Schwere Vorwürfe

04. Juli 2018 12:07; Akt: 04.07.2018 12:07 Print

«VBZ-Kontrolleur trat gegen meinen Kopf»

Bei einer Billettkontrolle gingen ein Fahrgast (20) und mehrere VBZ-Kontrolleure aufeinander los. Er sei geschlagen und getreten worden, als er schon auf dem Boden lag, sagt der 20-Jährige.

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Sechs leicht verletzte Personen und zwei Verhaftungen – so das Resultat einer Billettkontrolle, die am Sonntag beim Bahnhof Zürich-Wipkingen aus dem Ruder gelaufen ist. Ein Fahrgast (20) und ein VBZ-Kontrolleur wurden verhaftet.

Laut der zuständigen Staatsanwältin ist der Kontrolleur (45) noch in Haft. Sie habe einen Antrag auf Untersuchungshaft gestellt und ein Verfahren gegen ihn eröffnet, sagt sie auf Anfrage. Ein Verfahren laufe auch gegen den 20-jährigen Fahrgast. Er wurde noch am Sonntag aus der Haft entlassen. Noch immer ist sein ganzer Körper übersät mit blauen Flecken, wie der «Blick» schreibt. Er erzählt der Zeitung seine Version der Geschichte. Für ihn ist klar: Dass die Kontrolle so ausartete, ist nicht seine Schuld.

«Zu fünft gingen sie auf mich los»

Gegen 13 Uhr geriet er im 46er-Bus in eine Grosskontrolle. Der 20-Jährige hatte kein gültiges Ticket dabei. Er habe dem Kontrolleur gesagt, er solle ihm eine Busse ausstellen. Noch im Bus habe er die Personalien erfasst. Als sie beim Bahnhof Wipkingen aus dem Bus gestiegen seien, habe er nach der Busse gegriffen, so der 20-Jährige: «Ich wollte auf den Zug.» Doch stattdessen habe der Kontrolleur extrem langsam gemacht und sich aufgeplustert.

Der 20-Jährige hat laut der Zeitung den Mann beleidigt. Der Kontrolleur habe ihn dann am Kragen gepackt und heftig umgestossen. Der Passagier habe ihm darauf einen Faustschlag verpasst. Für ihn war das Selbstverteidigung. Die anderen vier Kontrolleure seien gekommen. Zu fünft seien sie auf ihn losgegangen. «Sie knallten meinen Kopf so heftig auf den Bordstein, dass meine Brille zersplitterte», so der 20-Jährige.

Gegen den Kopf getreten?

Der Kontrolleur, mit dem der Streit begonnen hatte, habe ihn in den Kopf getreten, während er am Boden fixiert gewesen sei. Dabei habe er Schläfe, Kiefer, Ohr und den seitlichen Hinterkopf getroffen. Der Gerichtsmediziner habe später leichte innere Blutungen festgestellt. Noch immer habe er Schmerzen, so der 20-Jährige.

Bei der VBZ bedauert man den Vorfall sehr. Stellung nehmen kann man laut einer Sprecherin aber noch nicht, da es ein laufendes Verfahren sei. Welche Konsequenzen der Fall haben werde, werde man intern abklären, sobald klar sei, wie sich alles zugetragen habe.

Auch die zuständige Staatsanwältin kann aufgrund des laufenden Verfahrens noch keine Angaben zum Ablauf der Auseinandersetzung machen. Unklar bleibt etwa bei der Version des 20-Jährigen, warum alle fünf beteiligten VBZ-Kontrolleure ebenfalls leichte Verletzungen erlitten haben.

(som)