Vorwürfe gegen Polizei

23. Juli 2019 09:33; Akt: 23.07.2019 11:55 Print

«Ich musste mich ohne Begründung ausziehen»

Einige Klimaaktivisten, die an der Blockade der Credit Suisse teilnahmen, erheben schwere Vorwürfe gegen die Zürcher Polizei. Sie sagen, sie seien grob angefasst und beleidigt worden.

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Klimaaktivisten erheben schwere Vorwürfe gegen die Zürcher Polizei. Am 8. Juli hatten Klimaaktivisten des Collective Climate Justice die Eingänge der Hauptsitze der Grossbanken UBS in Basel und der Credit Suisse in Zürich besetzt. Die Polizei musste eingreifen, 64 Personen wurden verhaftet. Einige behaupten nun, sie seien grob angefasst und beleidigt worden. Die Demonstranten hatten damals Sitzblockaden errichtet. Zudem versperrten sie die Zugänge teils mit Velos und Pflanzenkübeln. Laut Angaben der Demonstranten waren «mehrere Hundert» Personen am Protest beteiligt. Die Demonstranten fordern vom Schweizer Finanzplatz den sofortigen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas, wie das «Collective Climate Justice» auf Twitter mitteilte. So sah die Demonstration in Basel aus. Der Eingang war mit Ästen versperrt. Ausserdem wurden solche Flyer verteilt. In Zürich waren die Aktivisten seit 6.45 Uhr vor Ort. «Schweizer Banken unterstützen mit Milliarden Projekte und Unternehmen, die für massenweise Umweltverschmutzung sorgen. Darum wollen wir hier ein Zeichen setzen», sagte einer der Aktivisten. Man wolle, dass die Banken die Finanzierung von «dreckigen Energien» sofort einstellen. Auch angekettete Velos dienten als Absperrung. Für die Blockade wurde Holz angeschleppt. Die Polizei stellte den Besetzern eine Frist. Bis 9 Uhr sollte der Eingang wieder geräumt sein. Viele der Aktivisten stammen aus dem Ausland. Geplant war, die Aktion noch 48 Stunden weiter zu führen. Dies sollte in diversen Grossstädten Europas geschehen. «Kompostiert Kapitalismus» stand auf den Bannern. Die Aktivisten trugen weisse Schutzkleidung. Die Polizei war lange vor Ort. Es gab kein Durchkommen. Kurz nach 9 Uhr begann die Polizei damit, den Haupteingang der CS zu räumen. Aktivisten wurden abgeführt. Laut einem Beamten handelte es sich bei der Besetzung um Nötigung und Hausfriedensbruch. Die Polizei im Anmarsch. Die Klima-Aktivisten wollten nicht von der Stelle weichen. Kurz vor Mittag wurde auch mit der Räumung des Seiteneingangs begonnen. Die Basler Polizei räumte kurz nach 14 Uhr das Gelände.

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Klimaaktivisten des Collective Climate Justice hatten am 8. Juli die Eingänge der Hauptsitze der Grossbanken Credit Suisse in Zürich und UBS in Basel besetzt. Die Polizei musste eingreifen, 64 Personen wurden verhaftet. Der Straftatbestand lautete bei den meisten Verhafteten Nötigung. Die Mehrheit erhielt eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 30 Franken, umgerechnet 1800 Franken.

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Das wollen einige an der Blockade der Credit Suisse beteiligten Klimaaktivisten aber so nicht hinnehmen. Sie haben gegen ihren Strafbefehl Einsprache erhoben. Zudem erheben sie schwere Vorwürfe gegen die Polizei.

«Du hast hier keine Rechte»

So erzählt eine 25-Jährige dem «Tages-Anzeiger»: «Ich musste mich ohne richtige Begründung zur Körperkontrolle ausziehen. Mehrmals wurde ich mit Schmerzgriffen zu Boden oder gegen die Wand gedrückt.»

Immer wieder sei sie grob angefasst und beleidigt worden. Einen Anruf habe sie erst tätigen dürfen, nachdem sie darauf beharrte. «‹Du hast hier keine Rechte›, sagten sie, und immer wieder wurde mir erklärt, wie dumm ich sei und dass ich wohl als Kind auf den Kopf gefallen sei.» Sie habe nur noch geweint, so die 25-Jährige.

«Räumung verhältnismässig erfolgt»

Auch eine andere Klimaaktivistin (20) kritisiert das Vorgehen der Polizei scharf. Für sie sei das Schlimmste gewesen, dass sie in der Zeit, als sie im Gefängnis sass, überhaupt keine Informationen erhielt. Wie sie sagt, soll ihr sogar ein Telefonanruf verwehrt worden sein. Zudem sei sie von einer Polizistin als «Mannsweib» bezeichnet worden.

Die Stadtpolizei Zürich weist die Vorwürfe klar zurück: «Die Aktivistinnen und Aktivisten leisteten teilweise passiven Widerstand und mussten weggetragen werden. Falls sich Personen nicht korrekt behandelt fühlen, können sie sich auf dem offiziellen Weg beschweren», sagt Sprecherin Judith Hödl. Die Räumung sei aber erst nach Ablauf von mehreren Abmahnungen und laut Hödl verhältnismässig erfolgt.

(mon)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • lee am 23.07.2019 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer is schuld

    Hmm? Stimmt wir sind in einem Staat da wird alles mit Samthandschuhe angefasst. Leute ihr Streikt/ macht ne Blockade und erwartet Verständnis? In anderen Ländern wird da anders durchegegriffen. Finde es nur schade dass sowas noch von den Medien weiterverbreitet wird und unsere Polizei in ein schlechtes Licht gerückt wird. Die müssen sich immer und immerwider sich beschimpfen und bespuckenlassen und dürfen nichts dagegen unternehmen. Gratulieren allen die Daumen Runter drücken danke

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  • Prinz am 23.07.2019 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ausziehen = Leibesvisitation

    Das Vorgehen nennt sich Leibesvisitation und wird regulär bei allen Inhaftierungen angewendet um die Behörden abzusichern. Gab ja in der Vergangenheit schon genügend Helden, welche sich selbst schadeten und so versuchten aus der Haft zu kommen. Bezüglich der Demo: Aktion zieht Reaktion mit sich. Sie sollen damit leben.

  • Frau Meier am 23.07.2019 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verhalten

    Ich würde gerne die Seite der Polizisten hören. So unbegründet waren die Durchsuchungen und das Festhalten der Leute sicher nicht. Wer sich renitent verhält, der muss sich nicht wundern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sebi am 23.07.2019 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig und weiter so!

    Vielen Dank für den Beitrag - er hat mir den Tag gerettet. 1800.- für die Mehrheit, schade nicht für alle! So muss es sein, wenn man meint, man müsse provozieren und andere belästigen oder versuchen den Ruf zu schädigen!

  • Giovanni1 am 23.07.2019 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentor

    Tja, die Aktivisten sassen ja auch unbegründet im Weg von Arbeitnehmenden, die schlicht zu ihrem Jobgeber wollten. Apropos unbegründet: Eigentlich freut es mich ja, denn jede so übertriebene Aktion schwächt im Herbst hinsichtlich der Wahlen. Liebe Aktivisten oder was ihr auch immer seid: Es gibt nicht einfach eure Meinung und wer die nicht vertritt, liegt automatisch falsch. Aber eben, die vielgepriesene Toleranz wird ausschliesslich von den "anderen" verlangt.

  • Balcony Gardener am 23.07.2019 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Steinzeit nein

    Ohne Kohle, Öl und Gas wären wir Heute nicht ein prosperiendendes Land. Es hat den Weg geebnet für was Heute möglich ist. Und wird auch für die nächsten 100Jahre massgebend an unserem Wohlstand und Lebensqualität beteiligt sein.

  • Donovan am 23.07.2019 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweifeln erlaubt

    Ich habe da einfach so meine Zweifel. Ich lese dass nur Frauen betroffen sind obwohl auch Männer abgeführt wurden. Wenn sich eine Frau die Bluse zerreisst und dann behauptet dieser oder jener Mann hätte sie körperlich bedrängt hat er praktisch null Chancen und ist von der Masse schon verurteilt. Analog dazu wird jetzt die Polizei angeklagt.

    • asdf am 23.07.2019 13:20 Report Diesen Beitrag melden

      von der Masse schon verurteilt

      aber nicht von einem Gericht, immerhin sind unsere Gerichte (noch) nicht vorverurteilend sondern handeln nach der Unschuldsvermutung und klägerseitiger Beweislast. Ich hoffe das wird auch noch lange so bleiben, auch wenn gewisse politische-ideologische Gruppen das gerne anders sähen.

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  • Steuerzahler am 23.07.2019 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Leser-Kommentare wieso erst jetzt

    1. Wieso darf Mann/Frau erst bei der Polizeiaktion eine Kommentar abgeben? Als es um die armen Aktivisten ging, war dieser nie Vorhanden. (Falls ich ihn übersehen habe entschuldige ich mich jetzt schon ;-)) 2. Ich hoffe doch sehr, dass alle Aktivisten ihre Blockade wieder mitgenommen haben und kein Littering verursachten. 3. Diese weissen Overalls die alle Aktivisten tragen. Sind hoffentlich aus natürlichen Stoffen. Ansonsten würde ich ihre Aktion eher kontraproduktiv nennen.