Drama von Oberrieden

06. Oktober 2009 08:02; Akt: 06.10.2009 12:17 Print

«Ich hätte an ihrer Stelle auch abgedrückt»

Der Schleier um die Gewalttat von Oberrieden lüftet sich mehr und mehr: Gestern bekannte die Mutter der geständigen F.Z., es habe in der Familie Gewalt gegeben. Jetzt spricht im «Blick» erstmals der Grossvater der Täterin - und zeichnet ein düsteres Bild.

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«Schau mal, wie du aussiehst! Iss weniger!»: Zwei Sätze, die M.Z., das Opfer der tödlichen Schüsse in Oberrieden, zum Ausrasten brachten. Gesprochen hat die Sätze sein Vater, P.Z., im Frühling dieses Jahres. M. war zu Besuch bei seinem Vater, sollte seinen Computer reparieren. Vater P. erschrak über das Aussehen seines Sohnes, wie er gegenüber dem «Blick» erzählt: «Ich habe M. fast nicht mehr erkannt. Er war ganz aufgedunsen und hatte enorm an Gewicht zugelegt.»

«Schau mal, wie du aussiehst! Iss weniger!»: P. richtet deutliche Worte an seinen Sohn. Dieser wird aggressiv, schreit seinen Vater an, der sich bedroht fühlt und zu einem Hammer greift, ihn hinter seinem Rücken versteckt – zur Sicherheit. Doch plötzlich verstummt M.Z. und verlässt die Wohnung. Es war das letzte Mal, dass sich Vater und Sohn gesehen haben.

«Du hast keine Chance»

Ein halbes Jahr später ist M.Z. tot, erschossen von der eigenen Tochter. P. äussert Verständnis für die Tat: «Wenn dich so ein Koloss angreift, hast du keine Chance. Das ist wie eine Mücke, die vor einem Elefanten steht. Ich hätte an ihrer Stelle auch abgedrückt – auch wenn er mein eigener Sohn ist.»

Laut P. habe M. seine Tochter F. am Arm gepackt, gegen den Schrank geschleudert und auf ihr Bett geworfen. F. greift zu einem Revolver, tötet Vater M. mit mehreren Schüssen. F. hat die Tat mittlerweile gegenüber Staatsanwalt Manuel Kehrli gestanden.

Bereits zweimal ausgezogen

Es habe Gewalt in ihrer Familie gegeben, bekannte die Mutter der Familie gestern gegenüber «20 Minuten». Einen Eindruck, den die Aussagen von Grossvater P. unterstreichen. So soll die Mutter bereits zweimal aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen sein, einmal gar in ein Frauenhaus. Doch sie kehrte immer wieder zurück. Weshalb sie ausgezogen sei, habe sie ihm gegenüber nie erwähnt. Wenige Wochen vor der Bluttat öffnet sich die Mutter ein klein wenig: «Sie sagte mir am Telefon, dass es der grösste Fehler ihres Lebens gewesen sei, nach dem zweiten Auszug mit F. wieder zu M. zurückzukehren.»

Grossvater P. hat den Tod seines Sohnes kommen sehen. Seit er ihn so aufgedunsen gesehen habe, habe er mit dessen Tod gerechnet. Dass sein Sohn erschossen werde, habe er natürlich nicht gedacht. An der Beerdigung will P. teilnehmen, obwohl sie keine sehr enge Beziehung hatten: «Ich muss doch meinem Sohn die letzte Ehre erweisen.»

Ob er traurig sei, dass sein Sohn gestorben ist, wollte der «Blick» von Grossvater P. wissen. Seine Antwort: «Nein.»

(mlu)