Drei Tage ohne Handy und TV

14. Februar 2014 22:51; Akt: 17.02.2014 13:25 Print

«Es war viel schlimmer, als ich es mir vorstellte»

von Marco Lüssi - Drei Tage hat Michael Helbling (16) ohne elektronische Geräte und andere Ablenkungen in seinem Zimmer verbracht: «Ich bin sehr froh, dass es vorbei ist», sagt der Schüler.

Michael Helbling verbrachte drei Tage allein und ohne elektronische Geräte in seinem Zimmer. Er hatte einzig eine DIgitalkamera dabei, um den Versuch zu filmen.
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Michael, du hast bis am Freitagmittag drei Tage allein in deinem Zimmer verbracht – ohne elektronische Geräte. Wie wars?
Michael Helbling: Es war viel schlimmer, als ich es mir vorgestellt hatte. Mir fehlten ja nicht nur der TV, der Computer und das Handy, ich hatte das Zimmer bis auf die Möbel ausgeräumt. Die Langeweile war extrem, und sie ging nicht weg.

Gewöhnt man sich nicht langsam daran, nichts zu tun?
Nein. Das Gefühl der Langeweile war bis zum Schluss präsent und nahm nie ab. Ich habe immer wieder daran gedacht, das Ganze abzubrechen, und zwar umso öfter, je länger es dauerte. Es war wirklich hart. Die Zeit vergeht unglaublich viel langsamer, wenn man keine Ablenkung hat. Oft wünschte ich mir, ich könnte wenigstens ein Buch lesen. Obwohl ich eigentlich alles andere als ein Bücherwurm bin.

Du hast wie geplant drei Tage durchgehalten. Wie hast du das geschafft?
Ja, immerhin bin ich nicht durchgedreht. Ich habe gemerkt, dass ich mit der Zeit begann, auch die kleinsten Dinge spannend zu finden. Ich hatte beispielsweise eine Mineralwasserflasche im Zimmer und begann, den Text auf dem Etikett zu studieren. Den kann ich jetzt fast auswendig. Und ich zählte, wie viele Parkettreihen es auf dem Boden meines Zimmers gibt – es sind 47. Ich spielte Tic Tac Toe gegen mich selber. Und ich brachte alle meine Gedanken zu Papier. Dabei ist mir etwas Erstaunliches aufgefallen.

Was?
Am ersten Tag waren die Gedanken, die ich zu Papier brachte, völlig ungeordnet und meine Handschrift unsauber. Am zweiten Tag war alles schon viel schöner und geordneter, und am dritten Tag kamen die Texte, die ich niederschrieb, wie ein Schulaufsatz daher.

Wie erklärst du dir das?
Möglicherweise lag es daran, dass ich mit der Zeit besser mit dem Stress klarkam, den die Langeweile bei mir auslöste – und die Anspannung abnahm. Oder dass mir das Alleinsein immer mehr geholfen hat, Ordnung in meine Gedanken zu bringen.

Konntest du während dieser drei Tage schlafen?
Das war anfangs ganz schön schwierig. In der ersten Nacht habe ich kein Auge zugemacht. Ich fühlte mich zwar müde, konnte aber nicht aufhören zu denken. Ich glaube, ich hatte einfach zu wenig erlebt, um einschlafen zu können. Man braucht offenbar etwas, das man verarbeiten kann, um schlafen zu können. In den folgenden Nächten ging es dann besser.

Glaubst du, du hast durch dein Experiment eine Ahnung bekommen, wie sich ein Häftling fühlen muss, der in Einzelhaft sitzt?
Nein, das ist wohl nicht zu vergleichen. Immerhin konnte ich noch aus dem Fenster sehen, auch wenn ich dies erstaunlich selten tat. Hinter unserem Haus ist aber halt auch wenig los. Zudem hörte ich immerhin die Hintergrundgeräusche, die meine Eltern im Haus verursachten.

Was hast du während deines Versuchs am meisten vermisst?
Die Kommunikation mit anderen Menschen. Als ich meinen Versuch beendet hatte, ging ich als Erstes zu meinen Eltern, um mit ihnen zu sprechen. Ziemlich schnell nahm ich dann auch wieder mein Handy zur Hand – weil ich sehen wollte, ob mir jemand geschrieben hatte. Die Kommunikation hat mir mehr gefehlt als die Unterhaltung, die elektronische Geräte auch bieten.

Du hast vor dem Versuch jeden Tag im Schnitt vier Stunden vor dem Fernseher und drei vor dem Computer verbracht. Wird sich daran etwas ändern?
Ich hatte vorher schon das Gefühl, dass dies zu viel ist, und ich will es jetzt wirklich reduzieren. Es ist aber nicht so, dass ich durch diese drei Tage ein anderer, neuer Mensch geworden wäre. Aber klar ist: Ich bin froh, dass ich den Versuch hinter mir habe.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Damian am 15.02.2014 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweifel

    Wenn ich die Kommentare lese zweifle ich daran, dass alle lesen UND verstehen können. Er war 3 Tage alleine ohne Kommunikation mit Freunden auf irgwendwelche Art in seiem leeren Zimmer. Das einzige was er hatte war ein Bett, eine Wasserflasche, ein Stift und ein Blatt Papier. Er hatte nur seine Gedanken und Phantasie zur Ablenkung. Raus durfte er nur auf die Toilette und auch niemand anderes durfte rein. Lest doch bitte genauer, bevor Ihr das nächste Mal über unsere Junkie-Jugend lästert.

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  • Daniel H. am 15.02.2014 08:04 Report Diesen Beitrag melden

    Elektronische Abhängigkeit

    Nun der Kurze Selbstversuch macht einem doch klar, wie sehr der Mensch von der Technik, die dem Menschen " Unterhalten, Helfen " soll, abhängig ist. " Es gibt Menschen die ganz Bewusst auf einen TV z.B. verzichten und ich muss sagen, dieses Medium ist relativ Unwichtig. Was wäre wenn 14 Tage der Strom mal ausfallen würde? Wer würde sich ohne Technik in einer Fremden Umgebung zurechtfinden? " Überleben ", die Technik Hilft uns, macht Uns aber auch " Dumm " Wir vergessen vieles.

  • dill dabb am 15.02.2014 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    genau so

    das zeigt, wie verblödet die gesellschaft mittlerweilen ist! gutes bild!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Federico am 15.02.2014 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Super Sache!

    Echt ein Super-Test. Er zeigt auf, wie unsere Jungen heute (nicht) funktionieren, und noch mehr, was ihre Eltern verbockt haben. Gut gemacht, ihr Väter und Mütter - jaaa nicht zuviel Zeit mit euren Kids verbringen, dann könnte man ja selber zu kurz kommen. Aber Jahre später sich dann beklagen über die heutige Jugend wie Michael sie darstellt.....

  • Xaver Gobet am 15.02.2014 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    War das jetzt eine grosse Leistung?

    Was soll das? Nur drei Tage ohne elektronische Geräte .Kann. Leben ohne Handy.

    • Stéphanie Britt am 15.02.2014 19:14 Report Diesen Beitrag melden

      Text gelesen?

      Haben Sie den Text gelesen? Er hat sein Zimmer komplett ausgeräumt und hatte nur Papier und einen Stift zur Verfügung. Ich glaube Ihnen würde es auch langweilig werden.

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  • Sophia_H am 15.02.2014 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht beeindruckend

    völlig absurde idee. was hat ihm das gebracht? nichts!! ausser das er es in die medien geschafft hat. sein leben wird wohl auch sonst nicht wirklich toll sein! handy computer tv süchtige gesellschaft.

  • dill dabb am 15.02.2014 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    genau so

    das zeigt, wie verblödet die gesellschaft mittlerweilen ist! gutes bild!

  • moon am 15.02.2014 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    raus gehen, anstatt im leeren Zi hocken!

    super, ein doofer Versuch nur im Zimmer zu hocken... da denkt man dann ja echt noch, dass es ohne nicht geht, kein Wunder, der hätte rausgehen sollen, in den Wald, ein Feuer machen, eine Cervelat brutzeln und draussen mit Gspändli spielen... aber vielleicht gibt es draussen ja keine Gspändli mehr, weil alle nur noch drin vor der Glotze oder vor dem Kompi dahinfetten und verblöden...

    • S.U.N. am 15.02.2014 16:37 Report Diesen Beitrag melden

      Du hast NICHTS verstanden!

      Ziel dieser Übung ist es gewesen, eben NICHTS zu erleben als Langeweile. Keine grossen Reize, keine Ablenkung, schlichtweg NICHTS. Aber Hauptsache der Meinung sein, hier mitreden zu müssen.

    • Tate am 15.02.2014 17:14 Report Diesen Beitrag melden

      Ignoranz

      Ja genau im Winter ein Feuer machen und ''Brötle'', ihre Idee strotzt ja nur so von Logik. Die alte Generation ist einfach viel ignoranter als die Neue.

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