10er-Nötli über Zürich

22. November 2016 05:38; Akt: 22.11.2016 05:38 Print

«Ich habe bisher 25'000 Euro regnen lassen»

Der deutscher Finanzberater Joachim Ackva warf in Zürich mit Geld um sich. Wie er dazu kommt und was das bringen soll, erklärt er im 20-Minuten-Interview.

So regnete es Geld auf dem Helvetiaplatz in Zürich. (Video: Tages-Anzeiger)
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Herr Ackva, Sie liessen in Zürich 10er-Nötli regnen. Ein junger Mann konnte 600 Franken sammeln. Er sagte, dass er am Morgen noch Geld fürs Essen gesucht habe. Was halten Sie davon?
Ich freue mich natürlich immer, wenn jemand Geld bekommt und das Glänzen in den Augen erscheint. Es ist aber umso schöner, wenn das Geld die Richtigen trifft.

Wie viel Geld haben Sie bisher verschenkt?
Zusammengerechnet habe ich bei den Aktionen rund 25'000 Euro verschenkt. Das Geld kommt aus meinem Privatvermögen. Hinzu kommen weitere Kosten für organisatorische Dinge.

Was ist das Ziel des Geldregens?
Es geht um Aufmerksamkeit für die 17 Global Goals der Vereinten Nationen (extreme Armut beenden, Ungleichheit bekämpfen, Klimawandel stoppen etc., Anm. d. Red.). Viele Menschen kennen diese Ziele nicht, obwohl es das erste Mal in der Menschheitsgeschichte ist, dass die Regierungen der Welt gemeinsame Ziel angenommen haben, die für alle Länder gelten. Nur sind die Ziele nicht bindend für die Regierungen, bleiben also vielerorts ein Papiertiger. Ein Tausendstel des Welt-Privatvermögens würde helfen, diese Ziele enorm anzutreiben.

In Zürich regnete es 10er-Nötli

Ihr Projekt lautet «Planet Earth Account». Was ist das Ziel?
Dadurch sollen die Strukturfehler der Globalisierung behoben werden. Die heutigen Kräfte alleine können die globalen Aufgaben nicht bewältigen: Regierungen unterliegen nationalen Machtzwängen und Konzerne Profitzwängen. Dieses Problem löst sich, sobald wir uns als Zivilgesellschaft auf globaler Ebene in einem UN-Weltkonto vereinen. Dann können wir viele Regierungen und Konzerne in Richtung Global Goals mitziehen.

Und was ist Ihrer Meinung nach dafür nötig?
Das erfordert ein Budget von einem Tausendstel des Welt-Privatvermögens. Wer mitmachen will, kann ab sofort das eigene Tausendstel in ein Pilot-Weltkonto einzahlen. Das Ziel ist in fünf Jahren – also bis 2021 – 100 Millionen US-Dollar zu sammeln. Dieses Geld wollen wir dann dem zukünftigen UN-Generalsekretär Antonio Guterres übergeben mit der Bitte, ein definitives UN-Weltkonto der Zivilgesellschaft zu prüfen. Falls nicht das gesamte Geld zusammenkommt, werden wir die bis dahin eingegangene Summe der Welthunger-Hilfe überlassen.

Man könnte bei solchen Anlässen auch auf andere Werbemittel wie Plakate oder Flyer setzen. Warum verwenden Sie ausgerechnet Geld?
Geld hat einen hohen Aufmerksamkeitsfaktor. Es ist ein starkes Medium, um eine Botschaft schnell und einfach zu verbreiten.

Wo haben solche Aktionen bisher durchgeführt?
In Deutschland haben wir solche Aktionen bereits in Berlin, Frankfurt und in Köln an mehreren Plätzen durchgeführt. In Deutschland haben wir es pro Aktion 4000 Euro regnen lassen. Leider konnten wir nicht mehr in die Helium-Ballons packen. Wir haben uns bewusst für den deutschsprachigen Raum entschieden, da bei einer repräsentativen Umfrage herauskam, dass die Leute in diesem Raum besonders bereit sind, ein Weltkonto der Zivilgesellschaft zu unterstützen.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, eine Geldregen-Aktion auch in Zürich zu starten?
Die Stadt war interessant im Zusammenhang mit der Veröffentlichung meines Buches «Ein Konto für die ganze Welt», das vom Zürcher Verlag Rüffer & Rub veröffentlicht wird. In Zürich haben wir am Montag 7500 Franken verschenkt.

Werden Sie solche Anlässe auch in anderen Schweizer Städten durchführen?
Ich bin für Vorschläge offen. Möglich ist alles.

Sie sagen in einem Bericht gegenüber dem «Tages-Anzeiger», dass bei solchen Aktionen immer eine Volksfest-Stimmung herrscht. Trifft das auch auf die Aktion vom Montag zu?
Bei solchen Aktionen finde ich es immer schön, wenn sich die Menschen freuen. Die Kinder begreifen oft als Erste, was da passiert. Papa, guck mal, was da vom Himmel kommt. Wenn dann der Jagdtrieb einsetzt und kleine Juchzer erklingen, das mag ich sehr. Bei der Aktion in Zürich ist es leider nicht zu einer Volksfest-Stimmung gekommen. Ich erkläre mir das mit der Lage des Helvetiaplatzes.

Können Sie das ausführen?
Wir hätten diesen Standort nie selber ausgewählt. Die Stadt hat ihn uns zugeteilt, weil andere Plätze mit anderen Attraktionen belegt sind. Wir hätten einen Platz gewählt, wo mehr Menschen aufeinandertreffen. Wenn sich das Geld dann auf mehr Personen verteilt hätte, wäre bessere Stimmung aufgekommen. Dennoch sind wir der Stadt Zürich sehr dankbar für diese Gelegenheit.

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A.S. am 22.11.2016 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mensch in seiner edelsten Form

    Wie sie gierig hin rennen, zuerst alle ganz gesittet bis die Angst aufkommt man könne zu wenig abbekommen...

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  • mo am 22.11.2016 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    besser wäre...

    Statt das Geld über die Reichen zu schütten, solltest du es besser an die Obdachlosen, oder in Heimen verteilen!! Ohne grosses TamTam!!

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  • Hellvetia am 22.11.2016 06:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    man beachte..

    ..wie plötzlich Leute an Stöcken Rennen und sich bücken können.. sicher interessant für gewisse Arbeitgeber das zu sehen.. also falls überhaupt angemeldet...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anna am 23.11.2016 23:01 Report Diesen Beitrag melden

    Ein echter Weltverbesserer

    Schaut doch erst einfach mal warum er es gemacht hat.. Um ein Weltkonto für die 17 Global Goals zu machen!

  • Gute Aktion am 22.11.2016 11:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber besser:

    Bitte das geld in zukunft gezielt spenden- so wird es besser und gerechter verteilt! So bekommen doch nur die gierigsten am meisten!

    • andy am 22.11.2016 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      und beim Spenden...

      würden sicher die ganzen 25000.- bei den hilfsbedürftigen ankommen. Wohl eher nicht, wahrscheinlich wären es keine 10000.-

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  • Louis R. M. am 22.11.2016 11:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mitbekommen

    Schade ,habe ich dies nicht mitbekommen ...hätte das Geld auch gut gebrauchen können ...

  • Lolla am 22.11.2016 11:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld

    Geld geld geld ist so unwichtig wenn man nicht mehr gesund ist! Gesundheit ist das kostbarste gut!

    • macOSKing am 23.11.2016 02:28 Report Diesen Beitrag melden

      @Lolla

      Mag sein, aber fehlendes Geld kann die Gesundheit beeinträchtigen (Mangelernährung etc.).

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  • CH-Meinung am 22.11.2016 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    1000-fach beim Volk schon abgezockt

    und bekommt nicht genug mit mehr Werbung um noch mehr abzocken zu könnnen. Irgend etwas ist also faul an dieser Sache.