Kindergarten in Hinwil

18. September 2019 20:19; Akt: 18.09.2019 20:50 Print

«Kind brachte benutztes Kondom nach Hause»

von Jennifer Furer - Auf dem Spielplatz eines Kindergartens in Hinwil wüten Jugendliche. Eltern fordern die Gemeinde zum Handeln auf.

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Was Mutter Tom Ke T.* (35) aus Hinwil in einer Facebook-Gruppe schildert, tönt eher nach einer Messie-Bude denn nach einem Kindergarten-Spielplatz: Bänke und Tische seien «voller Rotze», Spritzen sowie zerschnittene Dosen und Joint-Reste würden auf dem Boden herumliegen.

«Ich habe die Schnauze voll, auf der letzten Gassirunde mit meinem Hund das Zeug wegzuräumen, bevor mein Kind am nächsten Tag wieder dort spielt», sagt die Mutter. Mit dort meint sie den Spielplatz beim Kindergarten Fröschlezzen in Hinwil.

Gebrauchtes Kondom nach Hause gebracht

Verantwortlich für die Situation macht sie «Halbstarke», wie sie die Jugendlichen nennt, die sich dort in ihrer Freizeit herumtreiben würden. «Ich habe Jugendliche zweimal dabei erwischt, wie sie in den Sandkasten gepinkelt haben», sagt T. Als die Mutter die jungen Männer darauf angesprochen habe, seien ihr Worte wie «Verreis» oder «Halt die Fresse» entgegengeschmettert worden.

Einmal habe ihr fünfjähriges Kind ein gebrauchtes Kondom vom Spielplatz mit nach Hause gebracht. «Sie hilft dort regelmässig sauber zu machen. Jetzt gebe ich ihr immer Handschuhe mit und sage ihr, sie solle solche Sachen nicht mehr anfassen», so T.

Säckchen mit Drogen

Der Spielplatz werde auch als Drogenumschlagplatz genutzt. «Es liegen Spritzen und Säckchen mit Drogen herum. Ich will mir nicht vorstellen, dass das auch in den Mund eines Kindes gelangen könnte», sagt T.

Gleiches sagt auch Mutter F. K.* (34) zu 20 Minuten: «Es ist wirklich furchtbar. Ich muss meiner Tochter beibringen, dass sie nicht mehr in den Sandkasten gehen kann.» Wie es für kleine Kinder üblich sei, esse auch sie manchmal Sand oder schlecke die Spielzeuge ab. «Es ist total eklig, wenn ich mir vorstelle, dass sie Urin von Jugendlichen in den Mund nimmt», so K.

Im Stich gelassen

Die Mütter F. K. und Tom Ke T. sowie andere Eltern, die sich auf Facebook äussern, fühlen sich von der Gemeinde im Stich gelassen. Denn der Zustand existiere nicht erst seit gestern. «Das Problem ist schon länger bekannt und es wird einfach nichts unternommen», sagt K.

Tom Ke T. stimmt zu: «Ich wohne jetzt seit zweieinhalb Jahren hier und es ändert sich seitdem nichts, trotz mehrmaligem Ansprechen des Problems.» Sie und auch K. wollen, dass endlich etwas unternommen wird – der Kinder und deren Gesundheit zuliebe. Eine Kamera oder ein angemessener Aufenthaltsraum für die Jugendlichen, der von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wird, könnte sich Tom Ke T. vorstellen.

Anlagen werden gesäubert

Monika Gnepf, Präsidentin der Schulpflege Hinwil, gibt 20 Minuten schriftlich Auskunft: «Im Kindergarten Fröschlezzen ist in den letzten Tagen eine Zunahme des Litterings durch die für das Areal zuständigen Hauswarte beobachtet worden.»

Der Hausdienst mache jeden Morgen Kontroll- und Reinigungsrunden in allen Liegenschaften der Schule Hinwil und befreie die Schulhaus- und Kindergartenumgebung von Abfällen. «Falls nötig, wird diese Massnahme auch am Wochenende durchgeführt. Bis zum Eintreffen der Kinder sind die Anlagen jeweils vom Abfall gesäubert», so Gnepf.

Kantonspolizei patrouilliert

Die Hotspots seien den Verantwortlichen bekannt und würden sich innerhalb der Gemeinde Hinwil laufend verschieben. «So sind nicht nur die Schulanlagen von Littering betroffen, sondern der gesamte öffentliche Raum und dies nicht nur in Hinwil. Die Kantonspolizei patrouilliert regelmässig an den bekannten Hotspots in der Gemeinde und weist Personen bei Bedarf von den Anlagen weg», sagt die Schulpräsidentin.

Auf diversen Schulanlagen seien Videoüberwachungsanlagen installiert. «Diese dienen vor allem im Kampf gegen Vandalismus», sagt Gnepf. «Wichtig sei das Hinschauen und Ansprechen durch uns allen, wenn solche Vorfälle beobachtet werden.» Weitere Massnahmen würden und seien an regelmässigen Austauschsitzungen diskutiert worden, wie beispielsweise das Einsetzen einer Sicherheitsfirma für regelmässige Kontrollgänge, das Einführen einer Gemeindepolizei oder der aufsuchenden Jugendarbeit in der Gemeinde Hinwil.

*Name der Redaktion bekannt.