Morena Diaz

03. Januar 2020 10:22; Akt: 05.01.2020 10:53 Print

«Ich denke jeden Tag an die Vergewaltigung»

Body-Positivity-Star Morena Diaz hat auf Instagram ein schockierendes Geständnis gemacht. Sie sei vergewaltigt worden, schreibt sie.

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In einem Post auf Instagram machte die bekannte Aargauer Primarschullehrerin Morena Diaz am Donnerstagabend einen schockierenden Vorfall publik. «Ich wurde vergewaltigt und es tut immer noch weh», schreibt die 26-Jährige dort, wie die «Aargauer Zeitung» berichtet. Diaz ist bekannt als Body-Positivity-Star. 2018 wurde sie deshalb für den Prix Courage nominiert.

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Ihr Fall sei kein Einzelfall, schreibt sie im Post. «Wir müssen unsere Stimmen erheben.» Deshalb breche sie nun ihr Schweigen. Der Vorfall hat laut ihrem Post drei Tage vor Heiligabend 2018 nach einem gemeinsamen Abendessen stattgefunden. «Er hat über meinen Körper, mein Herz und meinen Bedürfnissen hinweg entschieden. Mit keiner Faser meines Körpers wollte ich das, was er mir angetan hat und mit keiner Faser meines Körpers konnte ich mich wehren», so der Post.

«Schmerz traf mich mit voller Wucht»

2019 sei für sie eher ein Überleben gewesen, ein Gefühlschaos. «Zuerst wollte ich gar nichts mehr fühlen, um den Schmerz nicht zuzulassen und dann, als ich dem Schmerz kurz die Türen öffnete, traf er mich mit voller Wucht.» Der Schmerz sei von Angst, Trauer und Wut begleitet worden. «Wut auf ihn, Wut auf alle, die anderen das gleiche angetan haben und antun werden. Wut auf die Gesellschaft, die Gesetze, das Patriarchat, das immer noch Macht über uns Frauen* ausüben darf und kann», schreibt sie.

In den über 700 Kommentaren erhält sie viel Mitgefühl. «Mir fehlen die Worte», schreibt eine Nutzerin. Sie wünsche ihr viel Kraft und Ausdauer, um das Geschehene verarbeiten zu können. «Du machst dich immer so stark für alle und es bricht mir das Herz, dass dir das passiert ist», heisst es in einem anderen Kommentar. Andere bedanken sich für den Mut von Diaz, den Vorfall publik zu machen: «So etwas öffentlich zu machen ist sicher unglaublich schwierig, aber auch wichtig.»

Ausführlicher Blogbeitrag

In ihrem Blog äussert sich Diaz am Freitagnachmittag mit einem ausführlicheren Beitrag. Nach etwas mehr als einem Jahr fühle sie sich bereit, einen Einblick in ihre Seele zu geben. «Heute schreibe ich meine eigene Geschichte in der Hoffnung, dass wir alle endlich begreifen, dass jede einzelne Tat eine zu viel ist.» Es brauche eine Veränderung und dafür mehr Stimmen, die sich stark machen würden.

Es sei an einem kalten Abend passiert, an dem sie lange Jeans und einen dicken Pullover getragen habe. Nach dem Abendessen hätten sie gemeinsam einen Film geschaut. Ihre unzähligen Bitten aufzuhören habe er ignoriert. «Was mir persönlich am meisten weh tut, ist nicht per se das, was geschehen ist, sondern dass es jemand getan hat, dem ich vertraut habe», schreibt die 26-Jährige.

Sie fordert schärfere Gesetze

Jeden einzelnen Tag bis heute habe sie daran gedacht, was passiert sei. «Mit der Zeit habe ich Angstattacken entwickelt.» Im Post wünscht sie sich für das Jahr 2020 mehr Bewusstsein für dieses Thema und schärfere Gesetze. «Opfer, egal ob Frau oder Mann, sollten ohne Scham und Angst zur Polizei gehen dürfen, um Anzeige zu erstatten.»

Ob sie selbst eine Anzeige gemacht hat, bleibt unklar. Im Moment wolle sie bewusst keine weiteren Details bekannt geben, schreibt Diaz weiter. Auch auf Anfrage von 20 Minuten wollte sie sich nicht weiter äussern. Das Strafmass bei einer Vergewaltigung beträgt zwischen einem und zehn Jahren Freiheitsstrafe.

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English in the comments ll TW / Vergewaltigung: Drei Tage vor Heiligabend hat er nach einem gemeinsamen Abendessen über meinen Körper, mein Herz und meinen Bedürfnissen hinweg entschieden. Mit keiner Faser meines Körpers wollte ich das, was er mir angetan hat und mit keiner Faser meines Körpers konnte ich mich wehren. Es ist wahr, was man in den Zeitungen so liest: Man fällt in eine Art Schockstarre. Man schafft es nicht, sich zu schützen, zu wehren und dem Ganzen rechtzeitig ein Ende zu setzen. Eine Freundschaft, die anfangs 2018 zu blühen begann, endete drei Tage vor Weihnachten in demselben Jahr abrupt. Ich hatte ihm vertraut aber er wollte mehr und holte sich jene Nacht das, was er wollte: meinen Körper. 2019 war für mich eher ein Überleben. Ein Gefühlschaos. Zuerst wollte ich gar nichts mehr fühlen, um den Schmerz nicht zu zu lassen und dann, als ich dem Schmerz kurz die Türen öffnete, traf er mich mit voller Wucht. Der Schmerz kam aber nicht alleine. Er wurde von Angst, Trauer und Wut begleitet. Wut auf ihn, Wut auf alle, die anderen das gleiche angetan haben und antun werden. Wut auf die Gesellschaft, die Gesetze, das Patriarchat, das immer noch Macht über uns Frauen* ausüben darf und kann. 2019 war ein Überleben. 2020 möchte ich leben. Nach und nach loslassen. Dafür musste ich letztes Jahr alle Gefühle und somit auch Heilung zulassen und nach und nach die Scherben auflesen, die in jener Nacht in tausend Stücken umherflogen. Ich wurde vergewaltigt und es tut immer noch weh. Die Scherben lese ich weiterhin jeden Tag auf. Und irgendwann, das weiss ich, werden auch die Ängste weniger, die Wut und die Trauer werden zur gleichen Tür wieder rausgehen. Ich werde wieder komplett ausgelassen tanzen können. Lieben und leben. Was ich ganz sicher weiss ist, dass wir Gesetze anpassen müssen, um endlich Opfer und nicht mehr Täter zu schützen, dass wir Aufklärung brauchen denn mein Fall ist kein Einzelfall. Und dass wir unsere Stimmen erheben müssen. Für jede einzelne von uns. Genau deshalb breche ich mein Schweigen. Ni una menos. ♥️

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(tam)