Zürich-Affoltern

10. Oktober 2019 19:56; Akt: 11.10.2019 00:30 Print

«Ich habe mit ihm Koran-Verse besprochen»

von Jennifer Furer - Kaser Alasaad bewegte den Mann, der in Zürich-Affoltern sein Kind aus dem Fenster werfen wollte, zum Aufgeben. Er erzählt, wie ihm das gelang.

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In Zürich-Affoltern löste ein Mann, der sein Kind aus dem Fenster hielt, am Donnerstagnachmittag einen Grosseinsatz der Polizei aus (20 Minuten berichtete). Beim Mann handelt es sich um den tunesischen Muslim F. A.*, der schon in der Vergangenheit durch sein Verhalten aufgefallen ist. Wie 20 Minuten weiss, glaubt der Mann, dass ihm seine Frau und sein Sohn weggenommen werden sollen. «Er hat das Gefühl von Feinden umgeben zu sein», sagt ein Mann, der ihn kennt. Erst ein Gespräch mit dem Imam Kaser Alasaad brachte ihn am Donnerstag von seinem Plan ab.

Herr Alasaad, Sie haben heute den Mann betreut, der gedroht hat, sich und seinen Sohn umzubringen. Was ist genau passiert?
Ich wurde als muslimischer Seelsorger im Rahmen der «Qualitätssicherung der Muslimischen Seelsorge in öffentlichen Institutionen» von der Polizei aufgeboten.

Warum hat der Mann gedroht, sich und seinen Sohn umzubringen?
Dazu kann ich leider keine Details preisgeben.

Was haben Sie zum Mann gesagt?
Das Gespräch hat über zwei Stunden gedauert. Ich konnte mit ihm über vieles reden.

Haben Sie ihn auch religiös betreut?
Ja, ich habe ihn auch religiös betreut und mit ihm Verse aus dem Koran besprochen.

Dann haben Sie es geschafft, dass er vom Fenster wegging?
Am Schluss nahm es eine gute Wende und ich bin sehr froh darüber. Er respektierte mich als Imam und hörte auf meine Worte.

War die Situation emotional schwierig für sie?
Ja natürlich. Ich hatte schon Erfahrungen mit ähnlichen Situationen gemacht, aber trotzdem geht es bei jedem Fall aufs Neue um Menschenleben. Das Gespräch war aber auch schwierig, weil er auf dem Fenstersims im 4. Stock sass und ich ihm von unten zurufen musst. Ich bin froh, hat sich die Situation zum Guten gewendet.

*Name der Redaktion bekannt.