Platzierte erzählt

07. Januar 2015 15:41; Akt: 21.01.2015 21:06 Print

«Jedes Heimkind wäre am liebsten zu Hause»

Seit über zwei Jahren lebt Sara R.* in einem Heim. Es gehe ihr zwar gut, sagt die 16-Jährige. Dennoch wünscht sie sich nur eines: Endlich zurück zur Mutter zu dürfen.

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Auch wenn die Betreuer im Heim nett sind, zu Hause ist es immer am schönsten. (Bild: Beyond Foto)

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Nach der Kindstötung in Flaach steht die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) unter Beschuss. Sie hatte die beiden Kinder von Natalie K. vorübergehend in einem Heim untergebracht und die Mutter fürchtete, sie nie mehr zurückzubekommen. Am 1. Januar hat sie ihre beiden Kinder getötet.

Wie Kinder das Leben in einem Heim empfinden, erzählt Sara R.* Die heute 16-Jährige lebt seit mehr als zwei Jahren in einer Luzerner Institution und wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich zu ihrer Mutter gehen zu dürfen. Sie kam nach der Scheidung der Eltern dorthin. Ihren Heimplatz durfte sie sich selbst aussuchen. «Ich hatte die Wahl zwischen drei Heimen.» Sie sei froh darüber, die Wahl gehabt zu haben und sei freiwillig gegangen. Aber: «Ich musste ja auch irgendwo hin.»

«Ich bin diesem System ausgeliefert»

Wenn sie wählen dürfte, würde sie aber sofort wieder zu ihrer Mutter ziehen, die sich das ebenfalls wünscht. «Ich hätte mein Umfeld und meine Familie zurück, dort ist mein Zuhause», sagt sie. Sie weiss, dass sie dort viel glücklicher wäre. Derzeit verbringt sie fast jedes Wochenende bei der Mutter.

Der Kesb macht sie grosse Vorwürfe, weil diese nicht auf sie hört. Irgendwelche Leute würden über sie entscheiden und sie verstehe meist nicht einmal, wieso die Entscheide so gefällt würden. «Das macht mich wahnsinnig wütend. Ich bin diesem System ausgeliefert, dabei bin ich doch schon 16 und weiss, was ich will.»

Sara findet nicht, dass das Heim ein schlechter Ort sei. «Es gibt Tage, da geht es mir mega gut und ich bin froh, dass ich dort jemanden habe, der mich auffängt.» Sie würde sich einfach wünschen, dass es etwas heimeliger sei. Die Gruppe sei schon wie eine Familie, aber es sei speziell. Denn es seien alles Kinder mit familiären Problemen. «Sie sind alle abgeschoben worden und die meisten wissen nicht, wieso.» Das merke man dem Verhalten der Kinder an. «Jedes Kind dort wäre am liebsten zu Hause.»
*Name geändert

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Remo F. am 07.01.2015 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Erfahrung

    Als sich meine Eltern scheiden liessen, war ich (damals 16)auch plötzlich in der Mühle der Sozialindustrie. Wie es mir dabei ging, interessierte niemand. Über mein Wohlergehen haben studierte Köpfe entschieden, ohne mich jemals nach meiner Meinung zu fragen. Auf mein Fragen hin meinte der Sozialarbeiter, er wisse was für mich gut sei und was nicht. Mein Vertrauen in den Sozialstaat ist dahin und jeder Franken unnütz ausgegeben. Ich bin froh, haben meine Grosseltern für und um mich gekämpft. Danke.

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  • ..es mami am 07.01.2015 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..eigene erfahrung

    ....vor weihnachten...gestern sagte jemand von einer stelle das die KESB nur in ausnahmefällen vor weihnachten solche sachen macht...ich habe letztes jahr genau zu dieser zeit einen brief bekommen..ohne genaue angaben und ohne mündliche stellungnahme...die zeit reichte nicht mehr etwas in erfahrung zu bringen...die weihnachtfreude war vorbei...soviel dazu wie die KESB rücksichtsvoll vorgeht...

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  • Francesco R am 07.01.2015 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Staatliche Kontrolle

    Das System sollte für die Menschen da sein und nicht die Menschen für das System. Der Staat sollte viel mehr die Kontrolle über den Nachwuchs den Eltern oder Verwandten abgeben und Vertrauen schaffen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • rosa rot am 08.01.2015 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    richtig machen ist eine kunst

    hätte die kesb nicht reagiert wäre es nicht richtig gewesen, nun hat sie aber reagiert und das ist auch nicht richtig. platziert sie nicht ist es falsch, platziert sie ist es falsch...

  • ivo/sg am 07.01.2015 23:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sozialkritikkanon

    Ich bedaure die Erlebnisse von dir, aber solche verallgemeinernde Ausdrücke wie Sozialundustrie sind wohl unangebracht. Viele Instututionen und Sozialpädagogen machen einen hervoragenden Job und nehme die Personen ernst in ihren persönlichen Anliegen. Ich verstehe nicht, dass aufgrund eines Vorfalls immer gleich das ganze System kritisiert wird. Es ist halt einfacher in Schubladen zu denken, als einzelne Schicksale und Institutionen differenziert zu betrachten!!

    • traurige mutter am 08.01.2015 18:36 Report Diesen Beitrag melden

      endlich licht ins dunkle bringen

      das ist nicht nur ein vorfall!!! wenn alle betroffene offen sprechen würden, dann wären viele vorfälle endlich ans licht kommen.

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  • David Krumbacher, Madiswil, CH am 07.01.2015 23:35 Report Diesen Beitrag melden

    Die KESB: HILFE oder BEDROHUNG??

    Die KESB hat es sich zur Taktik gemacht, Beschlüsse und Verfügungen kurz vor dem Wochenende und vor Feiertagen wie Weihnachten, zu erlassen. Meine beiden Töchter (9 und 17 J., Schweizer Bürger) wurden durch die KESB an einem Freitag Nachmittag nach Deutschland, mit Einsatz von Polizeigewalt, ausgeliefert. Ohne je ein Wort mit uns Eltern zu sprechen, hat die KESB so eine geheime Aktion beschlossen und ausführen lassen.

  • Robert am 07.01.2015 23:18 Report Diesen Beitrag melden

    Aber wieso nicht?

    Ja ok, aber nun wäre der Grund interessant, wieso es nicht möglich ist, dass sie zur Mutter zurückgeht. Offensichtlich wollen es beide, aber irgend ein wichtiger Grund verhindert es... Erst wenn dem Artikel angefügt wird, was die Hintergründe sind, ist es berechtigt, gegen die KESB zu schimpfen. Wiederum, Leute die gar nichts damit zu tun haben und nichts darüber wissen, geht es eigentlich gar nichts an. Hauptsache motzen können ohne den Hintergrund zu kennen. Und sonst sollte sich die Mutter und die 16 jährige wehren können, wenn es keinen Grund gibt...

  • Frederik Wildleder am 07.01.2015 23:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einmal so einmal anders

    ... Und wenn die Kinder über die Festtage im Heim hätten bleiben müssen, dann würden alle, die gegen die KESB wettern, weiter gegen die KESB wettern weil die Kinder nicht bei der Mutter hätten sein dürfen. Es ist eine Tragödie, wenn eine Mutter ihre Kinder umbringt, aber ein Restrisiko besteht nun einmal immer.