Ex-Asylzentrum in Zürich

20. November 2019 13:39; Akt: 20.11.2019 13:39 Print

«Mit Alkohol, Gewalt und Drogen gab es Probleme»

Kritiker des neuen Bundesasylzentrums in Zürich-West fordern eine Anpassung an die Praxis im Ex-Asylzentrum auf dem Juch-Areal. Doch auch dort gab es offenbar Probleme.

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Im Asylzentrum Juch soll es unter der Führung der Stadt grosse Sicherheitsprobleme gegeben haben, berichtet die «Neue Zürcher Zeitung». Mehrere ehemalige Mitarbeiter erzählen von organisierter Kriminalität, von regelmässiger Gewalt und Erpressungen. «Das Asylzentrum wurde von kriminellen Banden als Umschlagplatz für Diebesgut und Drogen genutzt», sagt etwa Markus Giger. Das Zürcher Sozialdepartement wies den Vorwurf, dass auf dem Areal mit Drogen gehandelt worden sei, als falsch zurück. Diebesgut sei in der Regel ausserhalb des Zentrums gelagert worden. Das Bundesasylzentrum in Zürich-West ist seit Anfang November in Betrieb. Derzeit sind rund 150 Asylsuchende dort untergebracht. Platz hat es für rund 360. Das Gebäude sei hermetisch abgeriegelt. Bewohner und Mitarbeiter vergleichen es mit einem Gefängnis. Das Gelände könne nur verlassen werden, wenn Securitas-Mitarbeiteitende den Ausgang freigäben. Bei jedem Einlass ins Bundesaslyzentrum würden Ganzkörperkontrollen durchgeführt – auch bei Kindern. Der zuständige Stadtrat und Sozialvorsteher Raphael Golta (SP) findet ebenfalls deutliche Worte. «Nach unserem Kenntnisstand erfüllt das Bundesasylzentrum das Ziel einer menschenwürdigen Unterbringung derzeit nicht.» Dieser Meinung ist auch AL-Gemeinderätin Ezgi Akyol. «Geflüchtete Menschen sind keine Kriminelle», sagt sie. Das SEM sehe dies aber offensichtlich anders. «Es kann nicht sein, dass Asylsuchende in einem Zentrum leben müssen, in dem derartig menschenunwürdige Bedingungen herrschen.» Zustimmung erhält die AL-Politikerin aus der Mitte. GLP-Gemeinderat Markus Baumann sagt: «Wenn sogar Herr Golta, der für mich sehr glaubwürdig ist, Massnahmen fordert, ist das ein Zeichen, dass etwas falsch läuft.» Mauro Tuena, Nationalrat und Präsident der Stadtzürcher SVP, meint hingegen, dass Goltas sich nur so äussere, weil er von seiner Partei unter Druck sei. Die Realität und die Fakten würden eine andere Sprache sprechen. «Es ist gerechtfertigt, dass das SEM Massnahmen wie Sicherheitskontrollen durchführt», so Tuena.

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Erst Anfang November ist das Bundesasylzentrum in Zürich-West eröffnet worden. Doch bereits jetzt gibt es heftige Kritik. Es ist von unmenschlichen Bedingungen, fragwürdigen Regeln und massloser Repression die Rede. Die Bewohner vergleichen das Zentrum mit einem Gefängnis. Das Staatssekretariat für Migration (SEM), das das Zentrum betreibt, weist die Kritik zurück.

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Kritiker fordern, dass man sich bei der Unterbringung von Asylsuchenden mehr an der Praxis des Juch-Areals in Zürich ausrichtet, auf dem ein Testbetrieb stattgefunden hat. SP-Stadtrat Raphael Golta bezeichnete die dortigen Sicherheitsmassnahmen gegenüber 20 Minuten als «pragmatischer».

«Kriminalität, regelmässige Gewalt und Erpressungen»

Doch im Asylzentrum Juch soll es massive Sicherheitsprobleme gegeben haben, wie Recherchen der «NZZ» zeigen. Ehemalige Mitarbeiter berichten gegenüber der Zeitung von organisierter Kriminalität, regelmässiger Gewalt und Erpressungen.

Darunter ist Markus Giger, der frühere Sicherheitschef des Asylzentrums Juch. «Das Asylzentrum wurde von kriminellen Banden als Umschlagplatz für Diebesgut und Drogen genutzt, während die Leitung weggeschaut hat», sagt er. Zudem seien dort auch unbefugte Personen ein- und ausgegangen und hätten dort sogar übernachtet.

Diebstahl, Alkohol und Drogen

Manche Bewohner hätten im grossen Stil geklaut, sagt Giger. Trotzdem sei die damalige Regelung gewesen, dass das Sicherheitspersonal aus Rücksicht vor der Privatsphäre Taschen nur von aussen abtasten und Zimmerkontrollen zurückhaltend durchführen solle.

Bei gezielten Durchsuchungen auf konkreten Verdacht hin seien jeweils unterschiedlichste Dinge im Wert von mehreren Tausend Franken gefunden worden – von falschen Ausweisen und Bargeld über Markenkleider, elektronische Geräte und Alkohol bis hin zu Drogen, insbesondere Kokain, und Medikamenten. Ein weiteres Problem war laut Giger, dass die Bewohner oft exzessiv Alkohol konsumiert hätten. Es sei dann zu Gewalt gekommen.

Giger musste noch in der Probezeit gehen. Sein Nachfolger, der anonym bleiben will, hat gegenüber der Zeitung gesagt, dass auch nach dem Weggang von Giger Alkohol, Drogen und Gewalt ein Thema gewesen sein sollen und Diebesbanden bis zuletzt im Asylzentrum Unterschlupf gesucht hätten.

«Es gab keinen Drogenhandel»

Polizeisprecher Marco Cortesi sagte zur «NZZ», dass man keine Kenntnis über Drogenbesitz oder Drogenhandel auf dem Areal gehabt habe. Er bestätigt aber regelmässige Einsätze wegen Verdachts auf Diebstahl. Das Zürcher Sozialdepartement hat den Vorwurf, dass auf dem Areal mit Drogen gehandelt worden sei, ebenfalls als falsch zurückgewiesen. Diebesgut sei in der Regel ausserhalb des Zentrums gelagert worden.

Eingeräumt hat es dagegen, dass unbefugte Personen auf dem Areal übernachteten. Dabei habe es sich aber um Einzelfälle gehandelt. Alkohol sei ein Problem gewesen, aber ebenfalls vor allem ausserhalb des Zentrums konsumiert worden.

«Wir hatten nicht mehr Polizeieinsätze, nicht mehr Suizidversuche, nicht mehr Gewalt oder Alkohol als in strenger geführten Zentren», betonte auch eine ehemalige Betreuungsperson gegenüber der Zeitung. Da solche Phänomene ohnehin nicht zu vermeiden seien, solle man den Aufenthalt für die Asylsuchenden besser so angenehm wie möglich gestalten,
statt sie zu schikanieren.

(ilh/tam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Expat am 20.11.2019 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum das zulassen

    Liebe Leute kein aber gar kein Land ist so nett und verständnisvoll zu seinen ungebetenen Gästen wie die Schweiz. In Südostasien fragen mich viele Leute für die die Schweiz in vielem ein Vorbild ist warum wir das zulassen dass einige wenige unsere Großzügigkeit so mit Füßen treten. Ich habe leider keine Antwort. Wünsche den Schweizerinnen alles Gute.

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  • Al Cavallo am 20.11.2019 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    So ist gut

    Die Gesetze werden nicht angewendet. Es herrscht Chaos und dafür sind die Linken und ganz Linken (Grünen) verantwortlich. Mit nett sein kommt man vielleicht beim lieben Gott zum Zug. Aber sicher nicht bei den allermeisten Wirtschaftsflüchtlingen, die weder Bildung haben, noch unsere Kultur akzeptieren wollen.

  • C.S. am 20.11.2019 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst die Tatsache, dann die Meinung

    Hört endlich auf immer alles schön zu reden und schaut den Tatsachen ins Auge. Nur strenge Kontrollen sind in solchen Fällen angesagt und wer nicht pariert darf gerne unser Land verlassen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • stadtzürcher am 21.11.2019 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stadt toleriert rechtsfreie Zonen

    So auf den besetzten Arealen wie Koch und Juchhof. Ebenso nicht akzeptabel ist die Laissez-faire Politik im Asylwesen. Wenn keine oder ungenügende Kontrollen stattfinden, nimmt die Kriminalität stetig zu.

  • G. Strüby am 20.11.2019 19:41 Report Diesen Beitrag melden

    Schande

    Es ist unglaublich, Das ist absolut intolerabel ! Maßloser Alkohol Konsum, Drogen , Gewalt, das sind ja wirklich Teufel und nicht Schutz bedürftige. Wenn man wirklich vor Verfolgung flüchten muss, ist man dankbar für etwas Essen und ein Dach überm Kopf. So ein verhalten im Gastland ist eine Schande!

  • Marcel M. am 20.11.2019 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Unsicher

    Die Schweiz war mal ein sicheres land, jetzt schon lange nicht mehr. Polizist, Sanitäter sind heutzutage schon hoch Risiko Jobs, bei dem Gewalt Potenzial von gewissen Kulturen wird's echt ein Problem. Hätten wir fähige Politiker, die sich für Land und Bürger einsetzen würden, wäre das nicht passiert. !

  • Andy Seeland am 20.11.2019 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Grenzenlose Naivität

    Ich frage mich ehrlich wie wohl Familien innerhalb solcher Zentren geschützt wurden, wenn man der organisierten Kriminalität Tür und Tor öffnete und rechtsfreien Raum schuf. Da wurden die Falschen geschützt, liebe und nette Linksgrün Bande. Sowas zulassen und dann noch schützen und schönreden, das ist Beihilfe. Ich bin sehr froh dass nun das SEM direkt verantwortlich ist, sollen sich nur nicht unterkriegen lassen.

  • Anna am 20.11.2019 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    kann es nicht mehr hören

    Diese Leute brauchen eine strenge Hand. Es gibt keinen anderen Weg, sie in den Griff zu kriegen. Wenn diese Kuschelei nicht aufhört, kommt der Tag, wo es keinen Sinn mehr macht Steuern zu zahlen.