Mehrfacher Raub

29. August 2018 11:16; Akt: 29.08.2018 16:22 Print

Pink-Panther-Räuber muss 14 Jahre ins Gefängnis

Ein 37-jähriger Serbe, der zur berüchtigten Pink-Panther-Bande gehören soll, wurde zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt.

Der Beschuldigte soll an mehreren Überfällen der Pink-Panther-Bande beteiligt gewesen sein. Video: Tamedia/Stadtpolizei Zürich/SRF
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Mehrmals hat die Pink-Panther-Bande Zürcher Juweliergeschäfte überfallen. Zum letzten Mal hat sie im Februar 2016 bei Harry Hofmann mehr als eine Million Franken erbeutet. Bei Gübelin erbeutete sie 2010 5,5 Millionen Franken. Ein 37-Jähriger, der zum losen Netzwerk gehört, muss sich am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich wegen mehrfachen Raubes verantworten.

Er ist an neun bewaffneten Überfällen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt gewesen, unter anderem an drei Raubüberfällen in der Zürcher Innenstadt. Insgesamt wurden rund 20 Millionen Franken erbeutet, darunter mehr als tausend Schmuckstücke. Der Serbe gibt vor Gericht zu, an den neun Überfällen beteiligt gewesen zu sein: «Ich erkenne alles an, was mir zur Last gelegt wird.»

«Das ist kein Unternehmen, bei dem man kündigen kann»

Bekannt ist die Pink-Panther-Bande für das schnelle und unauffällige Vorgehen. Sie kundschaften das Ziel im Voraus minutiös aus. Wie kommt ein gepflegt aussehender Familienvater dazu, bei einer solchen Bande mitzumachen?

Vor Gericht erklärt der Beschuldigte, dass er nach Absitzen einer Gefängnisstrafe ein eigenes Geschäft aufbauen wollte. «Der erste Raub sollte meine Schulden tilgen.» Später sei ein Ausstieg nicht mehr möglich gewesen. «Das ist kein Unternehmen, bei dem man kündigen kann.» Sein Wort habe kein Gewicht gehabt.

16 Jahre Gefängnis gefordert

Für den Staatsanwalt ist klar: Dieser Fall ist aussergewöhnlich, unter anderem wegen des langen Zeitraums von acht Jahren, der Deliktsumme und der Anzahl der verübten Überfälle. «Besonders ist die präzise und aufwendige Vorbereitung sowie die berechnende und professionelle Umsetzung.» Die Straftaten seien akribisch geplant gewesen. «Sie wussten sogar über Details in den Geschäften Bescheid», so der Staatsanwalt.

Wegen des unverfrorenen Vorgehens – eines der vielen Adjektive, die der Staatsanwalt für skrupellos nannte – fordert dieser eine Freiheitsstrafe von 16 Jahren. «Mehrere Opfer sind so stark traumatisiert worden, dass sie sich in Behandlung begeben mussten.»

«Gefährliche Leute mit Kriegserfahrung»

Der Verteidiger dagegen fordert lediglich 10 Jahre: «Der Beschuldigte hat jede Frage des Staatsanwalts beantwortet – mit Ausnahme der Informationen über die Hintermänner.» Zudem habe er sich während des Prozesses äusserst korrekt und freundlich verhalten. «Es fiel kein lautes Wort.»

Laut dem Verteidiger stand der 37-Jährige auf der untersten Hierarchiestufe und sei als «Kanonenfutter» verwendet worden: «Niemand begeht freiwillig ohne Tarnung einen Raubüberfall.» Es sei nur Zufall, dass er erst so spät gefasst worden sei. Auch habe der Beschuldigte ein äusserstes Minimum an Gewalt angewendet und nur seine Aufgabe erfüllt. Ein Schuss sei nie gefallen.

«Überfälle waren skrupellos und kaltblütig»

Aus Angst habe der Beschuldigte keine Angaben zu den Hintermännern gemacht. «Er hat nur gesagt, dass gefährliche Leute mit Kriegserfahrung dahinterstecken.» Als Handlanger wisse er auch nicht mehr. Ihm sei nur gesagt worden, was zu tun sei. An der präzisen Vorbereitung sei er nicht beteiligt gewesen.

Das Bezirksgericht verurteilte den 37-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren. Es erachtet die Raubüberfälle als skrupellos und kaltblütig. Das Vorgehen sei von Anfang bis Ende professionell gewesen, wie in einem Kriminalfilm. Schlimmere Fälle seien kaum vorstellbar.

Der Beschuldigte habe an der Planung zwar nicht mitgewirkt, sei aber bei der Ausfühung massgeblich beteiligt gewesen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

(tam)