Zahnarzt in der Mongolei

23. Dezember 2018 15:38; Akt: 23.12.2018 15:38 Print

«Fast jeder hat einen verfaulten Zahn im Mund»

Der Zürcher Zahnarzt Geza Scholtz hat in einem mongolischen Dorf eine Pop-up-Praxis eröffnet. Die fehlende Infrastruktur machte ihm zu schaffen.

Geza Scholtz war als Zahnarzt in der Mongolei. (Video: tam)
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Was macht ein Zürcher Zahnarzt in einem Dorf in der Mongolei? Zähne ziehen. «Fast jeder Dorfbewohner hat einen verfaulten Zahn im Mund», sagt Geza Scholtz, der am Bleicherweg in Zürich mit seinem Bruder eine Praxis betreibt und im Oktober für drei Wochen in den Westen der Mongolei verreiste. In einem kleinen Dorf im Altai-Gebirge behandelte er während zehn Tagen Einheimische.

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Bei mehreren Dorfbewohnern habe er fünf bis sechs Zähne und Zahnreste entfernen müssen. Nur wenn es sich lohnte, habe er eine Füllung gemacht. Grund für den schlechten Zustand des Gebisses sei die fehlende Mundhygiene. «Viele haben aber gelernt, mit den Schmerzen zu leben, oder bekommen dann bei einer Entzündung einfach Antibiotika. Nach mehreren eitrigen Infektionen fällt der verfaulte Zahn dann irgendwann von selbst aus.»

Nähe zu Mensch und Kultur durch Behandlungen

Anders als in der Schweiz gingen die Menschen dort gern zum Zahnarzt. «Meistens stehen die Patienten sogar Schlange. Ich habe auch schon erlebt, wie sich zwei Patienten um den Platz gestritten haben», so der 37-Jährige. Ein Weltverbesserer wolle er aber nicht sein: «Die Behandlungen geben mir die Möglichkeit, die Menschen und ihre Kultur in einem ganz anderen Licht kennen zu lernen. Es entsteht so eine ganz andere Nähe, als wenn ich einfach als Tourist mit meiner Kamera dorthin gehe.»

«Fast jeder hat einen verfaulten Zahn im Mund»

Die fehlende Infrastruktur im Wohnzimmer auf dem Sofa hat ihn vor Herausforderungen gestellt, obwohl es nicht das erste Mal war, dass er im Ausland im Einsatz war. Er habe auch nicht unbegrenzt viele Instrumente von zu Hause mitnehmen können. «Ich musste immer wieder improvisieren.» Beim Sterilisieren etwa habe er mit heissem Wasser in einem Kochtopf gearbeitet.

Er plant bereits nächstes Projekt

Der eigentliche Grund, warum Scholtz die Mongolei auswählte, waren die Adlerjäger. Diese alte zentralasiatische Tradition, mit Adlern Füchse, Hasen oder sogar Wölfe zu jagen, habe ihn schon lange fasziniert, und er habe diese unbedingt mal mit seiner Kamera festhalten wollen. «Ich habe schon über 70 Länder bereist, bin aber sehr begeistert von der Mongolei. Die Gastfreundschaft, die Menschen und die Kultur sind einmalig.»

Der Abenteurer, der schon versucht hat, mit einem Kite die 600 Kilometer lange Magellanstrasse zu durchqueren, plant bereits seine nächste Reise – dann allerdings ohne Zahnarzt zu sein. Wohin er geht, will er noch nicht verraten. Nur so viel: «Es ist ein grosses Projekt.»

(tam)