SVP-Standaktion

25. Februar 2019 05:41; Akt: 10.03.2019 18:46 Print

«Ich wurde bespuckt und übel beschimpft»

Ein Zürcher SVP-Politiker wird kurz vor den Wahlen bei einer Standaktion angegriffen. Das ist kein Einzelfall.

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Kantonsratskandidat Stefan Locher (SVP) wurde am 23. Februar 2019 vor der Migros bespuckt und beschimpft. Auch andere Parteien haben es manchmal mit wütenden Passanten zu tun. «In einem solchen Moment hilft es, ruhig zu bleiben und nicht weiter zu diskutieren», sagt Andrea Sprecher, Generalsekretärin der SP Zürich. «Die meisten Reaktionen bei Standaktionen sind positiv. Natürlich gibt es mal Leute, die uns sagen, dass sie nicht an Gott glauben oder ihren sonstigen Frust ablassen», sagt die Zürcher CVP-Präsidentin Nicole Barandun. GLP-Kantonsratskandidatin Nicole Benz ist derzeit oft an Standaktionen dabei. «Ich persönlich wurde dabei noch nie beschimpft. Es gibt aber Leute, die sich grundsätzlich über Politik oder Politiker von anderen Parteien ärgern.» FDP-Fraktionschef und Regierungsratskandidat Thomas Vogel hat noch nie schlechte Erfahrungen bei Standaktionen gemacht. Derzeit sind solche Anwendungen Thema, denn am 24. März 2019 stehen im Kanton Zürich Wahlen an. Gewählt wird der Kantons- und Regierungsrat. Für SVP-Politiker Markus Kägi ist nach 12 Jahren im Amt Schluss. Nationalrätin Natalie Rickli (SVP) will den freiwerdenden Sitz für ihre Partei verteidigen. Ernst Stocker (SVP) kandidiert nochmals. Derzeit ist er Vorsteher der Finanzdirektion. Mario Fehr (SP) ist Vorsteher der Sicherheitsdirektion. Auch er stellt sich nochmals auf. Jacqueline Fehr (SP) schaffte es 2015 in die Regierung. Sie will eine zweite Amtszeit anhängen. FDP-Politiker Thomas Heiniger wurde 2007 in den Regierungsrat gewählt. Er kandidiert nicht mehr für eine vierte Amtszeit. Parteikollege Thomas Vogel will seinen Sitz erobern. Carmen Walker Späh (FDP) dagegen stiess erst 2015 zur Regierung. Die Vorsteherin der Volkswirtschaftsdirektion stellt sich der Wiederwahl. Jörg Mäder steigt es als Vertreter der GLP in den Ring. Für die Grünen will Kantonsrat Martin Neukom einen Sitz gewinnen. Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) kandidiert für eine zweite Amtszeit. Für die EVP kandidiert Kantonsrat Hanspeter Hugentobler. Die Alternative Liste will mit Walter Angst erstmals in den Regierungsrat. Nationalrätin Rosmarie Quadranti will für die BDP in die Regierung. Sie ist derzeit Fraktionspräsidentin im Bundeshaus. Landwirt und Kantonsrat Hans Egli ist Kandidat für die EDU.

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«Das war erniedrigend», sagt SVP-Politiker Stefan Locher, der für die Kantonsratswahlen kandidiert. Bei einer Standaktion am Samstag wurde er im Kreis 4 vor der Migros von mehreren Unbekannten angegriffen: «Ich wurde bespuckt und lauthals als Mörder und Menschenhasser beschimpft.» So etwas habe er noch nie erlebt: «Mit Demokratie hat das nichts mehr zu tun.»

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Er ist nicht der einzige Zürcher Politiker, der schon schlechte Erfahrungen gemacht hat. Gerade kurz vor den Kantons- und Regierungsratswahlen am 24. März ist das ein Thema – eine Auswahl.

FDP
Thomas Vogel, Fraktionspräsident

«Am Wochenende hat jemand bei unserem Stand am Bellevue das Auslegematerial heruntergeschmissen. Diese Person war aber offensichtlich psychisch beeinträchtigt. Sonst habe ich noch nie schlechte Erfahrungen bei Standaktionen gemacht. Manchmal schicken mir verärgerte Leute Mails. Meist relativiert sich das aber, wenn ich ihnen zurückschreibe. Ich habe den Eindruck, dass der Ton in den sozialen Medien rauer geworden ist. Da sind gewisse Kommentare auf bedenklichem Niveau.»

CVP
Nicole Barandun, Präsidentin

«Zum Glück wurden wir noch nie körperlich angegriffen. Die meisten Reaktionen bei Standaktionen sind positiv. Natürlich gibt es mal Leute, die uns sagen, dass sie nicht an Gott glauben oder ihren sonstigen Frust ablassen. Wir sind aber immer in der Gruppe auf der Strasse. Wenn ein Passant zu ausfällig wird, helfen wir einander.»

SP
Andrea Sprecher, Generalsekretärin

«Es gibt ganz wenige Passanten, die uns bei Standaktionen beleidigen, beschimpfen oder ganz allgemein Dampf ablassen. In einem solchen Moment hilft es, ruhig zu bleiben und nicht weiter zu diskutieren. Auf unserem Sekretariat erreichen uns aber immer wieder üble Briefe. Oft richten sich die anonymen Drohungen gegen Politikerinnen.»

GLP
Nicole Benz, Geschäftsführerin

«Da ich für den Kantonsrat kandidiere, bin ich derzeit oft bei Standaktionen dabei. Ich persönlich wurde dabei noch nie beschimpft. Es gibt aber Leute, die sich grundsätzlich über Politik oder Politiker von anderen Parteien ärgern. Sie haben das Gefühl, dass sie mit mir eine Mitstreiterin haben. Auf unserer Geschäftsstelle gehen aber regelmässig Drohbriefe oder Anrufe von Wutbürgern ein. Ein Gespräch mit diesen Anrufern ist nicht möglich, das sind Monologe. Hierbei werden auch oftmals Schimpfwörter auf unterstem Niveau verwendet.»

(som/tam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Spyy83 am 25.02.2019 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    primitiv

    man muss nicht mit der politik mancher parteien einverstanden sein, aber sowas ist einfach primitiv. solche leute gehören verzeigt und gebüsst. oder am besten zu sozialstunden verdonnert.

    einklappen einklappen
  • maik am 25.02.2019 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie es ist

    Die, die meist am meisten Toleranz rufen, sind die, die meist am Intolerantesten sind.

    einklappen einklappen
  • Felix Heinzer am 25.02.2019 06:24 Report Diesen Beitrag melden

    Nachhilfe nötig

    Wer PolitkerInnen beschimpft und bedroht hat das System der Demokratie nicht verstanden oder in der Schule geschlafen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Urs Richter am 25.02.2019 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ernten was man sät

    Natürlich geht das gar nicht dass ein Politiker, egal welcher Partei so angegriffen wird. Andererseits seits ist es doch ziemlich paradox. So war es doch genau seine eigene Partei die durch Populismus und Hetzte gegen die "Anderen" solch eine Stimung verbreitet hat.

  • Psychoactive am 25.02.2019 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Wird leider zusehends abnehmend die moralischen Werte.

  • Hiob am 25.02.2019 13:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeugen?

    Es müsste da doch eigentlich Zeugen geben. Wo sind sie? Oder muss man sich hier einfach auf das Wort eines "SVP-Ehrenmannes" verlassen?

  • Nicole am 25.02.2019 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    spucken geht gar nicht

    wenn Erwachsene andere bespucken ist das einfach nur unterste Schublade. Egal um was es geht

  • Sarek vom Vulkan am 25.02.2019 11:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keinerley

    Mitleid mit denen! Sollen Ihren Job Richtig machen. Egal ob Rechts oder Links!