gefährlich. Die meisten fahren zu schnell und viel zu nah auf, besonders auf dem Nachhauseweg von der Arbeit.