Bundesasylzentrum

01. Februar 2013 14:38; Akt: 01.02.2013 14:53 Print

«Importierte Kriminalität» oder «Vorteile für alle»?

von J. Büchi - Das geplante Testzentrum für Asylsuchende in Zürich polarisiert: Die SP spricht von einer Win-Win-Situation, die Bürgerlichen wollen ein geschlossenes, abgeschiedenes Zentrum.

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Die SVP läuft erwartungsgemäss Sturm gegen das geplante Bundeszentrum für Asylsuchende in Zürich. Er sei «entsetzt und fassungslos» über diesen Standortentscheid, sagt Fraktionspräsident Mauro Tuena gegenüber 20 Minuten Online. Das Testzentrum auf dem Duttweiler-Areal komme für ihn einem Worst-Case-Szenario gleich: Ein offenes Zentrum statt ein geschlossenes, wie dies die SVP gefordert hatte – eines mitten in einem Wohn- und Ausgangsviertel statt eines auf dem Gotthard oder auf dem Simplon.

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Für die Nachbarschaft des neuen Zentrums sieht Tuena schwarz: Von Messerstechereien über Schlägereien bis hin zu Drogenhandel sei im Umfeld solcher Einrichtungen mit allem zu rechnen. Der Stadtrat «importiere» damit die Kriminalität. Zwar sollten die Asylverfahren beschleunigt werden, aber nicht auf diese Weise, so der SVP-Fraktionschef. Seine Partei werde das Testzentrum mit allen möglichen Mitteln bekämpfen – zuerst im Nationalrat und dann notfalls auch noch mittels einer grossangelegten Petition.

FDP will keine «Asylhauptstadt» Zürich

Im Gegensatz dazu lehnt die FDP das geplante Bundeszentrum auf dem Duttweiler-Areal nicht partout ab. Grundsätzlich sei es richtig, dass der Bund mit diesem Projekt seine Verantwortung wahrnehme – nicht zuletzt auch finanziell, sagt Michael Baumer, der Präsident der FDP der Stadt Zürich.

Dass die Verfahren verkürzt werden sollen, sei begrüssenswert, genauso wie die Konzentration der Asylbewerber innerhalb der Stadt. Aber: «Insgesamt darf sich die Zahl der Asylbewerber in Zürich nicht erhöhen», so die Forderung des Freisinnigen. Man wolle auf keinen Fall «Asylhauptstadt» der Schweiz werden, sondern lediglich seinen Beitrag leisten wie andere Gemeinden auch – sonst könnte die Attraktivität der Stadt darunter leiden.

Was den Standort eines künftigen Hauptbundeszentrums angeht, geht die FDP mit der SVP einig: Man bevorzuge Unterkünfte in entlegeneren Gegenden der Schweiz, die die Asylbewerber mit ihrer Attraktivität nicht zusätzlich anziehen würden, so Baumer.

«Ich bin gegen Lager»

Mit dieser Haltung ihrer bürgerlichen Kollegen konfrontiert, kann Andrea Sprecher, Co-Präsidentin der Stadtzürcher SP, nur den Kopf schütteln. «Ich bin gegen Lager – und alle, die ein klein wenig etwas von Geschichte verstehen, sollten dies auch sein.» Sie begrüsse das geplante Testzentrum und die Vorreiterrolle, die die Stadt Zürich dabei einnehme.

«Zum jetzigen Zeitpunkt kann man davon ausgehen, dass wir es mit einer Win-Win-Situation zu tun haben: Die Stadt kann Kosten sparen und den Asylbewerbern können vor Ort Beschäftigungsprogramme angeboten werden», so Sprecher.

Das Testzentrum sei «eine handfeste Lösung für ein konkretes Problem». Es sei ein Versuch, die Verfahren zu beschleunigen – und zwar auf verantwortungsbewusste und faire Art und Weise. Dass sich die SVP bereits jetzt wieder querstellt, versteht Sprecher nicht: «Ich habe den Eindruck, dass die SVP gar nicht an Lösungen interessiert ist. Das ist schade.»


Das meinen die Zürcher über das Zürcher Asylzentrum (Keystone)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • arian am 01.02.2013 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Schande

    Ihr seid alle so gierig! Was soll das gejammer?! Habt ihr nicht genug oder wollt ihr einfach mehr?! Wir leben viel zu gut für das was wir machen müssen. Das schmerzt das so viele nur an sich denken...

  • Gaudenz Meierhans am 01.02.2013 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht sinnvoll

    So ein Bundeszentrum sollte irgendwo anders hin. Weg von Ortschaften, so dass die dort internierten gar nicht auf die Idee kommen, unterzutauchen oder sich kriminell zu betätigen. Irgendwo in Richtung wunderschöne schweizer Bergwelt. Es gibt da ja alte Waffenplätze, die entsprechend ausgebaut werden könnten. Dort würde das niemanden stören und die Asylsuchenden könnten die gute Bergluft geniessen und sich von den Strapazen ihrer Flucht aus der Heimat erholen.

  • Ff,)7 am 01.02.2013 15:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Durchwinken

    Ich schlage vor, macht es wie die italiener, schickt doch die Asylanten ins nachbarland!!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • DinChef am 02.02.2013 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Authentische Konsequenz

    Ein bisschen freuts mich schon für das links regierte Zürich und die Bewohner, die solche Regierungen wählen. Diesen Entscheid könnte man mit "authentische Konsequenz" beschreiben. Sie handeln, statt nur zu reden. Ansonsten ist dem Kommetar von "Fredu der sich leicht nervt" nichts hinzuzufügen.

  • Peter Baumann am 01.02.2013 23:24 Report Diesen Beitrag melden

    Schattenwurf

    Wenn es keinen Schattenwurf aufs neue Fussballstadion wirft, wird es wohl gebaut.

  • Wanja Zeiss am 01.02.2013 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Asylverfahren sollen max.2 Monate dauern

    Asylverfahren sollen max. 2 Monate dauern. (Und nicht 10 Jahre wie heute). An die Arbeit !

  • pesche am 01.02.2013 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Unmöglich

    der ort ist ja wohl eher schlecht gewählt. eingepfercht in gewerbebauten, da muss man ja kriminell werden...

  • arian am 01.02.2013 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Schande

    Ihr seid alle so gierig! Was soll das gejammer?! Habt ihr nicht genug oder wollt ihr einfach mehr?! Wir leben viel zu gut für das was wir machen müssen. Das schmerzt das so viele nur an sich denken...