Zürcher Chaos-Fest

12. November 2018 20:08; Akt: 12.11.2018 21:10 Print

«Ich versteckte mich an der Party auf der Toilette»

Eine 15-Jährige hatte Panik, als am Wochenende in Zürich-Altstetten eine Party ausartete. Nun prüft die Polizei, ob sie einen Teil der Kosten des Einsatzes abwälzen will.

Eine Geburtstagsparty in Zürich eskalierte. (Video: Leser-Reporter)
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Es war als private Geburtstagsparty geplant – die Einladung verbreitete sich aber in Windeseile auf Snapchat. Über 300 Menschen wollten an das Fest an der Aargauerstrasse in Zürich-Altstetten.

Die Party ist auch zwei Tage später noch das Gesprächsthema, wie eine 15-jährige Schülerin sagt. «Zuerst war die Party grossartig. Es wurde getanzt und ausgelassen gefeiert», erzählt sie: «Eine 16-jährige Veranstalterin tanzte ausgelassen auf dem Tresen.» Es seien viel Alkohol und Cannabis konsumiert worden.

«Es brach dann eine kleine Massenpanik aus»

Dann hiess es, alle Minderjährigen müssten das Lokal verlassen, sagt sie. «Es brach dann eine kleine Massenpanik aus.» Sie habe sich mit einer Freundin auf der Toilette versteckt: «Ich hatte eine Panikattacke.» Schliesslich sei sie ins Freie gelangt: «Da war ein Riesentumult.» Sie sei schnell zum Bahnhof geflüchtet. Kurz vor Mitternacht sei sie zu Hause gewesen, erzählt sie. Für sie ist klar: «Künftig gehe ich nur noch an kleine Partys, an denen die Leute einander auch wirklich kennen.»

Und was sagen die Veranstalter? «Ich werde nie mehr eine Party schmeissen», sagt eine 16-jährige Mitorganisatorin. Alkohol und Cannabis hätten aber die Gäste mitgebracht, so die junge Frau. Sie und ihre Kolleginnen hätten nur Bier besorgt. Sie habe zwar im Laufe des Abends auf dem Tresen getanzt, aber nicht weil sie betrunken war: «Solche crazy Sachen mache ich oft.»

Mitorganisatorin: «Mein Cousin war der Türsteher»

Mit so einem Ansturm auf die Party hätten sie niemals gerechnet. «Wir haben nur 200 Leute eingeladen und extra eine Gästeliste geführt», so die Mitorganisatorin weiter. «Mein Cousin war Türsteher, weil wir kein Geld für Security hatten.» Doch auch er hatte die Massen nicht mehr im Griff: «Ich half dann die Leute rauszuschmeissen. Dann eskalierte die Situation draussen.»

Das rief Patrouillen der Stadtpolizei auf den Plan, die vor Ort auch noch mit Steinen, Flaschen und Feuerwerk attackiert wurden. Wieviel der Polizeieinsatz kostete, kann Sprecher Marc Surber am Montag noch nicht sagen: «Dass eine Privatparty dermassen ausartete, ist nicht alltäglich.» Ebenfalls prüfe die Polizei, ob sie die Kosten abwälzen werde. Denn grundsätzlich ist es laut Verordnung möglich, Kostenersatz vom Verursacher zu verlangen, wenn dieser vorsätzlich oder grobfahrlässig gehandelt hat.

Die Frage stellt sich in diesem Fall: Sind die Verursacher die Organisatoren oder die Partycrasher? Laut Surber hat die Stadtpolizei Zürich schon dreimal Kosten eines Einsatzes dem Verursacher auferlegt, aber noch nie wegen einer Party.

Vermieterin: «Ich bin schwer enttäuscht»

Die Vermieterin will jedenfalls nicht mehr, dass in ihren Räumen eine solche Privatparty stattfindet: «Ich bin schwer enttäuscht. Nichts von dem, was wir abgemacht hatten, wurde eingehalten.» So habe sie mit einer kleinen Geburtstagsparty unter elterlichen Aufsicht gerechnet.

«Als ich kam, waren jedoch keine Eltern da. Gegen so viele Leute hatte ich keine Chancen. Ich konnte nur noch die Polizei rufen.» Ebenfalls sei das Chaos nach der Party riesig gewesen. «Die Reinigungskosten müssen die Veranstalter tragen», so die Vermieterin.

(som)