Straftäter Carlos

23. Oktober 2019 13:54; Akt: 23.10.2019 21:33 Print

«Jetzt erkläre ich euch den Krieg»

In mehreren Fällen soll der Straftäter Carlos im Gefängnis gewalttätig geworden sein. Nun steht er vor Gericht.

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Beschimpfungen, Drohungen, Gewalt und Sachbeschädigungen: Der Intensivstraftäter Carlos* soll während seiner Zeit im Gefängnis mehrmals Angestellte, Polizisten und Mitinsassen angegriffen haben.

Die zahlreichen Vorfälle umfassen 19 Dossiers, die in einer 26-seitigen Anklageschrift umschrieben werden. Der 24-jährige Carlos muss sich deswegen am kommenden Mittwoch einmal mehr vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten.

Gefängniswärter geschlagen

Einer der schwersten Vorfälle ereignete sich im Gefängnis Pöschwies. Wie es in der Anklageschrift heisst, soll Carlos einem Gefängnismitarbeiter zweimal die Faust gegen den Kopf geschlagen haben. Als der Mann zu Boden gefallen sei, schlug der «ausgebildete und extrem kräftige Kampfsportler» den Gefängnismitarbeiter erneut, wie es in der Anklage heisst.

Kurz vor dieser Attacke wurde Carlos eröffnet, dass er in die Sicherheitsabteilung verlegt werde. «Jetzt haben sie es also geschafft. Jetzt erkläre ich euch den Krieg», soll der 24-Jährige gesagt haben. Er habe einen Stuhl durchs Büro geworfen und tickte aus, als der Gefängniswärter den Alarmknopf drückte.

Verletzungen und psychologische Behandlung

Sechs Mitarbeiter der Interventionseinheit, die im Nebenraum bereitstanden, konnten Carlos «mit vereinten Kräften» fixieren. Einige erlitten dabei kleinere Verletzungen.

Auch am Gefängniswärter, den der Jugendstraftäter angegriffen hat, ging der Vorfall nicht spurlos vorbei. Er habe sich in psychologische Behandlung begeben müssen und sei fast drei Monate zu 100 Prozent krankgeschrieben gewesen.

«Kleine Schlampe»

Auch Mitinsassen soll Carlos angegriffen haben. Im Speisesaal soll der 24-Jährige einem Mann zwei Faustschläge verpasst haben. Bei einem anderen Mitgefangenen führte Carlos einen Bodycheck aus, sodass dieser umfiel und mit dem Kopf gegen eine Gittertür prallte.

Carlos zerstörte laut Anklageschrift Zellen sowie Gefängnisinventar, beschimpfte Gefängnisangestellte etwa als «Hurensöhne» oder «kleine Schlampen», stiess mehrmals Todesdrohungen gegen sie aus und bespuckte sie.

Welches Strafmass die Staatsanwaltschaft für Carlos fordert, wird erst an der Verhandlung bekannt gegeben. Der Prozess ist auf zwei Tage angesetzt. Das Urteil wird am 6. November eröffnet.

SRF-Sendung macht «Fall Carlos» bekannt

Carlos sorgt seit August 2013 immer wieder für Schlagzeilen. In einer SRF-Sendung wurde damals sein Fall vorgestellt. Der Sohn eines Schweizers und einer Brasilianerin wurde mit einer Sonderbehandlung betreut – ein Resozialisierungsprogramm für schwer erziehbare Jugendliche. Kostenpunkt: Über 29'000 Franken pro Monat. Zu diesem Zeitpunkt war der damals 17-jährige Carlos schon 34-mal wegen verschiedener Delikte verurteilt worden.

*Name geändert

(jen)