Frauen unerwünscht

27. August 2019 04:52; Akt: 27.08.2019 04:52 Print

«Männer sind bei Arbeitszeit zuverlässiger»

von Jennifer Furer - In einem Stelleninserat sucht eine Gastrofirma einen männlichen stellvertretenden Geschäftsführer. Ein No-go, findet ein Personalexperte.

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«Wir suchen per sofort oder nach Vereinbarung einen erfahrenen männlichen Stellvertreter unseres Geschäftsführers.» Als eine Leser-Reporterin diese Zeilen in einem Stelleninserat las, fiel sie aus allen Wolken. «Ich finde das unangemessen in der heutigen Zeit, in der man eigentlich die gleichen Rechte haben sollte.»

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Das Inserat wirbt für eine Stelle in der Filiale von Hong Kong Food Paradise im Sihlcity. Die Inhaberin sagt auf Anfrage, dass dieses «auf gar keinen Fall» diskriminierend gegenüber Frauen gemeint sei. «Wir haben gezielt nach einer männlichen Person gesucht, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass diese zeitlich flexibler ist.»

Frauen feinfühliger bei Dekoration

Als Geschäftsführer seien Einsätze bis spät am Abend und am Samstag unabdingbar. «Es ist leider so, dass nur Männer diese Arbeitszeiten zuverlässig wahrnehmen können, weil die Frauen sich dann meist um die Familie kümmern müssen», sagt die Inhaberin weiter. Dafür seien Frauen feinfühliger, zum Beispiel bei der Dekoration.

Hätte man in der Stellenbeschreibung nicht geschrieben, dass nur Männer gewünscht seien, müsste man den Frauen absagen, die sich beworben haben, so die Inhaberin. «Das raubt Zeit und hegt auch falsche Hoffnungen.» Es sei aber sicher so, dass Frauen den Job auch ausführen dürften, aber eben nur unter der Voraussetzung, dass sie die Arbeitszeit auch wahrnehmen könnten.

Inserat geändert

Der Mann der Inhaberin ergänzt per Mail: «Bei uns in der gesamten Gastrogruppe, die vier Betriebe beinhaltet, sind sicher ein Viertel Frauen, deren Einsatz und Engagement wir täglich sehr schätzen.» Um das «missverständliche Aufnehmen dieses Themas» aufzuklären, sei das Inserat «natürlich sofort geändert» worden. «Es war auch nur auf diese Stelle im Sihlcity so erstellt worden, ohne da eine böse und schon gar nicht diskriminierende Haltung darzustellen.»

«Besser die Bedingungen klar formulieren»

Personalexperte Matthias Mölleney sagt, dass das Stelleninserat unter die Kategorie No-go falle. «Es geht nicht, dass man von vornherein Frauen abspricht, die zeitlichen Bedingungen zu erfüllen.» Es sei zudem verfehlt, davon auszugehen, dass alle Männer im Gegenzug abends und samstags arbeiten könnten und möchten. «Wir leben in einer Zeit, in der es zum Glück nicht mehr akzeptabel ist, Frauen auszuschliessen.»

Mölleney hätte es besser gefunden, wenn im Stelleninserat die zeitlichen Bedingungen klar formuliert gewesen wären. «So kann man ebenfalls ausschliessen, dass sich Leute bewerben, die die Arbeitszeiten nicht einhalten können.»

«Solche Auswahlkriterien sind nicht zulässig»

Binh Tschan von der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich sagt, dass geschlechterdiskriminierende Stellenausschreibungen nicht ausdrücklich verboten seien, sie könnten aber ein Indiz für eine Diskriminierung bei nicht erfolgter Einstellung sein. «Das Geschlecht per se darf nur ein Auswahlkriterium sein, wenn es für die zu erbringende Arbeit wesentlich ist.» Das scheine für die Stelle der stellvertretenden Geschäftsführung des Gastronomiebetriebs nicht der Fall zu sein.

Die von der Inhaberin vorgebrachten Gründe seien klassische Vorurteile beziehungsweise Rollenzuschreibungen. «Solche Auswahlkriterien sind nicht zulässig, da sie Stereotypen sind», sagt Tschan. «Auch Väter sollten doch in der Lage sein, samstags und am Abend die Kinderbetreuung zu übernehmen, damit eine bestens qualifizierte Mutter anspruchsvolle berufliche Tätigkeiten übernehmen kann.»

Das heisst in diesem Fall konkret: Wenn sich eine bestens qualifizierte Frau auf die Stelle meldet und dabei glaubhaft macht, auch zeitlich den Anforderungen entsprechen zu können, dürfte die Inhaberin nicht einzig das Geschlecht als Argument ins Feld führen, um sie nicht anzustellen. «Andernfalls könnte eine solche Frau nach einer erfolglosen Bewerbung eine Geldentschädigung verlangen», erklärt Tschan.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sensation80 am 27.08.2019 05:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es nervt! 

    Rennt jetzt eigentlich jeder und jede zu den Medien wenn er/sie sich in irgendeiner Form diskriminiert fühlt?

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  • simon am 27.08.2019 05:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    echt jetzt?

    tja ihr geschäft...sie entscheiden wer sie einstellen...also lieber von anfang an klar stellen als dann alle frauen abzulehnen... auch wenn sie nur schweizer oder nur schwarze oder nur frauen etc fordern ist das ihr gutes recht... schliesslich ihre firma, weiss nicht weshalb man sich darüber aufregen muss und mimimi bei den medien machen!

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  • Bobweg am 27.08.2019 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung für die einen

    Ich lese ständig Inserate, wo ausschließlich Frauen gesucht werden, wegen einer angeblichen Konstellation im Team. Gibt es darüber keinen Zeitungsbericht?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Inkgonito Spastiko am 27.08.2019 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    thats it

    Schon mal drüber nachgedacht das die folgende Stelle nur einem Mann zuspricht? In meinem Beruf will ich keine Frau sehen, den dieser Beruf ist mir für eine Frau zu schade!

  • Niko am 27.08.2019 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Worte für diesen Bericht

    Gerade gibt es nichts zu berichten in züri und da sucht man nach Material. Diskriminierend ist er eher der Artikel indem man die Inhaberin angreift. Viele Unternehmen schreiben eine Stelle aus und haben eine Vorstellung wie ihr zukünftiger Arbeitnehmer/in aussieht bloß geben die in der Ausschreibung nicht aussagekräftig wenn sie suchen. Soll ich mich auch benachteiligt fühlen als Mann wenn ich über anzeigen drüberlese die eine Assistentin suchen? Nein, das ist freie Marktwirtschaft. Klare und deutliche Stellenanzeigen ausschreiben so sparen sich die Kandidaten Mühe Zeit und Emotionen.

  • didi19 am 27.08.2019 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    Das kann ja nicht wahr sein

    Darf ich jetzt, als Inhaber eines Unternehmens, nicht mehr selber entscheiden, ob ich eine Frau oder einen Mann einstelle? Das ist ja nun völlig durchgeknallt!

  • Rudi am 27.08.2019 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Na und...

    Wieso haben etliche Frauen Problem mit dem Inserat ...wenn ich ein Mann will...also bitte nur Bewerbungen von Männern ..erspart mir Zeit und Arbeit..und spare Geld...

  • Patrick h. am 27.08.2019 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Sünneli

    Würde man explizit eine Frau suchen wäre es was ganz anderes. Dann fühlt sich das "starke Geschlecht" klar diskriminiert. Ich schäme mich als Mann für die "Männer" hier. Aber die Männer hier sind ja auch grösstenteils 50plus und wählen das Sünneli...

    • Sigi am 27.08.2019 14:11 Report Diesen Beitrag melden

      @Patrick h.

      Männer werden schon überall diskriminiert - tschäggst du das nicht? Männer werden zu Frauen gemacht und Frauen werden zu Männern gemacht. Das ist ein globaler Plan, Menschen zu trennen und schlussendlich zu zerstören. Alles steht Kopf und die Welt ist gerade aus den Fugen. Aber das darf man ja nicht sagen im Irrenhaus. Sorry.

    • Dr. Doodle am 27.08.2019 15:41 Report Diesen Beitrag melden

      Ich stimme zu

      Ich könnte es nicht besser ausdrücken. Wir modernen Männer müssen endlich aufhören uns an ein altertümliches Männerbild zu klammern. Niemand anderes als wir Männer können den Frauen die Rechte geben welche sie schon so lange verdienen. All die "grossen und starken" Männer sollten sich mal ein wenig hintersinnen und das völlig veraltete Männerbild entlich ablegen. Für die komplette Gleichstellung der Geschlechter!!

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