«Hätte schief gehen können»

05. September 2019 16:42; Akt: 05.09.2019 17:13 Print

Polizei transportiert gefährliche Bombe im Auto

von T. Mathis/J.Furer - In Buchs AG musste die Polizei einen Wurf-Sprengkörper entschärfen. Jetzt spricht ein Fachexperte, der beim Einsatz involviert war.

Hören Sie im Video den Knall bei der Entschärfung.
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Polizei und Militär mussten am Mittwoch in Buchs AG eine Schlachtfliegerbombe entschärfen. Der gefährliche Sprengkörper war von einem anderen Polizeiposten dorthin transportiert worden.

Wieso wird ein gefährlicher Sprengkörper von der Polizei in einem Auto nach Buchs gefahren? Aline Rey, Sprecherin der Kantonspolizei Aargau, kann sich diesbezüglich derzeit nicht äussern. Sie sagt: «Das sind interne Abläufe, die man jetzt klären muss.» Auch werde jetzt angeschaut, wie in Zukunft mit solchen Gegenständen, die bei der Polizei abgegeben werden, umgegangen wird.

«Die Polizei hat den Blindgänger am Mittwoch um etwa 10 Uhr beim Militär gemeldet», sagt Alex Spora, Chef Einsatz der nationalen Blindgängermeldezentrale, der die Spezialisten beim Einsatz in Buchs unterstützt hat. Das sei ein üblicher Vorgang, wie er mehrmals jährlich stattfinde.


Hier ist der Roboter im Einsatz.

Zu den Gründen, wieso die Polizei die Gefährlichkeit nicht festgestellt hatte, kann Spora nichts sagen. «Mit unserer Expertise haben wir aber sofort feststellen können, dass von diesem Sprengkörper eine grosse Gefahr ausgehen könnte.» Darauf habe die Polizei unverzüglich reagiert und das Gebiet abgesperrt und Evakuierungen vorgenommen. Alles sei nach den Vorschriften abgelaufen.

Fahrzeug hätte in Stücke gerissen werden können

Der Wurf-Sprengkörper sei etwas grösser als eine Faust gewesen und enthielt laut Hersteller eine Ladung von 250 Gramm TNT. Der Sprengkörper hat eine Splitterwirkung im Umkreis von etwa hundert Metern. Spora sagt: «Wäre das Objekt etwa während des Transports unkontrolliert explodiert, wäre das Fahrzeug sicher schwer beschädigt worden, und Splitter hätten Passanten und Verkehrsteilnehmer verletzen können. Wir können von Glück reden, dass das nicht passiert ist.»

Bei der Entschärfung in Buchs sei alles nach Plan verlaufen. Polizei und Feuerwehr hätten vor Ort tatkräftig und professionell gehandelt. «Es ging ihnen sichtlich darum, die Gefahr abzuwehren und die Öffentlichkeit zu schützen.» Den Sprengkörper hätten Spezialisten des Forensischen Instituts Zürich sowie des Militärs vor Ort entschärft. «Sie haben einen Behälter um das Objekt gebaut – eine Art Sandburg. Mit einem Roboter wurde dann eine kleine Sprengladung angebracht und gezündet. Das hat zum Knall geführt, nicht die Explosion des Sprengkörpers», sagt Spora.

Polizeigebäude wegen Gegenstand evakuiert

Wie der Sprengkörper im Fall von Buchs zur Polizei gekommen ist, weiss Spora nicht. «Wir stellen aber fest, dass es vermehrt zu unsachgemässem Umgang mit Blindgängern kommt.» Erhöht habe sich in den letzten Jahren die Anzahl an Meldungen über scharfe Blindgänger, also über Sprengkörper, von denen eine grosse Gefahr ausgeht. «Sie können plötzlich explodieren, einen heissen Leuchtkörper oder Rauch ausstossen», so Spora.

«Wir hatten auch schon einen Fall, bei dem jemand als Souvenir von einem Gefechtsfeld einen Blindgänger mit nach Hause genommen hat», so der Chef Einsatz der nationalen Blindgängermeldezentrale. Darin sei ein chemischer Kampfstoff enthalten gewesen. «Viele sind sich nicht bewusst, wie gefährlich solche Objekte sind.»

Es sei deshalb sehr wichtig, dass die Bevölkerung darauf sensibilisiert werde. «Wer einen Blindgänger findet, sollte diesen auf keinen Fall berühren», sagt Spora. Richtig ist, den Standort mit einem auffälligen Gegenstand wie etwa einem Fähnchen oder einem Badetuch zu markieren und den Fund der Polizei zu melden. 2018 sind insgesamt 631 Meldungen über Blindgänger eingegangen.


Die Feuerwehr ruft dazu auf, alle Fenster und Türen zu schliessen.


Das sagen zwei Männer zur Evakuierung und die Kantonspolizei Aargau zum Sprengkörper.