Kieferchirurgie

05. Februar 2018 09:30; Akt: 05.02.2018 09:48 Print

Frau (20) hat endlich kein entstelltes Gesicht mehr

von Thomas Mathis - Ein Aargauer Kieferchirurg hat eine 20-Jährige dreimal am Gesicht operiert. Er musste aufpassen, dass er den Sehnerv nicht verletzte.

Beat Hammer erklärt, warum die Planung von Gesichtern eine Herausforderung ist.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Eine junge Frau hat seit ihrer Geburt ein entstelltes Gesicht. Und immer wieder wurde sie gefragt, warum Augen und Mund schief seien. Sogar bei der Bewerbung um eine Lehrstelle war ihr Aussehen ein Thema. «Man hat mir gesagt, dass man bei Bewerbern nicht auf das Gesicht schaut und mich einstellt», sagt die heute 20-Jährige.

Doch das ist nun Geschichte. Vor gut einem Jahr unterzog sich die junge Frau insgesamt drei Operationen. Gesichts- und Kieferchirurg Beat Hammer von der Hirslanden Klinik Aarau versuchte, die Augen- und Mundpartien so auszurichten, dass eine natürliche Gesichtsform entsteht.

«Wir hantieren wie Waldarbeiter»

Bei der ersten Operation löste Hammer die Haut im Bereich der Stirn und der Augen vom Schädel, um Zugang zur Augenhöhle zu haben. Dort trennte er dann bestimmte Knochenteile ab und ordnete sie neu an. «Als ich aufwachte, hatte ich viele Klammern am Kopf und das Gesicht war stark geschwollen», erzählt die 20-Jährige.

Arzt plant neue Gesichter für junge Patienten

Dann war der Kiefer an der Reihe. Die Knochen von Ober- und Unterkiefer wurden mit einer Säge abgetrennt und mit Schrauben neu positioniert. «Wir hantieren wie Waldarbeiter, einfach mit filigraneren Werkzeugen», sagt der Facharzt. Bei der dritten Operation wurde der jungen Patientin Fettgewebe verpflanzt, um dem Gesicht runde Konturen zu geben.

«Nur wenige Ärzte sind darauf spezialisiert»

«Der Fall der jungen Frau war sehr komplex, weil sowohl die Augen als auch der Mund korrigiert werden mussten», erklärt Hammer. Die Operation berge nicht viele Risiken, sei aber sehr anspruchsvoll. Nur wenige Ärzte seien darauf spezialisiert: «Man muss aufpassen, dass der Sehnerv und die feinen Gesichtsmuskeln nicht verletzt werden.»

Bei der jungen Patientin hätten sowohl optische als auch funktionale Faktoren für eine Korrektur gesprochen. «Einerseits litt sie unter den Blicken fremder Menschen, andererseits entstehen bei einseitiger Belastung später oft Beschwerden», sagt Hammer. Eine Korrektur sei aber erst mit 16 bis 20 Jahren möglich, wenn die Wachstumsphase abgeschlossen ist. Deshalb konnte die junge Frau nicht früher operiert werden.

Die Operation wird digital simuliert

Der Eingriff wurde vom Team am Bildschirm geplant. Es simulierte die Verschiebungen der Knochen und erstellte mithilfe eines 3-D-Druckers eine Schablone, die bei der Operation half, die Verschiebung zu bestimmen. «Die Schwierigkeit bei der Planung ist, dass kein Gesicht symmetrisch ist, meist sitzt die Nase leicht schief», sagt der Spezialist. Deshalb müsse man manuell die optimale Ausrichtung finden. Ebenso würden sich die Patienten oft wünschen, dass ihr Gesicht nach dem Eingriff nicht komplett anders aussieht.

Mit dem Resultat ist die junge Patientin sehr zufrieden. Nach der Operation konnte sie zwar vier Wochen lang nur trinken, weil sie ihren Mund kaum öffnen konnte. Eine Therapie habe das aber nach und nach verbessert. «Heute funktioniert wieder alles einwandfrei.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Toni R. am 05.02.2018 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überflüssiges Video

    Ein weiteres Mal muss der interessierte Leser ein nerviges Video schauen, um zu merken dass das im Titel erwähnte gar nicht zu sehen ist. Mich würde ein vorher/nachher Bild schon interessieren. Ich wünsche der jungen Dame alles Gute!

    einklappen einklappen
  • Dankesager am 05.02.2018 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Respekt an den Arzt und an die Technik. Wieder mal eine Visitenkarte für die Schweiz.

    einklappen einklappen
  • clini am 05.02.2018 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich

    Was man mit der heutigen Medizin alles machen kann.Unglaublich

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Toni,6,02,2018 am 06.02.2018 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt Sachen,,,

    Toll,als Kind in den 70jgern hatte ich Epilepsie mit Schweren Anfällen, ein Arzt Sagte, es gäbe eine Methode mit Elektro Stössen ins Hirn auf die Stelle wo diese Anfälle Auslöst, Gesagt Getan, ich bekam etwa 2-4 Stromstösse, dabei ging was schief, heute kann ich nicht mer richtig Reden,, nur mer Murmeln, aber die Anfälle sind Vorüber,

    • Susu am 26.02.2018 17:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Toni,6,02,2018

      Das tut mir sehr leid für dich. Vielleicht kann die heutige Medizin dir doch zum Glück verhelfen. Hoffe es für dich.

    einklappen einklappen
  • sandro am 05.02.2018 17:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selbst durchgemacht...Danke an die Chirurgen!!!

    Nach einem schweren Motorradunfall hatte ich ein komplett entstelltes Gesicht. kiefer war 7 mal gebrochen, wangenknochen zertrümmert, augenhöhlen mehrfach gebrochen und zähne waren auch draussen. nach ähnlicher behandlung, die 2 jahre daurte, sieht man nichts mehr, ausser einer kleinen Narbe an der augenbraue. ich bin den chirurgen auf ewig dankbar. das ist eine unvorstellbare Leistung.

  • the man am 05.02.2018 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hab ich auch

    Wenn ich den Schädel betrachte, vermute ich dass sie dasselbe hat wie ich. Nämlich eine Erbkrankheit Namens morbus crouzon. Hatte vor zwei Jahren etwa, einige Operationen, ca. 20 Stunden Vollnarkose und auch leider Komplikationen. Mittlerweile ist aber alles wieder gut und das Ergebnis kann sich sehen lassen. War eine Leidenszeit aber es startete für mich ein ganz neuer Lebensabschnitt!

  • Jdarc am 05.02.2018 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorher-Nachher?

    Hm... wär natürlich um einiges aufschlussreicher, wenn man auch die Fotos dazu sehen könnte. Nun gut, evtl. wollte sich die Patientin ja auch nicht öffentlich zeigen. Schade, trotzdem wahnsinns Arbeit.

  • k.d. am 05.02.2018 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    @die, d nach Vorher-Nachherbilder fragen

    Natürlich wäre ein Vorher-Nachherbild spannend, weil die Veränderungen zu sehen wären. Ich könnte mir aber sehr gut vorstellen, dass die junge Frau dies nicht möchte! Und das ist ihr gutes Recht, da kann ich sie sehr gut verstehen! Wünsche ihr alles gute auf dem weiteren Lebensweg.