Italienischer Anwalt

29. März 2016 13:10; Akt: 29.03.2016 17:10 Print

«Magdici und Kiko stimmen Auslieferung zu»

Gefängnisaufseherin Angela Magdici und Sexualstraftäter Hassan Kiko sitzen seit Karfreitag in einem italienischen Gefängnis. Jetzt wollen sie zurück in die Schweiz.

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Der italienische Anwalt Mario Campagna hat die Vertretung von Angela Magdici (32) und Hassan Kiko (27) übernommen. Am Dienstagmorgen hat er seine beiden Klienten vor das Berufungsgericht in Brescia begleitet. Es ging dabei um die Auslieferung der vor sechs Wochen aus der Schweiz geflüchteten Gefängnisaufseherin und des verurteilten Vergewaltigers. «Beide haben einer vereinfachten Auslieferung zugestimmt», sagt Campagna zu 20 Minuten.

Er habe seine Klienten dazu angehalten zu kooperieren; sie hätten zugestimmt. «Sonst wäre es einfach eine Frage der Zeit gewesen, früher oder später wären sie mit grosser Sicherheit ausgeliefert worden», sagt Campagna. Die Fakten seien eindeutig. Ihre Kooperation hingegen könne ihnen für das Gerichtsverfahren in der Schweiz positiv ausgelegt werden, so Campagna.

Was geschieht mit dem BMW?

Der Anwalt rechnet damit, dass die italienische Justiz in zehn bis 15 Tagen alle rechtlichen Schritte für die Auslieferung in die Wege geleitet hat. «Es kommt aber auch auf die Schweizer Justizbehörden an», sagt er. So müsse schliesslich die Zürcher Polizei die beiden Flüchtigen abholen. Beim Schweizer Bundesamt für Justiz heisst es dazu: «Nachdem Italien die vereinfachte Auslieferung bewilligt hat, kann diese grundsätzlich unverzüglich erfolgen.» Bis dann hat Campagna aber noch einiges zu tun für seine Klienten.

Unter anderem muss er klären, was mit dem beschlagnahmten BMW X1 von Angela Magdici geschieht. Hassan Kiko wurden zudem noch 1000 Franken überwiesen, die er nie abheben konnte. Auch das Geld sei beschlagnahmt worden. «Um diese Fragen zu besprechen, werde ich meine Klienten in den nächsten Tagen noch ein paar Mal besuchen.»

Erst wollten sie keinen Anwalt

Die zwei sitzen seit Karfreitagmorgen im Gefängnis in Bergamo – voneinander getrennt. In den ersten Meldungen zum Verhalten des Liebespaars, das in einem grossen Wohnblock in Bergamo geschnappt worden ist, hatte es geheissen, sie hätten sich gegenüber den Carbinieri unkooperativ verhalten und keinerlei Auskunft geben wollen. Auch die Hinzuziehung eines Anwalts hätten sie abgelehnt.

«Das italienische Gesetz erlaubt aber nicht, dass ein Verhafteter nicht anwaltlich vertreten ist», sagt Paolo Storoni, Kommandant der Mailänder Polizei-Spezialeinheit Raggruppamento Operativo Speciale (ROS). Darum hätten die italienischen Justizbehörden für beide einen Anwalt nominiert.

«Am Anfang waren sie durcheinander»

Campagna bestätigt, dass er von den Justizbehörden nominiert wurde. Die anderen Aussagen relativiert er aber. «Es war drei oder vier Uhr morgens, als sie verhaftet wurden, da waren sie durcheinander.» Jetzt seien sie bestrebt, ein Maximum an Kooperation zu beweisen.

(ann)