Verzweifelter Vater

09. Dezember 2011 18:14; Akt: 09.12.2011 18:14 Print

«Mein Sohn lag zwei Stunden in der Lawine»

Der Vater des 6-jährigen Rodrigo, der in Saas-Fee von einer Lawine verschüttet wurde, klagt die Bergbahn an. Man habe nicht nur die Pisten nicht richtig gesichert, sondern auch die Lawine zu spät bemerkt.

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Auf der Traverse vom Felskinn im Skigebiet Saas Fee ging die Lavine nieder.

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Der Vater des 6-jährigen Jungen aus Spanien, der am Mittwoch in Saas-Fee auf der Piste von einer Lawine erfasst wurde und starb, erhebt in der spanischen Presse schwere Vorwürfe gegen die Verantwortlichen. Gemäss seinen Ansichten kam sein Sohn Rodrigo «wegen der Fahrlässigkeit irgendeines Idioten ums Leben.» Der Mann, der nur seinen Vornamen José nennen will, steht bereits in Kontakt mit einem Anwalt, weil er gegen die Verantwortlichen der Bergbahnen Saas-Fee Klage einreichen will. «Sie kommen nicht ungeschoren davon», verspricht er.

Die Familie stammt aus Valladolid, einer mittelgrossen Stadt in Zentralspanien, 180 Kilometer nördlich von Madrid. Am Mittwochvormittag hatte José in Saas-Fee für seinen Sohn einen Skikurs von zweieinhalb Stunden gebucht.

«Ich sah schon beim ersten Hochfahren die Lawine»

Rodrigo fuhr mit seiner Lehrerin vor dem Vater auf den Berg. José nahm die nächste Gondel, etwa eine Viertelstunde später. «Ich ging um 10.20 Uhr hoch, und sah schon dann die Lawine auf der Piste», erzählt er. Er habe sich aber nichts dabei gedacht, weil er glaubte, sie sei über Nacht niedergegangen.

Um 12.30 Uhr, als Rodrigo und die Lehrerin nicht in Sicht waren, habe er seine Frau angerufen. Sie erzählte ihm, sie sei eben informiert worden, dass eine Lawine niedergegangen sei.

«Sie sagten mir, er lebe noch»

Darum fuhr er hoch, doch die Verantwortlichen der Bergbahn liessen ihn nicht zur Unfallstelle. Er habe gewartet und eine Viertelstunde später habe man ihn nach dem Namen seines Sohnes gefragt, weil dieser auf dem Helm stand.

«Als ich den Namen nannte, sagten sie, sie versuchten, ihn ins Leben zurückzuholen.» Darauf habe der Vater gefragt, ob er noch lebe oder tot sei. «Nach einem kurzen Zögern wurde mir gesagt, dass er noch lebe.» Aber José durft nicht zu Rodrigo, der gleich darauf mit dem Helikopter ins Unispital Lausanne gebracht wurde. Die Polizei fuhr die Eltern im Auto dorthin.

Das Krankenhaus tat alles, um Rodrigo zu retten

Vater José ist überzeugt, dass die Bergbahnen doppelt fahrlässig handelten, weil einerseits eine Lawine auf die Piste niederging und zweitens die Lawinenwarnung erst um 11.45 Uhr aktiviert worden sei. «Das ist mehr als eine Stunde, nachdem es passiert ist», wie er glaubt. Rodrigo sei eineinhalb bis zwei Stunden unter dem Schnee begraben gewesen und nicht während nur 45 Minuten, wie die Polizei des Kantons Wallis sagt.

Auch im Krankenhaus in Lausanne habe man ihm aufgrund der starken Unterkühlung seines Sohnes gesagt, dass seine Version mehr Sinn mache. Das Krankenhaus habe alles getan, um Rodrigo zu retten. «Aber es sollte nicht sein.»

«Wir sind bestrebt, dieses schreckliche Ereignis transparent aufzuklären»

Doch der Vater kritisiert nicht nur die Bergbahnen, sondern auch die Skilehrerin, die selbst von der Lawine teilweise begraben wurde. Sie sei auf den Berg hoch gefahren, obwohl ein starker Wind geweht habe.

Weder Polizei noch die zuständige Staatsanwaltschaft wollen sich zu den Vorwürfen äussern. Rainer Flaig, Chef der Bergbahnen Saas-Fee, hat Verständnis für den Vater. «Er hat sein Kind verloren, das ist furchtbar und tut brutal weh.»

Zu den Vorwürfen selbst will Flaig nur so viel sagen: «Die Staatsanwaltsschaft hat alle Abläufe überprüft. Alle Protokolle wurden ihr übergeben, alle Funksprüche wurden aufgenommen und sind notiert. Wir arbeiten in allen Bereichen mit der Polizei zusammen und sind bestrebt dieses schreckliche Ereignis transparent aufzuklären.»

(ann)